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    Moskau und Washington bereit zu Kuhhandel * US-Basis vor Aus? Kirgisien manövriert zwischen Russland und USA * Gazprom startet teuerstes Pipeline-Projekt seiner Geschichte * Russlands Waffenexport: Neuer Rekord dank Kampfjets

    Moskau und Washington bereit zu Kuhhandel * US-Basis vor Aus? Kirgisien manövriert zwischen Russland und USA * Gazprom startet teuerstes Pipeline-Projekt seiner Geschichte * Russlands Waffenexport: Neuer Rekord dank Kampfjets

    MOSKAU, 09. Februar (RIA Novosti)

    „Moskowski Komsomolez“: Moskau und Washington bereit zu Kuhhandel

    Beim politischen Stelldichein auf der Münchner Sicherheitskonferenz ist deutlich geworden, dass Moskau und Washington bereit sind, die in der Ära von George W. Bush gegenseitig angehäuften Kränkungen beiseite zu lassen.

    Sie sind auch bereit, mit einem geheimen diplomatischen Handel zu beginnen, dessen Ausgang absolut unvorhersehbar ist, stellt die Tageszeitung „Moskowski Komsomolez“ am Montag fest.

    Beim Auftritt des US-Vizepräsidenten Joe Biden und dem des russischen Vizepremiers Sergej Iwanow in der bayerischen Hauptstadt konnte nur ein flüchtiger Blick in ihre Karten geworfen werden. Niemand wollte die Karten komplett auf den Tisch legen.

    Mit den USA müsse man mit einem Lächeln auf dem Gesicht und aus einer Position der Stärke reden, so das Blatt. Dabei wäre man gut beraten, abwechselnd mit der Peitsche und dem Zuckerbrot vorzugehen. Sergej Iwanow, der im Westen als ein Falke gilt, bevorzugte das Zuckerbrot.

    Moskaus Bote versuchte immer wieder deutlich zu machen, dass Russland bereit sei, mit den USA bei der atomaren Abrüstung, aber auch in den anderen Bereichen zu kooperieren. Dabei schwang Iwanow gelegentlich verdeckt mit der Peitsche. Die russischen Behörden sprechen bei jeder Gelegenheit davon, dass die Schließung des US-Luftwaffenstützpunkts Manas eine souveräne Entscheidung Kirgisiens sei, Moskau habe damit angeblich nichts zu tun.

    Doch dies ändert nichts an der Klarheit der Botschaft aus Moskau. Russland zeigt sich freundlich gesinnt, geht dem Westen doch zugleich an die Gurgel: Wehe, wenn keine Einigung erreicht wird! Der erfahrenste Joe Biden war für Iwanow ein würdiger Partner in einem komplizierten diplomatischen Tanz. Die gemeinsame Botschaft „Friede, Freude, Eierkuchen“ war sogar für einen Taubstummen deutlich zu vernehmen, dabei war die Rede Bidens alles andere als eindeutig.

    Einerseits hat er klar zu verstehen gegeben, dass auch die neue US-Regierung an den Plänen für die Errichtung eines Raketenschilds in Osteuropa festhalten wird, doch dann machte der zweite Mann hinter Barack Obama eine vielsagende Bemerkung: Dieses Projekt wird nur dann umgesetzt, wenn er sich als technisch adäquat erweisen wird.

    Biden stellte demonstrativ das Recht Russlands in Abrede, zu entscheiden, wer von seinen Nachbarn zu welchem Bündnis gehören darf. Die Frage ist aber, ob es dabei um eine ritualisierte Feststellung handelt, oder geht es darum, dass Washington nun Lust hat, mit Moskau ein Spiel namens „die freie Wahl der ehemaligen Sowjetrepubliken“ zu spielen?

    Wie auch immer, jedem steht es frei, das zu deuten. Amerikas und Russlands Top-Beamte haben nun alles, was sie nur wollten, publik gemacht. Es ist nun die höchste Zeit, Tauziehen hinter den Kulissen zu starten.

    "Kommersant": US-Basis vor Aus? Kirgisien manövriert zwischen Russland und USA

    Kirgisiens Behörden haben ihre Absicht bestätigt, den US-Luftwaffenstützpunkt Manas zu schließen, schreibt die russische Zeitung "Kommersant" am Montag.

    Doch es wäre verfrüht, sie als für die USA als verloren zu betrachten. Im Weißen Haus besteht man darauf, dass über die neuen Bedingungen für die Pacht der US-Militärbasis weiter verhandelt werde. Bischkek zeigt seine Bereitschaft, mit den USA in Afghanistan zusammenzuarbeiten, was als Zeichen ausgelegt werden könnte, weiter um die Basis zu feilschen.

    Die Kündigung des Abkommens über den Luftstützpunkt könnte in den Parlamentsausschüssen schon heute erörtert werden. Doch trotz der dezidierten Erklärungen der Landesführung wird in Kirgisien die Möglichkeit von künstlichen Verzögerungen im Parlament nicht ausgeschlossen.

    Nach Ansicht von Beobachtern wird ein Ende des Pokers um den Luftstützpunkt der Amerikaner direkt mit der Kirgisien von Moskau versprochenen Finanzhilfe zusammenhängen. Demnach sollen 450 Millionen aus Russland bis zum 30. April an Kirgisien gehen.

    Aber Beobachter lassen die Möglichkeit zu, dass sich Präsident Kurmanbek Bakijew um maximale Garantien des baldigsten Erhalts der besagten Summe bemühen werde. Dazu muss er einen wirksamen Druckhebel gegenüber Moskau in der Hand haben, denn im Falle des Bruchs des Abkommens mit den USA würde er in volle Abhängigkeit vom Kreml geraten.

    Laut "Washington Times" nimmt man in den USA an, dass Bischkeks Entscheidung durch den Wunsch nach einem höheren Pachtpreis für die Basis diktiert sei.

    Eine hochrangige Quelle der Zeitung im Pentagon erklärte: "Möglicherweise werden wir nach mehreren wirtschaftlich anspornenden Mitteln suchen müssen, etwa nach "nicht rückzahlbaren Leistungen, Krediten, Geld und Infrastrukturen. Der Einsatz ist in dieser Angelegenheit sehr hoch."

    Parallel dazu verhandelt die US-Administration mit den Regierungen Tadschikistans und Usbekistans über den Gütertransit nach Afghanistan. Westliche Diplomaten in Taschkent teilen mit, dass die USA nahe daran seien, mit Usbekistan eine Vereinbarung über die Öffnung einer neuen Bahnstrecke zu schließen, um die Truppen in Afghanistan zu versorgen.

    Die Unterzeichnung des Abkommens über den Festlandtransit von nicht militärischen Nato-Frachten durch Tadschikistan wird diese Woche während des Brüssel-Besuchs von Präsident Emomali Rachmon erwartet.

    „Kommersant“: Gazprom startet teuerstes Pipeline-Projekt seiner Geschichte

    Gazprom rechnet angesichts des Verfalls der Ölpreise in Europa in diesem Jahr mit Einnahmeneinbußen in Höhe von 19 bis 25 Milliarden Euro. Dennoch will der russische Gasriese nicht an den Plänen für seine bislang teuerste Pipeline (South Stream) rütteln, berichtet die Zeitung „Kommersant“ am Montag.

    Bei einem Treffen mit Investoren teilte der Vizechef der russischen Gasholding, Alexander Medwedew, mit, dass die mit Italien geplante South-Stream-Pipeline, die durch das Schwarze Meer verlaufen und die russische Hafenstadt Noworossisk mit dem bulgarischen Warna verbinden soll, Kosten in Höhe von 19 bis 24 Milliarden Euro verursachen dürfte.

    Allein der Meeresabschnitt, der von einem auf paritätischer Basis gegründeten Gemeinschaftsunternehmen mit dem italienischen Konzern Eni gebaut werden solle, werde etwa vier Milliarden Euro kosten, so Medwedew. Der Festlandabschnitt von Bulgarien nach Österreich (etwa 1300 Kilometer) und bis zur griechischen Adriaküste (ca. 990 Kilometer) würden zusätzlich 15 bis 20 Milliarden Euro verschlingen.

    Nach der Fertigstellung beider Pipelines („South Stream“ sowie „Nord Stream“) würde sich die Gesamtkapazität der russischen Exportpipelines (ukrainisches Transportsystem für Erdgas inbegriffen) im Jahre 2015 auf etwa 304 Milliarden Kubikmeter Gas jährlich belaufen.

    Zugleich würde Russlands reiner Gasexport nach Europa höchstens 220 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr ausmachen, was wiederum bedeuten würde, dass die South-Stream-Pipeline die Gasmengen übernehmen wird, die früher durch die Ukraine nach Westeuropa flossen, so Maxim Schejin von der Investitionsgesellschaft „Brokerkreditservice".

    Die ukrainische Regierungschefin Julia Timoschenko sagte vergangenen Samstag in München, die Pipelines würden gebaut, um zusätzliche Gasmengen zu transportieren, und nicht, um seinem Partner eins auszuwischen.

    Michail Kotschemkin, Direktor des Unternehmens East European Gas Analysis, vertritt die Meinung, dass der Bau der South-Stream-Gasleitung dem Gazprom, in der Zeit der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise und vor dem Hintergrund fallender Einkünfte, ziemlich teuer zu stehen kommen dürfte.

    Wegen der grassierenden Abwertung des russischen Rubels habe der Gasriese eine riesige Schuldenlast zu schultern, so dass es im vierten Quartal dazu kommen könnte, dass Gazprom rote Zahlen schreiben würde, so Michail Kotschemkin.

    Sollte aber der Staat die Steuerlast Gazproms reduzieren, würden die Staatskassen leer bleiben, so der Experte weiter. Kein Unternehmen der Welt baut politisch motivierte Pipelines, insbesondere, wenn diese Pipeline 25 Milliarden Euro kostet, fasst Kotschemkin zusammen.

    "Wedomosti": Russlands Waffenexport: Neuer Rekord dank Kampfjets

    Dank den Großverträgen bei den Flugzeuglieferungen hat Russland beim Waffenexport im vorigen Jahr einen weiteren Rekord aufstellen können, schreibt die Zeitung "Wedomosti" am Montag.

    Der Gesamtexport russischer Waffen bezifferte sich im vergangenen Jahr auf acht Milliarden Dollar, hieß es aus einem Regierungsamt, das mit der militärtechnischen Zusammenarbeit zu tun hat. Ein Mitarbeiter des russischen Mischkonzerns Rostechnologii bestätigte diese Angabe.

    Dabei entfielen 6,725 Milliarden Dollar auf den staatlichen Waffenexporteur Rosoboronexport, wie der Gesprächspartner sagte. Der Rest seien Ersatzteile oder Waffen, über deren Lieferung Verträge geschlossen worden seien, bevor Rosoboronexport im Jahr 2007 das Monopol auf den Export von Waffensystemen erhalten habe.

    Die Rede ist von der Lieferung von Panzerabwehrraketen und Fla-Komplexen des Konstruktionsbüros für Gerätebau (Tula), den BrahMos-Raketen für Indien, die in einem Joint Venture unter Beteiligung der Forschungs- und Produktionsvereinigung für Maschinenbau in Reutowo entwickelt wurden, und anderen Systemen.

    Das sei ein erneuter Rekord bei den Lieferungen russischer Waffen, sagte Konstantin Makijenko, Experte des Zentrums für Strategien- und Technologien-Analysen (Moskau).

    Laut Angaben der russischen Behörde für militärtechnische Zusammenarbeit beliefen sich die Lieferungen 2007 auf 7,4 Milliarden Dollar (davon entfielen 6,1 Milliarden auf Rosoboronexport) und 2006 auf 6,46 Milliarden Dollar (davon 5,3 Milliarden Dollar über Rosoboronexport).

    Der große Umfang der Waffenlieferungen konnte vor allem dank den Großverträgen über die Lieferung von Su-30-Jägern beibehalten werden. Im vergangenen Jahr seien beinahe 40 Flugzeuge dieses Typs geliefert worden, sagte ein Manager aus der Flugzeugbauindustrie.

    Dabei gingen acht bis zehn Su-30MKA-Maschinen an Algerien, sechs Su-30MKM an Malaysia, bis zu 16 Su-30MKI samt Bewaffnungssätzen für die Lizenzproduktion nach Indien, acht Su-30MK2V an Venezuela und zwei Su-30MK2 an Indonesien

    Zusammen mit den Waffen mache der Wert dieser Lieferungen bis zu 30 Prozent des Gesamtexports aus, betonte eine Quelle aus der Flugzeugindustrie.

    Ende Januar wurde ein weiterer Großvertrag zwischen Rosoboronexport und China perfekt gemacht. Vorgesehen ist die Lieferung von 122 Triebwerken für den chinesischen J-10-Jäger. Wie ein Mitarbeiter eines russischen Flugzeugbauwerks mitteilt, wird der Vertrag rund 500 Millionen Dollar Gewinn einbringen.

    RIA Novosti ist für den Inhalt der Artikel aus der russischen Presse nicht verantwortlich.

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