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    Murmeltier sieht Schatten der Arbeitslosigkeit

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    MOSKAU, 03. Februar (Dmitri Kossyrew, RIA Novosti). Das Murmeltier Phil verfehlte in den vergangenen Jahren stets die Prognose über das nächste Frühjahr in den USA.

    Der dicke, verschlafene Nager wird aus dem Schlaf gerissen und ans Licht gezerrt. Es besteht nämlich der Glaube: Wenn der Ground Dog "seinen Schatten sieht", also der Tag sonnig ist, weht der laue Frühlingswind die Menschen noch nicht so bald an.

    Die Tradition der Murmeltier-Quälerei am 2. Februar ist 122 Jahre alt, das Klima in den USA und der Welt hat sich inzwischen verändert. Vergleicht man die USA mit Russland, so ist es in Amerika, ob mit oder ohne Murmeltier, ohnehin wärmer, selbst im nordöstlichen Bundesstaat Pennsylvania, wo alle "Phils" herkommen.

    Dennoch haben beide Länder derzeit etwas gemein: die zweite Phase der Wirtschaftskrise, in der das größte Problem nicht mehr das Bankensystem, sondern Arbeitslosigkeit ist.

    Selbst die Arbeitslosenzahlen in den USA fallen mit denen in anderen Ländern zusammen. Anfang 2008 machten die Erwerbslosen in den USA 4,9 Prozent aus, heute sind es 7,2 Prozent. In der EU waren es 6,8 Prozent, heute sind es 7,4 Prozent. In Russland ist die Lage ähnlich wie in Amerika und Europa.

    Wir haben laut Schätzungen des Ministeriums für Gesundheitswesen und Sozialentwicklung eine Arbeitslosigkeit von fast 7 Prozent.

    Die Schritte der US-Administration in diesem Bereich werden immer "sozialistischer". Bislang konzentriert sich alles um das "Obama-Paket" in Höhe von beinahe 900 Milliarden Dollar. Das Paket passierte vergangene Woche das Repräsentantenhaus, diese Woche ist der Senat an der Reihe.

    Im Paket sind einige einfache, aber vernünftige Maßnahmen vorgesehen, etwa ein langfristiger Kredit von 1500 Dollar je Person beim Kauf eines Lkw oder eines Pkw. Nach Ansicht der Autoren des Pakets wird selbst ein so geringer Betrag den amerikanischen Autobauern wieder zu besseren Verkaufszahlen, die gegenüber 2007 um fast ein Drittel eingebrochen sind, verhelfen.

    Das ist natürlich nicht ganz dasselbe wie der Schutzzoll für den Import von Kraftfahrzeugen, der in Russland eingeführt worden ist. Es ist eher eine umgekehrte Aktion, "lediglich" als Stütze für die einheimischen Autobauer. Aber das Ergebnis wird das selbe sein.

    Das Obama-Paket wird sich bestenfalls am Jahresende positiv auswirken, aber das vorherige Paket - der Plan des früheren Finanzminister Henry Paulson - wird bereits ganz offen als Reinfall bezeichnet. Das sagte Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos, dessen Einschätzungen von neuen und überraschenden Krisen sich bislang immer als unangenehm exakt erwiesen.

    Jetzt sagt Stiglitz, dass die erste Tranche der 700 Milliarden Dollar für die Banken unnütz gewesen sei, auf dem Kreditmarkt herrscht nach wie vor Flaute.

    Noch weniger gefällt dem US-Wissenschafter die Idee, problematische Aktiva den Banken abzukaufen und damit eine Sonderbank zu gründen: Die Banken würden einfach Bankrott gehen, sie würden sich gerade dank den problematischen Aktiva halten können, für die sie angeblich einst noch etwas herein bekommen konnten.

    Wiederum sehen wir peinliche Parallelen zur EU und zu Russland, wo die Kreditierung der Unternehmenswelt schwach ist und man nicht recht weiß, wie mit den schlechten Aktiva zu verfahren sei. Sie abzuschreiben, wie Premier Wladimir Putin in Davos vorschlug? Was wird dann aber aus den Banken? Das will gut überlegt sein.

    Ferner sagt Stiglitz, dass Obamas Plan ebenfalls nichts tauge. Die neue US-Administration drifte in eine neue Sackgasse. Dabei handelt es sich um das dritte Stadium der Krise mit einem inakzeptablen Schuldenberg von bis zu zehn Billionen Dollar (dazu ein Haushaltsdefizit von 1,4 Billionen). Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs gab es das nicht mehr. Das nach Finanzen und Arbeitslosigkeit dritte Problem würden die Schuldzinsen sein, die Amerika den Gläubigern werde zahlen müssen.

    Dann werden viele - nicht nur Amerikaner, weil die Rezepte der Krisenüberwindung bis heute bei allen sich ähnlich sind - den Wunsch verspüren, zusammen mit dem Murmeltier Phil einzuschlafen und sehr lange nicht mehr aufzuwachen.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.