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    Italien und Russland tanken neue Energie

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    MOSKAU, 09. April (Oleg Mitjajew, RIA Novosti). Gazprom hat sein Recht auf den Rückkauf von 20 Prozent an seiner Öl-Tochter GazpromNeft eingelöst, die dem italienischen Gaskonzern ENI gehörten.

    Dieses Kaufgeschäft wurde am 7. April im Beisein des russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin abgewickelt und bescherte der italienischen Seite 1,5 Milliarden US-Dollar. Die Unterzeichnung des Abkommens über die weitere Umsetzung des South-Stream-Projekts wurde unterdessen verschoben.  

    ENI freute sich über Gewinne mit GazpromNeft

    Der italienische Erdgas- und Erdölkonzern ENI hat in den vergangenen zwei bis drei Jahren eine ganze Reihe von Geschäften in der russischen Energiewirtschaft abgewickelt. Die Italiener kauften 2007 etwa 20 Prozent an GazpromNeft zum Preis von 3,7 Milliarden US-Dollar.

    Der russische Gasriese behielt damals das Recht, binnen zwei Jahren gegebenenfalls dieses Aktienpaket zurückzukaufen (die Kaufformel wurde im Voraus festgelegt worden). Gazprom machte dabei deutlich, auf dieses Recht auf keinen Fall zu verzichten, weil GazpromNeft in der Tat ein echter Leckerbissen ist.

    Dieses Unternehmen ist wahrlich ein Goldesel in der russischen Erdölbranche. Es fördert täglich etwa eine Million Barrel Erdöl unter relativ niedrigen Selbstkosten und schüttet regelmäßig üppige Aktionärsdividenden aus.

    Paolo Scaroni, Vorstandschef von Eni, gab ohne Umschweife zu, dass er gern das Aktienpaket von GazpromNeft behalten hätte, doch sei er leider machtlos. Die Finanzkrise, die riesigen Schulden Gazproms, die fallenden Preise für Kohlenwasserstoffe und die sinkende Nachfrage in Europa nach Rohstoffen des russischen Monopolisten - all das waren die Faktoren, die dieses Geschäft ernsthaft gefährden hätten können. Doch sie taten es nicht.

    Gazprom war damit einverstanden, für 20 Prozent an GazpromNeft die früher vereinbarten 4,2 Milliarden US-Dollar auf den Tisch zu legen. Vor zwei Jahren musste der italienische Energieversorger für dieses Aktienpaket um die 1,5 Milliarden weniger hinblättern.

    Mehr noch: Als dieses Geschäft über die Bühne ging, erreichte der Börsenwert von GazpromNeft an der russischen RTS-Börse die Marke von 2,6 Milliarden US-Dollar. Damit wurde ENI das Aktienpaket der Gazprom-Tochter zu einem Preis los, der um 60 Prozent höher als der übliche Marktpreis dieses Paketes lag, wobei der Wechselkurs des Rubels einen Tiefstand erreichte.

    Dennoch sprach ENI-Chef Scaroni noch davon, dass die besagten 4,2 Milliarden US-Dollar nicht besonders viel Geld seien. Dabei meinte er allem Anschein nach das Gesamtpotenzial Gazproms. Wie auch immer, ENI kann dieses Geld zum Abtragen seines Schuldenbergs (etwa 24 Milliarden US-Dollar) gut gebrauchen.

    Der russische Gasriese geizte nicht und hat diese Summe hingeblättert und besitzt nun mehr als 95 Prozent an GazpromNeft. Dadurch wird sich die Vergabe von Erkundungs- und Förderlizenzen von Gazprom an seine eigene Tochter einfacher gestalten. Die Präsenz eines ausländischen Großaktionärs hinderte das Unternehmen daran, strategisch weiter zu wachsen.

    Um dieses Geschäft zu finanzieren, wird Gazprom wohl Kredite der russischen Banken hinzuziehen müssen. Gerüchten zufolge sind die Sberbank, Gazprombank und Rosselchosbank im Gespräch. Das Aktienpaket an GazpromNeft soll bis Anfang Mai bezahlt werden.

    Was ist mit South Stream?

    Eigentlich sollte der Rückverkaufvertrag beim Russland-Besuch des italienischen Premiers Silvio Berlusconi unterschrieben werden, doch wegen der Erdbebenkatastrophe in Italien musste Berlusconi sein Kommen absagen.

    Eine andere Vereinbarung zwischen ENI und Gazprom - der Bau der South-Stream-Pipeline - konnte nicht unterschrieben werden. Wie Quellen mitteilen, ist die italienische Seite mit der von Gazprom vorgeschlagenen Vereinbarung nicht zufrieden gewesen.

    Die Meinungsdifferenzen laufen im Grunde genommen auf die Fragen hinaus, wie die Einnahmen aus dem verkauften Gas aufgeteilt werden, wie viel Arbeit auf das italienische Unternehmen bei der Fertigstellung des Festland-Abschnitts der Pipeline zukommen und wie groß der Anteil der Italiener an dem Projektmanagement sein soll sein.

    Es scheint, als ob diese Probleme nur auf höchster politischen Ebene gelöst werden können. Noch mehr Verwirrung in Bezug auf das künftige Schicksal des South- Stream-Projekts hat eine Ankündigung des italienischen Wirtschaftsministers Claudio Scajola am 7. April verursacht, wonach die Blue-Stream-Pipeline in der Türkei nach Italien ausgebaut und nach Brindisi in Süditalien und nach Triest in Norditalien verlängert werden solle.

    Das bringt die Experten in Verlegenheit, denn der Transport des Gazprom-Gases nach Italien war für die South-Stream-Pipeline gedacht, wobei die südliche Abzweigung nicht durch die Türkei, sondern durch Bulgarien und Griechenland verlaufen sollte. Die nördliche Abzweigung der Pipeline sollte aber durch Bulgarien, Serbien, Ungarn und Österreich gehen.

    Dabei ist klar: Es ist nicht gestattet, ohne Gazproms Wissen mit seinem Gas zu hantieren und nach Belieben den Verlauf seiner Pipelines zu ändern.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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