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    Gefahr durch russischen Atom-Satelliten?

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    MOSKAU, 29. Januar (Andrej Kisljakow für RIA Novosti). Seit fast einem halben Monat bereitet ein atomgetriebener Satellit aus Sowjetzeiten den Experten große Sorgen.

    Der einstige Stolz der sowjetischen Militärtechnik wurde 1987 in eine etwa hohe 800 Kilometer Erdumlaufbahn gebracht. Vor kurzem begann er plötzlich, sich im Weltraum in Bruchstücke aufzulösen.

    Doch alles mit der Ruhe. Der sowjetische Weltraumapparat „Kosmos 1818“ mit Atomantrieb ist nicht in der Lage, die Menschheit auszulöschen. Doch weist der Vorgang auf Sicherheitsfragen im Weltraum hin.

    Bereits Anfang des vergangenen Sommers haben die Weltraumbeobachtungsstationen des US-kanadischen Luftabwehr-Kommandos (NORAD) gemeldet, dass dieser Satellit auseinander breche. Am 4. Juli wurde diese Information von der NASA verbreitet. Der Prozess schritt derweilen immer weiter. Am 15. Januar beschrieb die US-Weltraumbehörde den Zustand des „Kosmos“ in einem Sonderbulletin über Weltraumschrott.

    Die zuständigen russischen Behörden enthielten sich bis zuletzt einer Stellungnahme. Keine gute Strategie. Viele tendenzielle Äußerungen über „eine neue russische Bedrohung“ hätten sich jedenfalls vermeiden lassen. Zumal ein Kommentar ohnehin nicht ausbleiben hätte sollen.

    Am 21. Januar gab der stellvertretende Befehlshaber der russischen Raketentruppen, Generalmajor Alexander Jakuschew, zu, dass die russische Weltraumüberwachung am 4. Juli den teilweisen Zerfall des „Kosmos-1818“ festgestellt habe. Ungewöhnliche Veränderungen seiner Umlaufbahn seien aber nicht verzeichnet worden. Es bestehe auch keine Gefahr für die Internationale Raumstation ISS und der atomaren Verseuchung für die Erdoberfläche.

    Die Parameter der Erdumlaufbahn würden täglich nach Angaben des russischen Weltraumkontrollsystems präzisiert, so der Generalmajor. Der Kosmos-Satellit solle nach vorläufigen Kalkulationen im Jahr 2045 verbrennen. Was die Teile des Apparats betrifft, so hätten sie eine Erdumlaufbahn, die ihnen ein ähnlich langes Leben sichere.

    „Kosmos-1818“ wurde im Zuge des Entwicklungsprogramms für Aufklärungssatelliten unter anderem für die Marine als Testapparat gebaut. Bei der Entwicklung von Weltraum-Atomanlagen konnte die Sowjetunion übrigens ziemlich viele Erfolge feiern. Bereits Mitte der 60er Jahre entstand die Atomkraftanlage BES-5 Buk. Der „Kosmos“-Reaktor, der den Namen Topas bekam, war eine erfolgreiche Fortsetzung der sowjetischen Programme.

    Es lässt sich nur mutmaßen, was die Ursache für den Zerfall des Satelliten war. Experten äußerten die Meinung, dass die kugelförmigen Bruchstücke aus Kali-Natron, das im Abkühlungssystem des Reaktors verwendet wurde, bestehen könnten.

    Im vergangenen Juli sollte das Kühlungsmittel nach NASA-Angaben im festen Zustand bleiben, doch ein Teil davon könnte in den Sonnenstrahlen geschmolzen sein. Wegen der langzeitigen Einwirkung von extremen Temperaturen konnte das Kühlungsmittel aus dem Abkühlungsrohr ausgestoßen worden sein und sich in metallisch glänzende fliegende Kugeln verwandelt haben.

    Die Hauptsache ist, dass diese Fragmente für die Menschen auf der Erde keine Gefahr darstellen. Dennoch lässt die Geschichte des unglückseligen „Kosmos-1818“ und deren Vorgänger konkrete Gedanken aufkommen. Es ist kein Geheimnis, dass eine Gruppierung von Aufklärungssatelliten mit Nuklearanlagen über ein kolossales, mit herkömmlichen Satelliten unvergleichbares Potential verfügt. Die Amerikaner planen heute nicht von ungefähr, diese Art von Satelliten zu schaffen. Übrigens auf der Grundlage der russischen Reaktoranlage Topas-2, die ihnen 1992 verkauft wurde.

    Außerdem ist es jetzt schon klar, dass Chemietriebwerke bei bemannten interplanetaren Flügen kaum eingesetzt werden können. Die nuklearen Kraftanlagen gehören zu den Prioritätsrichtungen auf diesem Gebiet. Die NASA arbeitet bereits jetzt an einem bemannten Raumschiff mit Atomantrieb. Auf jeden Fall können ziemlich bald mehrere nukleare Satelliten in der Erdumlaufbahn auftauchen. Wird dann alles glatt verlaufen? Und wie kann die Erde sich vor den schrecklichen Folgen einer möglichen nuklearen Katastrophen in der Umlaufbahn schützen?

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der der RIA Novosti übereinstimmen.

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