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    London City fürchtet Russlands Finanzkollaps

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    MOSKAU, 06. Februar (Andrej Fedjaschin, RIA Novosti). Die ersten russisch-britischen Finanzberatungen Anfang Februar in London veranschaulichen, was Russland vom europäischen Bankensystem erwarten kann.

    Leider wenig Gutes. Kredite sind nicht zu erwarten, weil Russlands Kreditratings abgestuft worden sind. Ohne diese Kredite aber werden diese Ratings weiter fallen. Ein Teufelskreis.

    In London City wird bereits zuweilen ganz offen von der Möglichkeit eines erneuten Bankrotts Russlands wegen der Auslandsschulden geredet. Zwar nicht in den Ausmaßen von 1998, aber trotzdem.

    In der Folge musste unser Vizepremier und Finanzminister Alexej Kudrin nach all seinen offiziellen Reden die Banken in London davon überzeugen, dass Russland nicht so tief wie damals abstürzen wird.

    Die London City interessierte sich nie besonders für den Zustand der Geschäftspartner oder -kunden. Den Banken in London City kam es nicht darauf an, zu erfahren, was die Kunden für sich selbst unternehmen, sondern vielmehr darauf, was sie unternehmen, um a) das Geld rückzuzahlen, b) das Geld mit guten Zinsen rückzuzahlen, und c) was und wann sie anbieten können, wenn sie die zwei ersten Punkte nicht termingemäß erfüllen können.

    Großbritannien ist nicht einmal der drittgrößte Gläubiger Russlands. Doch London City ist längst nicht nur Großbritannien, sondern ein internationales Finanzzentrum. Dort wird sehr wohl verstanden, dass Rusland neben Gas, Erdöl, Raketen und der schwer verständlichen "russischen Seele" jetzt noch eine angsterregende Waffe hat: Auslandsschulden.

    Vor dem Hintergrund der Weltfinanzkrise hat sich die Macht dieses Faktors potenziert. Die City möchte also gern erfahren, wie Russland seine "Schuldenwaffe" zu handhaben beabsichtigt.

    Laut Angaben von "The Economist Intelligence Unit" beispielsweise beliefen sich Russlands Auslandsschulden nach dem Stand vom 31. Januar auf insgesamt 465 Milliarden Dollar. Am 4. Februar gab Alexej Kudrin in London die Höhe von Russlands internationalen Reserven zum 27. Januar mit 427 Milliarden Dollar an.

    Britische Zeitungen behaupten (aufgrund früherer Angaben und eines Vergleichs der zusammengerechneten Kreditzahlungen), dass diese Reserven in Wahrheit auf weniger als 400 Milliarden Dollar gesunken seien. Allein in diesem Jahr hätten russische Banken und Unternehmen an Schulden und Zinsen dafür beinahe 140 Milliarden Dollar zu tilgen.

    Die Summe ist annähernd so hoch wie die Reserven der Zentralbank Russlands. Alles in allem kommt aus all diesem Addieren und Subtrahieren nichts Positives heraus.

    Überdies senkte die internationale Agentur Fitch kurz vor Kudrins London-Besuch das Kreditrating Russlands von BBB+ auf BBB. Das liegt nur zwei Positionen über dem Junk-Status. Bei einem solchen Rating tut man besser daran, ausländische Banken oder internationale Finanzinstitute nicht um Darlehen zu fragen: Diese werden natürlich gewährt werden, aber für schwindelerregende Zinsen.

    Zum Vergleich sei erinnert, dass alle Finanzmächte der Welt - die USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland - ein AAA-Rating haben. Das sind acht Positionen höher. Hinter all dem steckt die ernste Befürchtung von Fitch-Experten, dass Russland seine Reserven nicht ausreichen, um all seine Banken und alle hoch verschuldeten Unternehmen zu retten. Moskaus geschaffene Fonds sind kein ausreichend gepolstertes "Kissen" bei einer weiteren Talfahrt in die Krise.

    Einen starken Absturz erleben gegenwärtig die CDS (Credit Default Spreads). Die bislang kaum bekannten Finanzinstrumente gelten heute als ein genauer Wert dafür, was als Toleranzgrad des Kreditrisikos bezeichnet wird.

    Schenkt man der Wirtschaftsübersicht des "Daily Telegraph" Glauben, so ist dieser Wert bei Russland bereits auf 1123 gestiegen! Das ist mehr, als die isländischen Banken unmittelbar vor dem Ruin und ihrer Verstaatlichung hatten. Die Finanzkrise hatte besonders in Island tiefe Spuren hinterlassen.

    All das bewegt die City natürlich in rein praktischer Hinsicht. Dort verstehen alle sehr wohl: Sollte Russland tatsächlich kurz vor einem Crash stehen und seine "Schuldenwaffe" anwenden, so werden alle davon betroffen sein. In der Square Mile wird vor allem befürchtet, dass viele private russische Banken und Firmen bereits in den nächsten Wochen die Gläubiger um eine Umschuldung bitten werden.

    Das wäre normal, wenn nicht die heutige Krise und der akute Liquiditätsbedarf da wären. Unter den jetzigen Umständen aber würde eine solche Restrukturierung der Schulden den Weltfinanzmärkten und dem globalen Bankensystem einen weiteren Tiefschlag versetzen. Und folglich eine Verlängerung der Agonie in der Wirtschaft.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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