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    Obama grüßt Iran per Videobotschaft

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    MOSKAU, 21. März (Dmitri Kossyrew, RIA Novosti).

    Die Videobotschaft des US- Präsidenten Barack Obama zum persischen Neujahrsfest war kurz.

    Was hat der US-Präsident den Iranern mitgeteilt? Nicht besonders viel, aber doch das Wichtigste: Er wolle alle offenen Fragen mit Iran auf diplomatischem Weg lösen.

    Demnach bietet Washington eindeutig und entschlossen Teheran Verhandlungen an, die der widrigen Zeit ein Ende setzen sollen, in der beide Staaten nicht einmal diplomatische Beziehungen unterhalten.

    Bis jetzt herrschte die Meinung vor, die Bushs werden den Iranern niemals das Jahr 1979 verzeihen, als Revolutionäre die US-Botschaft in Teheran besetzten, Diplomaten zu Geiseln machten und niemand dafür bestraft wurde. Doch die derzeitige US-Administration ist bereit, diese Episode der Vergangenheit den Historikern und Publizisten als Fraß vorzuwerfen.

    Es lässt sich mit Sicherheit vorhersagen, dass die USA ein paar stolze Äußerungen der iranischen Spitzenpolitiker des Sinnes, dass der frühere US-Kurs mit Drohungen und Druck in einem Debakel endete, hinnehmen werden.

    Sie werden es tun, weil erstens der US-Kurs tatsächlich ein Fiasko war und weil zweitens die dreißigjährige Konfrontation für beide Staaten Probleme geschaffen hat, die früher oder später überwunden werden müssen. Die USA werden in ihrer gesamten Außenpolitik von Ramallah bis Bischkek ohne Iran nicht auskommen. Der Islamischen Republik wird es leichter fallen, beispielsweise mit Europa zu verhandeln, das Amerika nicht zu viel Ärger bereiten möchte.

    Verhandlungen werden also stattfinden und sich vermutlich über Monate hinziehen. Dies aus mindestens zwei Gründen. Erster Grund: Man weiß nicht, wer sie abschließen wird. Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad steht kurz vor den Wahlen. Im Grunde bekommt er jetzt von Obama Unterstützung für seinen Wahlkampf.

    Wie sich herausstellt, lag Ahmadinedschad mit seiner Politik der Herausforderung und Unnachgiebigkeit richtig, und die Wähler werden das verstehen. Nun muss sich Irans Präsident aber rasch orientieren: Wird es den Wählern gefallen, wenn er statt "die Faust zu öffnen" auch weiter und jetzt schon Obama herausfordern wird, zum Beispiel durch die Fortsetzung der Urananreicherung?

    Der zweite dafür sprechende Grund ist, dass die Verhandlungen kompliziert sein werden. Es geht dabei keineswegs nur um die zweiseitigen Beziehungen. Der Druck der früheren US-Administrationen hat Iran zu einer nah- und mittelöstlichen Regionalmacht erhoben (wie wir sehen, war es vorteilhaft, sich den USA zu widersetzen).

    Jetzt müssen sowohl die USA als auch Iran an ihren jeweiligen Beziehungen zu den Arabern und Juden zahlreiche kleine und größere Korrekturen und Abstimmungen vornehmen. Ganz besonders zu den Juden, weil Israel in jedem Fall eine Regierung haben wird, für die eine amerikanisch-iranische Normalisierung eine offene Wunde wäre.

    Allerdings könnte es sein, dass die USA einen Fehler machen und in ihrem Dialog mit Iran einen "Tauschhandel" vorziehen: Normalisierung gegen die Anerkennung Israels durch Teheran, die Einstellung der leeren iranischen Drohungen und der Prophezeiungen eines "baldigen Untergangs" des israelischen Staates.

    In diesem Fall würden sich die USA bei einer Schlüsselrichtung ihrer Außenpolitik einfach zu Israels Geiseln machen und im Ergebnis alles verlieren, was verloren werden kann.

    Obama begeht bisher erstaunlich wenig außenpolitische Fehler. Eine echte Romanze mit China, das versprochene "Reset" in den Beziehungen zu Russland und jetzt auch zu Iran, die künftige Festigung der Freundschaft mit Europa und die Verkündung der Ziele und Aufgaben in Afghanistan.

    All das sind starke Schritte, die überdies in der richtigen Reihenfolge getan werden.

     

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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