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    Nato plant neue europäische Sicherheitsarchitektur ohne Russland * Umweltgutachten läutet heiße Phase für Ostsee-Pipeline ein * Neuer Anlauf: Iridium will Russland mit Satellitenhandys erobern * Teurer Trip ins All: Wo versickern die Gelder in Russlands Raumfahrt?

    MOSKAU, 06. März (RIA Novosti)

    „Kommersant“: Nato plant neue europäische Sicherheitsarchitektur ohne Russland

    Beim kommenden Nato-Gipfel wollen die führenden Allianzmitglieder in einer „familiären Atmosphäre“ die Eckpunkte einer neuen europäischen Sicherheitsarchitektur besprechen. Darüber schreibt das Blatt „Kommersant“ am Freitag.

    Die Nato-Staaten haben keine Einzelheiten zu dem Vorschlag des russischen Präsidenten Dmitri Medwedew erhalten und wollen nun im Alleingang die neue europäische Sicherheitsarchitektur festlegen. Moskau zieht es vor, „die Ereignisse zu verfolgen und keine Initiative zu zeigen“.

    Laut „Kommersant“ streben die führenden Nato-Staaten an, in Straßburg und Kiel ein Dokument zu verabschieden, das vorläufig „Deklaration über die Sicherheit der Allianz“ heißt. In diesem Arbeitspapier solle auch die Entscheidung festgehalten worden sein, die Ausarbeitung einer neuen Sicherheitsstrategie der Nato in Angriff zu nehmen.

    Im Klartext bedeutet dies, dass auf dem Gipfel die Nato-Mächte beginnen werden, exakt diejenige Sicherheitsstrategie im Nordatlantikraum zu bestimmen, die im vergangenen Sommer von Medwedew erstmals vorgeschlagen worden war.

    Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer kündigte bereits an, die Staaten der Allianz hätten die Vorschläge aus Moskau mit großem Interesse zur Kenntnis genommen und warten nun auf weitere Details. Russland hat jedoch seitdem keine weiteren Vorschläge gemacht. Im Übrigen: Bei der letzten Münchener Sicherheitskonferenz sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Nato solle die neue europäische Sicherheitsarchitektur ausarbeiten und dabei auch nach Möglichkeit Russland teilhaben lassen.

    Wie eine Quelle im Nato-Sekretariat sagte, kann die Ausarbeitung einer neuen europäischen Sicherheitsarchitektur etwa ein Jahr in Anspruch nehmen. Eine dem russischen Außenministerium nahe stehende Quelle teilte gestern mit, dass Moskau sehr wohl über die Nato-Pläne informiert worden sei, doch unternehme man momentan nichts.

    Russland zieht es vor, in seiner Außenpolitik und in der Krisenbekämpfung „die Ereignisse zu verfolgen und keine Initiative zu zeigen“. „Die Strategie, die von der Nato ausgearbeitet wird, ist insofern wichtig als sie das Verhalten des Bündnisses bestimmen wird, auch im Rahmen des Verhältnisses zu Russland“, so Quelle. Moskau seinerseits „unternimmt nichts, um die Lage zu beeinflussen und versucht nicht, mögliche künftigen Problemen vorzubeugen“.

    "Kommersant": Umweltgutachten läutet heiße Phase für Ostsee-Pipeline ein

    Der Betreiber der Ostsee-Pipeline, die Nord Stream AG, hat ein Umweltgutachten zu dem Projekt vorgelegt, berichtet die russische Zeitung "Kommersant" am Freitag.

    Der Bericht soll den Umweltbehörden in Russland, Deutschland, Schweden, Finnland und Dänemark vorgelegt werden. Jetzt haben die Gegner der Ostsee-Pipeline keine formalen Gründe mehr, den Beschluss über den Bau der Gasleitung, die Russland durch die Ostsee mit Deutschland verbinden soll, zu verzögern.

    Wie es bei der Nord Stream AG (51 Prozent hält Gazprom), die mehr als 100 Millionen Euro in die Umweltforschung steckte, heißt, wird das Dokument am Montag veröffentlicht.

    Beim Pipelinebetereiber wurde erklärt, dass drei Monate für Konsultationen vorgesehen seien, bei denen alle fünf Staaten, durch deren Wirtschaftsgewässer die Pipeline verlaufen wird, ihre Meinung über die Umweltverträglichkeit und die Risiken des Bauprojekts gemeinsam vortragen können.

    Der Bericht sollte bereits vor einem Jahr vorliegen, aber auf Forderung von Finnland, Dänemark und Schweden wurde die Route der Gasleitung geändert und einige Veränderungen am Projekt vorgenommen. Rolf Nyström vom Umweltschutzzentrum im finnischen Uusimaa ist der Ansicht, dass bei der Nachbesserung beschlossen wurde, beim Pipelinebau keinerlei Sprengarbeiten anzuwenden.

    Michail Kortschemkin, Chef von East European Gas Analysis, meint dazu: "Die örtlichen Beamten werden das Dokument gemächlich zu studieren beginnen, dann im Sommer eine Urlaubspause einlegen und im Herbst der Nord Stream AG eine neue Liste von Fragen (oder Ansprüchen) präsentieren."

    "Wenn der Bau der Gasleitung nicht im nächsten Jahr beginnt, könnte er für sehr lange Zeit aufgeschoben werden", spekuliert Arkadi Mosches vom finnischen Institut für Internationale Beziehungen. "In Russland gehen die Investitionsmöglichkeiten wegen der Krise teilweise zurück. Europa zeigt bisher sehr großes Interesse an der Pipeline."

    Der französische Energieriese GDF Suez will schnellstmöglich in das Projekt einsteigen. Dessen Präsident Jean-François Cirelli bestätigte gestern erstmals offiziell, dass sein Konzern an einem Minderheitspaket der Nord Stream AG interessiert sei.

    Ein Gazprom-Manager sagte dazu, dass ein Abkommen in Vorbereitung sei, wonach etwa neun Prozent der Nord-Stream-Aktien an die Franzosen verkauft würden. Der Deal könne bereits vor Ende März über die Bühne gehen.

    Ein anderer Gazprom-Manager fügte hinzu: BASF und E.ON würden ihre Anteile auf 15,5 Prozent verringern und jeweils 4,5 Prozent der Aktien an die Franzosen abtreten.

    Presse Russlands: Neuer Anlauf: Iridium will Russland mit Satellitenhandys erobern

    Das Unternehmen Iridium Satellite, Betreiber des Satellitenkommunikationssystems Iridium, will nach dem gescheiterten Versuch vor neun Jahren erneut in Russland Fuß fassen. Darüber berichten die Tageszeitungen „RBC Daily“ und „Wedomosti“ am Freitag.

    Russische Bürger dürfen offiziell das Iridium-Handy nicht benutzen, da dieses Unternehmen keine Repräsentanz in Russland hat. Iridium Satellite wäre bereit, ein Büro in Russland zu eröffnen. Dies bestätigt eine Quelle, die den Verhandlungen des Kommunikationsministers Igor Schtschogolew mit dem US-Satellitenbetreiber nahesteht.

    Angeblich soll die Rede davon gewesen sein, die neue Satellitengruppierung Iridium Next ins All zu bringen und die Verbindungsstation mit Hilfe des russischen Forschungs- und Produktionszentrums Chrunitschew zu modernisieren.

    Alexej Kondraschow, Exekutivdirektor des Unternehmens Direct Info, hat sich überzeugt gezeigt, dass Iridium Satellite seine Geschäfte in Russland aus der gesetzlichen Grauzone bringen will. Das Unternehmen hat bereits Kunden in Russland, doch sie haben eigentlich kein Recht, ihre Terminale zu benutzen. Laut russischem Gesetz muss sich das Satellitenunternehmen Kondraschow zufolge als eine juristische Person registrieren lassen und eine so genannte Verbindungsstation bauen - die ist nötig, damit die russischen Sicherheitsbehörden den Kommunikationsverkehr kontrollieren können. Das Unternehmen müsste allein dafür mindestens ein paar Dutzend Millionen US-Dollar investieren.

    Russland sei für Iridium besonders wegen seinen unerschlossenen Gebieten attraktiv, in denen überhaupt keine Kommunikationsinfrastruktur vorhanden ist, unterstreicht Iridium-Vertreterin Liz De Castro. Ein Satellitentelefon zu haben sei nicht billig, warnt Igor Kot, stellvertretender Generaldirektor von Gazprom - Kosmitscheskije Sistemy.

    Das sei schon klar, doch der Zeitpunkt für das Engagement des Unternehmens in Russland sei denkbar günstig gewählt, so Andrej Koslow, Generaldirektor von Globaltel (Tochtergesellschaft von Globalstar - dieses Unternehmen erneuert gerade seine Satellitenflotte, wobei die Verbindungsqualität noch viel zu wünschen übrig lässt ).

    Iridium ist ein weltumspannendes Satellitenkommunikationssystem aus 66 Satelliten auf sechs Umlaufbahnen, das die ganze Erdoberfläche abdeckt, fügt Sergej Pechterew hinzu, Generaldirektor des Telekommunikationsunternehmens Settelekom. Globalstar oder Thuraya seien dazu nicht in der Lage. Globaltel hat etwa 40 000 Kunden, Iridium hingegen hatte Ende 2008 etwa 320 000 Abonnenten.

    "Gaseta": Teurer Trip ins All: Wo versickern die Gelder in Russlands Raumfahrt?

    Weltraumreisen als exklusivster Tourismus sind trotz der Finanzkrise und der deutlich teurer gewordenen Tickets nach wie vor populär, schreibt die Zeitung "Gaseta" am Freitag.

    US-Multimillionär Charles Simonyi teilte gestern im Sternenstädtchen bei Moskau mit, er habe für seinen zweiten Weltraumflug zu Internationalen Raumstation (ISS) 35 Millionen Dollar gezahlt.

    Die Raumfahrt begrüßt die Bereitschaft von Privatpersonen, den Weltraum auf eigene Kosten zu erobern. Veteranen der russischen Raumfahrt sind dagegen der Ansicht, dass man auch ohne dieses Geld auskommen kann.

    Simonyi sagte, er habe einen Rabatt bekommen, ohne dabei zu präzisieren, um wie viel Prozent. Auf der Webseite der Firma Space Adventures, die laut einem Abkommen mit der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos Touristenreisen zur ISS organisiert, sind bereits neue Preise zu sehen.

    Je nach dem Programm kostet der erste Flug 45 bis 55 Millionen Dollar. Die ersten Weltraumtouristen mussten für ihren Trip ins All 20 Millionen Dollar hinlegen.

    Gennadi Padalka, Kommandant des nächsten ISS-Expedition, betonte, dass Simonyi seiner Meinung nach "ein wahrer Held ist, der sich angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise entschlossen hat, ein internationales Projekt wie die ISS mit seinen Privatgeldern zu unterstützten".

    Raumfahrtveteranen stehen skeptisch zu den "zivilen" Kosmonauten. "Touristen sollten nicht mit staatlichen Apparaten fliegen", so Kosmonaut Georgi Gretschko, zweifacher Held der Sowjetunion. Er erinnerte daran, dass US-Touristen lange Zeit nicht in den amerikanischen ISS-Sektor zugelassen wurden. Der Weltraum sei vorläufig eine Sache von Profis, fügte Gretschko hinzu.

    Seiner Ansicht nach kann die russische Raumfahrt ohne "das Eintrittsgeld für den Jahrmarkt" auskommen. Der altgediente Raumfahrer wies darauf hin, dass die Verteilung der Gelder undurchsichtig sei, die die Touristen bezahlen. "Ich habe noch nie auch nur einen einzigen Rechenschaftsbericht gesehen", sagte er. "Überhaupt ist das ein merkwürdiges System. Für den ganzen technischen Teil sind wir verantwortlich, und daneben gibt es irgendeine ausländische Vermittlerfirma, die sich die Taschen füllt."

    RIA Novosti ist für den Inhalt der Artikel aus der russischen Presse nicht verantwortlich.

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