13:12 19 Oktober 2017
SNA Radio
    Meinungen

    Russland baut Berufsarmee auf

    Meinungen
    Zum Kurzlink
    0 2810

    MOSKAU, 02. Februar (Nikita Petrow für RIA Novosti). Am 1. Februar hat die russische Armee mit dem Aufbau eines neuen Unteroffizierskorps begonnen.

    MOSKAU, 02. Februar (Nikita Petrow für RIA Novosti). Am 1. Februar hat die russische Armee mit dem Aufbau eines neuen Unteroffizierskorps begonnen.

    Das Korps soll aus Sergeants auf Vertragsbasis mit staatlichem Ausbildungsdiplom bestehen.

    Die neue Armee, die 2016 eine Million Angehörige zählen soll, wird 250 000 Unteroffiziere brauchen. Die Militärhochschulen sollen demnach jährlich 15 000 diplomierte Unteroffiziere ausbilden, in erster Linie in den technischen Berufen.

    Die künftigen Unteroffiziere sollen während ihrer Ausbildung aktiv an Lehrvorführungen, Kommandostabsübungen und operativ-taktischen Übungen teilnehmen sowie regelmäßig Praktika in der Armee absolvieren. Sie sollen 70 Prozent der Ausbildungszeit im Feld, auf dem Schieß- und auf dem Kampfmaschinen-Testgelände verbringen und nur die restlichen 30 Prozent den Theoriestunden in den Lehrräumen widmen.

    Die Verwirklichung der revolutionären Aufgabe bedarf auch der Lösung mehrerer anderen Organisationsfragen. Gegenwärtig befassen sich gleich drei Militärressorts samt unterstellten Strukturen mit den Unteroffizieren der Land-, Luft- und Seestreitkräfte. Solange das Ausbildungs- und Dienstsystem flexibel war, entstanden keine Widersprüche.

    Doch da die Unteroffiziere zu einer separaten und recht großen Gruppierung (insgesamt 250 000 Mann, 100 000 Mann mehr als Offizere) in der Berufs- und Pflichtarmee aufgebaut werden sollen, muss ein Sondergremium für ihre Ausbildung und die Lösung ihrer dienstlichen und sozialen Probleme geschaffen werden. Was für ein Gremium das sein soll, ist bislang aber nicht klar. Das Verteidigungsministerium beginnt gerade erst damit, sich an dieses Problem zu machen.

    Dabei gibt es interessante Erfahrungen bei der Ausbildung von berufsmäßigen Unteroffizieren. Und zwar nicht nur in den westlichen Ländern mit Berufsarmeen wie in den USA, Großbritannien, Kanada und Frankreich, sondern auch zum Beispiel in Kasachstan.

    Dort werden die künftigen Sergeants unter den Mittelschülern ausgewählt. Die kräftigsten und gescheitesten Nachwuchssoldaten mit Führungsqualitäten bekommen nach der achten Klasse das Angebot, an einer Militärfachschule zu studieren. In drei bis vier Jahren beenden sie diese mit einem staatlichen Fachausbildungsdiplom.

    Danach gehen sie in die Armee und werden dort zu Gruppen- oder Zugführern. Die Ausbildung und Erziehung der Wehrdienst- und Zeitsoldaten liegt völlig in den Händen der Unteroffiziere.

    Die Offiziere entwickeln nur die Ausbildungsmethodik, kontrollieren den Ausbildungsprozess, befassen sich mit Taktik und Schlachtführung und lösen andere Probleme. Doch ihr Arbeitstag ist nicht länger als sieben oder acht Stunden. Sie müssen nicht tagelang auf dem Verbandsgelände bleiben, was ihre russischen Kollegen oft und mit wenig Erfolg tun.

    Auch die nach Nato-Standards gebildete litauische Armee kann interessante Erfahrungen bei der Organisation des Unteroffiziersdienstes aufweisen. Dort ist der Unteroffizier ebenso wie in der kasachischen Armee Herr über seine Einheit.

    Er fasst allein alle Entschlüsse und übernimmt die gesamte Organisationsarbeit. Der Offizier übt nur Kontrolle über seine Arbeit aus, sofern es nötig ist. Außerdem muss der Unteroffizier einen besonderen Lehrgang absolvieren, um in den höheren Dienstgrad befördert zu werden, wobei es rund ein Dutzend Dienstgrade für litauische Unteroffiziere gibt. Ein Sergeant der litauischen Armee kann einen höheren Lohn als ein Hauptmann bekommen. Doch er hat auch mehr Arbeit.

    In Russland liegen die Dinge bislang umgekehrt. Doch es ist nicht ausgeschlossen, dass sich nach dem Ausbildungsabschluss der ersten Profi-Sergeants mit Diplom in etwa drei Jahren auch in den russischen Streitkräften einiges verändern wird.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der der RIA Novosti übereinstimmen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren