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    Karzai bei Obama in Ungnade - Kehrtwende nach Russland

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    MOSKAU, 03. Februar (Pjotr Gontscharow für RIA Novosti). Russland kann eine gewichtige Rolle bei der Präsidentenwahl in Afghanistan und bei den politischen Ambitionen einiger afghanischer Politiker spielen.

    Dieser Tage sagte der afghanische Präsident Hamid Karzai in seiner Rede vor den Absolventen der Kabuler Militärakademie sehr deutlich, wenn die westlichen Staaten die Ausrüstung der afghanischen Streitkräfte nicht beschleunigen würden, so würden höchstwahrscheinlich diese Aufgabe „andere Staaten übernehmen“.

    Vergangene Woche hatte der Pressedienst des afghanischen Präsidenten den Inhalt des Antwortschreibens des russischen Staatschefs Dmitri Medwedew an Karzai veröffentlicht, in dem die russische Seite Hilfe für die afghanische Armee anbot.

    Schon sehr bald wird eine afghanische Delegation mit Beamten und Militärs in der russischen Hauptstadt erwartet. Dabei wird auf der Tagesordnung eine wichtige Frage stehen: Wie kann die militärisch-technische Zusammenarbeit zwischen den beiden Staaten ausgebaut werden?

    Was also hat Karzai dazu veranlasst, eine Kehrtwende einzulegen und sich Moskau hinzuwenden? Das ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass Moskau bis vor kurzem ziemlich tief in der Gunst des afghanischen Präsidenten stand. In der Außenpolitik deklariert Kabul beispielsweise als vorrangiges Ziel „eine strategische Partnerschaft mit den USA“ und mit der restlichen demokratischen Welt, Moskau hingegen wurde ein sehr bescheidener Platz eingeräumt, irgendwo zwischen den Regionalmächten wie Indien und China.

    Die eigentliche Frage ist aber deutlich sichtbar. Der neue US-Präsident Barack Obama hat Afghanistan zur „zentralen Frontlinie“ der USA im Kampf gegen den Terrorismus erklärt und will nicht nur die US-Truppen in diesem Land aufstocken (von 30 000 auf 60 000 Mann), sondern auch in der politischen Klasse Afghanistans kräftig aufräumen.

    Wie vor einigen Tagen bekannt wurde, just zu dem Zeitpunkt, als Karzai seine Rede in der Kabuler Militärakademie hielt, führte Obama Gespräche mit den einflussreichen afghanischen Politikern und mit den aussichtsreichsten Anwärtern auf den afghanischen Präsidentenposten.

    Zu den Gesprächspartnern gehörten unter anderen der ehemalige afghanische Außenminister Abdullah Abdullah, der ehemalige Innenminister Ahmad Jalali, der frühere Finanzminister Ashraf Ghani sowie der Gouverneur der afghanischen Provinz Nangarhar, Agha Sherzai. Einige Beobachter sind der Meinung, dass Washington Karzai bald fallen lassen werde, da er schuld an dem schlechten Zustand der Wirtschaft Afghanistans sein soll, die hauptsächlich aus dem Drogenhandel, der Korruption und der Entwendung von westlichen Hilfsgeldern, etc. besteht.

    Das Kalkül des afghanischen Präsidenten ist im Grunde genommen richtig und sie könnte sogar aufgehen, denn die afghanische Armee, die ihrer Zeit mit Hilfe der UdSSR geschaffen wurde, zählte zu den stärksten Armeen in dieser Region. Diese Armee war sogar den Umständen entsprechend ziemlich ordentlich bewaffnet. Heute aber haben die Streitkräfte Afghanistans wenig vorzuweisen.

    Zwischen 2002 und 2005 hatte Russland dem afghanischen Staat militärisch-technische Hilfe in geringem Umfang von etwa 200 Millionen US-Dollar geleistet. Danach wurde diese Kooperation komplett eingestellt. Man muss allerdings betonen, dass die USA und die Nato auch ziemlich wenig beim Aufbau der afghanischen Armee haben leisten können.

    Eine Luftwaffe ist nicht vorhanden, schwere Kampftechnik ebenfalls. Die Armee des von Konflikten erschütterten Landes ist derzeit meilenweit davon entfernt, die Rolle eines Stabilitätsgaranten zu übernehmen, wobei in Afghanistan die Armee immer bei der Gestaltung des politischen Systems eine enorm wichtige Rolle spielte.

    Wer auf die Armee setzt, kann sicher mit einem Erfolg rechnen. Gerade darauf weist Karzai hin, indem er sich an Russland wendet. Die Frage ist nur, ob es ihm bei der Präsidentenwahl helfen wird.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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