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    Russisches Know-how für Kampf gegen Wirtschaftskrise

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    MOSKAU, 09. Februar (Juri Saizew für RIA Novosti). Erstmals seit 20 Jahren greifen die russischen Forscher auf die Tradition zurück, für die Regierung Expertisen zur Entwicklung des Landes auszuarbeiten.

    MOSKAU, 09. Februar (Juri Saizew für RIA Novosti). Erstmals seit 20 Jahren greifen die russischen Forscher auf die Tradition zurück, für die Regierung Expertisen zur Entwicklung des Landes auszuarbeiten.

    Die Abschlusssitzung der Allgemeinen Versammlung der Russischen Akademie der Wissenschaften von 2008 hieß denn auch "Wissenschaftlich-technologische Prognose als wichtigstes Element von Russlands Entwicklungsstrategie" ("Prognose 2030").

    Die Gesprächsthemen reichten von der Entwicklungsprognose für die Energiewirtschaft bis zur Zukunft der russischen Nanotechnologien und der Mikroelektronik, von Szenarien einer innovativen Entwicklung Russlands bis zu den Perspektiven der Chemieforschung im 21. Jahrhundert, von der Neuausrüstung der Industrie auf der Basis von Supercomputern bis zu den Richtungen des globalen Innovationskurses.

    In Russland gibt es derzeit große Diskrepanzen und Risse zwischen den verschiedenen Gliedern der Kette, die die Grundlagenforschung mit den in die Wirtschaftspraxis eingeführten Technologien verbindet.

    Nach Ansicht des Vizepräsidenten der Akademie der Wissenschaften, Alexander Nekipelow, muss unter diesen Umständen die richtige Entscheidung getroffen werden, inwieweit die Modernisierung der russischen Wirtschaft durch die Nutzung technologischer Erfahrungswerte anderer Länder und inwieweit sie auf der Basis der eigenen Forschungen und Ergebnisse erfolgen muss.

    Von dieser Wahl würden logischerweise sowohl die Struktur als auch die Hauptcharakteristika des wissenschaftlich-technischen Potentials Russlands in der Zukunft abhängen.

    Optimal in Bezug auf langfristige Pläne ist nach Meinung von Nekipelow vor allem der Kurs auf die Förderung der Grundlagenforschung. Nur auf dieser Basis würden sich die angewandten Wissenschaften entfalten, die später auch dem Produktionssektor zum Aufschwung verhelfen würden.

    Zu diesem Zweck müssen große Programme finanziell unterstützt werden, die sowohl auf die Entwicklung der Infrastruktur als auch auf die technische Modernisierung und Umstrukturierung der Produktion ausgerichtet sind. Angesichts der heutigen Situation ist es außerdem erforderlich, die Rolle des Staats als direkte Quelle der Nachfrage zu stärken.

    Die Schwierigkeiten, die unsere Wirtschaft derzeit durchmacht, drängen nachgerade dazu, den unter den gegenwärtigen Verhältnissen nicht gerade einfachen, aber für das Land überaus wichtigen Weg der technologischen Modernisierung einzuschlagen.

    Akademiemitglied Jewgeni Welichow vertritt die Auffassung, dass die Einführung von Supercomputern besonders zu beachten sei. Zurzeit zähle das Land nur sechs davon, um aber heutzutage ernstzunehmende Ergebnisse zu erreichen, müsse alles durchgerechnet werden. Industrie, Wissenschaft und Bildungswesen müssen in hohem Tempo umgerüstet werden.

    Akademiemitglied Alexander Dynkin meint im Zusammenhang mit den Perspektiven der globalen Innovationsentwicklung, dass Russland um das Jahr 2020 in Bezug auf einen Ausgabenstand für die Wissenschaft die Länder des alten Europa erreichen und die erweiterte Europäische Union etwas übertreffen muss. Zugleich würden wir darin, wie er betont, nicht nur den USA und Japan, sondern auch China und Indien nachstehen.

    Die Energieeffizienz der russischen Energiewirtschaft mache nur ein Fünftel der weltweiten Zahlen in diesem Bereich aus, sagt Akademiemitglied Alexander Makarow. In den 150 Jahren der statistischen Beobachtungen habe die Förderung im wirtschaftlich zugänglichen Teil der erkundeten Vorräte bei Erdöl 33 Prozent, bei Gas 14 Prozent, bei Uran 9 Prozent und bei Kohle 4 Prozent betragen.

    Die Geologie brauche neue Erkundungs- und Erschließungsmethoden für Öl- und Gasvorkommen auf dem Festland und dem Schelf, darunter für die Gewinnung der Bodenschätze unter dem Eis.

    Das würde es erlauben, die wirtschaftlich akzeptablen Vorräte bis 2020 um 70 Prozent zu erhöhen und bis 2050 zu verdreifachen. Sonst werde die Zunahme der Ölgewinnung stocken und werde in zehn bis 15 Jahren sinken, bei Gas geschehe das in 20 bis 25 Jahren. Das werde natürlich die Anforderungen an den wissenschaftlich-technischen Fortschritt in der Energiewirtschaft stark erhöhen und offenbar die Entwicklung der Weltwirtschaft verlangsamen.

    In den letzten anderthalb bis zwei Jahren wurden in Russland viele vorhergehende Forschungen bei der Entwicklung der Energiewirtschaft durchgeführt. Die Rede ist von der Ausarbeitung der Energiestrategie bis 2030.

    Darin werden prognostiziert: Zunahme des Energieverbrauchs von 35 bis 70 Prozent je nach Szenario; Anstieg der Energieproduktion von 30 bis 40 Prozent bei gleichzeitiger beträchtlicher Ersetzung von Öl und Gas durch regenerierbare Ressourcen; Ausweitung des Energieexports um 18 bis 20 Prozent zwischen den Jahren 2015 bis 2020 und seine weitere Stabilisierung oder sogar Senkung.

    Die russische Energiewissenschaft hat somit die Aufgabe, unter Berücksichtigung der weltweiten Trends die eigenen Prioritäten des wissenschaftlich-technischen Fortschritts festzulegen und Technologien mit Parametern zu schaffen, die den russischen Bedingungen entsprächen.

    Nach Ansicht des korrespondierenden Akademiemitglieds Boris Kusyka sei die Struktur der einheimischen Wirtschaft zwischen 1980 bis 2007 praktisch "umgekippt" worden.

    In gewissem Maße sei sie mehr oder weniger ausgeglichen gewesen und habe sich auf den soliden, hochtechnologischen Sektor der Volkswirtschaft gestützt. Dieser sei mittlerweile merklich geschrumpft. Mit einer solchen Wirtschaft sei kein Durchbruch im High-Tech-Bereich zu erreichen, wenn er lediglich politisch ausgerufen werde.

    Bei der schleppenden Entwicklung, die heute zu beobachten ist, wird in Russlands Wirtschaft bis 2030 weiterhin ein Rückgang des Hightech-Bereichs verbucht. Nach Meinung unabhängiger Experten wird Russland es sehr schwer haben, mit solch einer Wirtschaft die Zukunft zu meistern.

    Als Basis müsse Russland einen auf Innovation ausgerichteten Kurs verfolgen, der eine ausgeglichene und harmonische Entwicklungsstruktur voraussetzt. Hierbei bleibt jedoch ein systemimmanent höchst großes Problem bestehen: das der Demographie. Bis 2015 wird sich Russlands arbeitsfähige Bevölkerung um 17 Millionen reduzieren, die Rentnerzahl aber um neun Millionen ansteigen. Schon heute betrage das durchschnittliche Alter der Arbeiter 55 und das der Ingenieure und Techniker mehr als 55 Jahre.

    Dennoch hat Russland eine große Chance. Eine im Auftrag des Präsidenten von der Russischen Akademie der Wissenschaften verfasste Prognose stellt fest, wo wir tatsächlich Prioritäten mit Weltniveau und darüber haben.

    Heute ist es für Russland wichtig, die Anstrengungen auf grundlegende Richtungen zu konzentrieren. Für jede dieser Richtungen ist ein Nationalprogramm notwendig. Die ersten Schritte sind bislang bei den Nanotechnologien getan worden.

    Möglich ist die Realisierung von weiteren vier Nationalprogrammen und von mindestens zwölf bis 14 Nationalprojekten. Einige dieser Projekte sind von den russischen Wissenschaftlern bereits durchgearbeitet worden und können bereits umgesetzt werden.

    Zu einigen Richtungen des künftigen technolgischen Durchbruchs sind mehrere föderale Programme formuliert worden. So ist das Zielprogramm "Forschungen und Ausarbeitungen für die vorrangigen Entwicklungsrichtungen des wissenschaftlich-technischen Komplexes Russlands 2007 bis 2012" angenommen worden.

    Erstmals ist in Russland eine einheitliche Innovationskette geschaffen worden, die bereits alle Glieder - von einer Idee bis zu ihrer Vermarktung - umfasst.

    Zum Verfasser:

    Juri Saizew ist ordentlicher akademischer Rat an der Akademie für Ingenieurwissenschaften der Russischen Föderation.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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