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    Russlands Armeereform: Kreml-Astrologen gucken wieder ins Fernrohr

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    MOSKAU, 23. März (Nikita Petrow für RIA Novosti).

    Die „erweiterte“ Kollegiumssitzung des russischen Verteidigungsministeriums am 17. März beschäftigt nach wie vor die Medien im In- und Ausland.

    Die genaue Analyse einiger Vorträge und Veröffentlichungen legt jedoch die Vermutung nahe, dass einige Journalistenkollegen in den Worten des russischen Präsidenten Dmitri Medwedew und des Verteidigungsministers Anatoli Serdjukow nicht das gehört haben, was wirklich gesprochen wurde, sondern das, was sie hören wollten.

    Das renommierte „Wall Street Journal“ verblüffte zum Beispiel mit einem Artikel zu der Sitzung im russischen Verteidigungsministerium unter dem Titel „Kreml macht deutlich, einen harten Kurs gegenüber Washington zu verfolgen“. Die britische „Times“ folgt der Aussage und beschreibt die Rede von Kreml-Chef Medwedew als Zeichen der „Falkenpolitik“.

    „Die Sprache des russischen Staatschefs klingt wie in Zeiten des Kalten Kriegs“, behauptet das „Wall Street Journal“ und unterstreicht, dass Medwedew „ein ambitioniertes Umrüstungsprogramm als Antwort auf die Nato-Expansion an der russischen Grenze durchführen will“.

    Der Wahrheit entspricht hier lediglich die Aussage Medwedews in Bezug auf die angestrebte Umrüstung der russischen Streitkräfte, die ihren Höhepunkt im Jahr 2011 erreichen soll. Die USA allerdings wurden mit keinem Wort erwähnt. Besonders Wissbegierige können die Rede Medwedews selbst in vollem Wortlaut auf der Homepage des Kreml (http://www.kremlin.ru) oder des Verteidigungsministeriums (http://www.mil.ru) nachlesen.

    In der Tat: Der russische Präsident sprach davon, dass immer noch „die Risiken vorhanden sind, die von den lokalen Konflikten und vom internationalen Terrorismus ausgehen“. Medwedew erwähnte auch die Tatsache, dass die Nordatlantische Allianz nach wie vor versucht, unweit der russischen Grenzen ihre militärische Infrastruktur aufzubauen. Dies mache eine qualitative Modernisierung der russischen Streitkräfte erforderlich, die auf die Zukunft gerichtet neu zugeschnitten werden muss. Wo ist hier bitte schön die „Falkenpolitik“?

    Insbesondere, wenn man bedenkt, dass der Jahresetat des US-Verteidigungsministeriums etwa 600 Milliarden US-Dollar beträgt. Das russische Verteidigungsministerium hingehen hat lediglich etwa 40 Milliarden zur Verfügung? Ich schreibe „etwa“, weil die Wechselkurse der Devisen bekanntlich nicht stillstehen. Russlands Führung zu verübeln, dass sie bei einer solch gravierenden Differenz Sorgen um die Modernisierung der Armee trägt, wäre unangebracht.

    Der Fünf-Tage-Krieg im August 2008 im Südkaukasus hat aber deutlich gezeigt, wie bitter nötig eine solche Modernisierung ist. Die meisten Verluste, die die 58. Armee zu beklagen hatte, waren auf die unzureichenden und total veralteten Kommunikations-, Aufklärungs-, Ortungs- und Navigationsmittel zurückzuführen. Diejenigen, die den Vortrag von Anatoli Serdjukow aufmerksam gelesen bzw. gehört haben, konnten nicht an einer signifikanten Zahl vorbeigehen: Der Verteidigungsminister sagte, dass nur zehn Prozent der Kriegstechnik und Ausrüstung in der russischen Armee den modernen Anforderungen entsprechen. Daher auch die Dringlichkeit, auch in der Krisenzeit die Armee grundsätzlich umzurüsten.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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