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    Hallo Weltraum! Hier Iran...

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    MOSKAU, 04. Februar (Andrej Kisljakow für RIA Novosti). Iran hat anscheinend sein Versprechen doch eingelöst, bis zum Jahresende des iranischen Sonnenkalenders (20. März) einen Raumapparat in eine Erdumlaufbahn zu bringen.

    Auf jeden Fall wurde am Morgen des 3. Februar der erste eigene Satellit namens "Omid" (Hoffnung) mit einer selbst gebauten Trägerrakete erfolgreich gestartet. Zahlreiche internationale (und nicht nur iranische!) Medien teilten mit, dass der Flugkörper eine aufgezeichnete Botschaft des iranischen Staatschefs Mahmud Ahmadinedschad zum erfolgreichen Start, der "offiziell die Präsenz Irans im Weltraum festigt", zur Erde gesendet hat.

    Die technischen Besonderheiten des Satellitenstarts sind zweifellos höchst interessant, aber zum jetzigen Moment kaum von Bedeutung. Kommt es denn darauf an, ob Irans „Hoffnung“ die geplanten Monate im All bleibt oder nicht? Selbst wenn sich in wenigen Tagen herausstellen sollte, dass sich das Vorhaben überhaupt auf einen suborbitalen Flug beschränkt hat...

    Darum geht es nicht. Es handelt sich vielmehr darum, dass Iran seine Absicht, eine vollwertige Weltraummacht zu werden, in jedem Fall erreichen wird. Selbst wenn man die Bedeutung dieses Starts im Februar völlig herunterspielt, ist es offensichtlich, dass Teheran und der Weltraum jetzt bereits zwei untrennbare Begriffe sind.

    Was ist an der Frage nach einem Iran im Weltraum für die Weltgemeinschaft am wichtigsten? Es stimmt, dass in jedem anderen Fall der Flug eines eigenen Satelliten ins All wenn nicht vielleicht Stolz auf den "Nachbarn", so doch sicher auch nicht Befürchtungen oder gar Angst auslösen würde.

    Leider assoziiert die westliche Expertengemeinschaft diesmal die Hoffnungen und Aktivitäten Irans in Bezug auf den Weltraum, die dessen Behörden bereits vor langer Zeit als ein friedliches Raumfahrtprogramm bezeichnet haben, ausschließlich mit der Entwicklung von Raketen-Kernwaffen.

    Sind diese Ängste begründet, besonders angesichts des jüngsten Starts? Im Prinzip doch. Sieht man vom konkreten Staat ab und beurteilt man nur Fakten, so ließe sich sagen, dass mehrere erfolgreiche Starts von ballistischen Mittelstreckenraketen, dazu einige Starts von Trägern nach einem suborbitalen Programm eine gewisse wissenschaftlich-technische Möglichkeit einer baldigen Erprobung strategischer ballistischer Waffen schaffen.

    Allerdings nichts darüber hinaus. Es gibt keine Gründe zu befürchten, dass ein Land, das selbst mehrere erfolgreiche Weltraumstarts absolviert hat, bald ein vollwertiges System von Raketen-Kernwaffen in Dienst stellen könne.

    Das Vorhandensein einer solchen Waffe wird durch entsprechende Parameter bestimmt. Die wichtigsten davon sind die Gefechtsbereitschaft und die Fähigkeit der Systeme, den kompletten und überaus komplizierten Algorithmus eines Flugs durchzuhalten.

    Mehr noch, eine solche Waffeneinheit ist, selbst wenn erfolgreich getestet, in unserer Zeit (Zeit des Aufbaus von Anlagen zur Warnung vor einem Angriff mit Atomraketen und der Gegenmaßnahmen bei solchen Überfällen) zum Misserfolg verurteilt, wenn der Gedanke an ihren Einsatz auftauchen würde.

    Die hohe Gefechtsbereitschaft der Raketen- und Atomwaffenkräfte wird dadurch bestimmt, wie schnell die Reaktion auf die sich rasant verändernde Situation und wie hoch die Fähigkeit ist, eine adäquate Lösung zu finden und zu verwirklichen.

    Kennzeichnend in diesem Zusammenhang ist das Beispiel aus der UdSSR. So nahm in der Anfangszeit die Vorbereitung eines Starts der berühmten R-7-Rakete zehn Stunden in Anspruch! Hierbei wurde die sowjetische Führung nicht müde zu wiederholen, dass die USA erreicht werden könnten.

    Theoretisch stimmte das. In der Praxis wäre das wohl kaum "erfolgreich" geendet. Demnach bestehen keine Gründe, davon zu sprechen, dass Iran in der Lage sein wird, die den modernen Anforderungen entsprechende Gefechtsbereitschaft der strategischen Waffen gleichzeitig mit ihrer Entstehung (und dabei sind sie noch nicht da) zu sichern.

    Außerdem ist es zweierlei, ob ein Satellit gestartet oder ein Gefechtskopf, noch dazu interkontinental, ins Ziel gebracht werden soll.

    Wenden wir uns wieder den Erfahrungen der UdSSR zu, deren Absichten und deren herausgebildetes Potential seinerzeit kaum einen Zweifel über den Wunsch aufkommen ließen, den "nuklearen Knüppel" möglichst bald in die Hand zu bekommen.

    Aber selbst der sowjetische Konstrukteur Sergej Koroljow mit seinem Team musste Tests über Tests machen, bevor es gelang, das Problem der Zerstörung des Gefechtskopfs in den dichten Atmosphäreschichten zu beseitigen.

    Eigentlich war der Triumph vom Herbst 1957, als das legendäre "Bip-Bip" des in der Geschichte ersten von Menschenhand erschaffenen Raumobjekts erklang, durch Ideenkrise zur Beförderung der Gefechtsköpfe bedingt. Anders gesagt: Der Sputnik lenkte für eine Zeitlang die Führung des Landes ab, die nur eins anstrebte: die Entwicklung von Atomwaffen.

    Der Effekt hat allerdings alle Erwartungen übertroffen, aber das steht auf einem anderen Blatt.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.