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    Russlands Milliarden-Spritzen gegen Wirtschaftskrise verfehlen Wirkung * Lage auf Russlands Automarkt immer auswegloser * Konzerne ringen um Russlands Ölvorkommen * Russische Mobilfunker in Top 100 der weltweit teuersten Brands

    MOSKAU, 28. April (RIA Novosti)

    Russlands Presse: Russlands Milliarden-Spritzen gegen Wirtschaftskrise verfehlen Wirkung

    Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) ist in den G20-Staaten die Stützung der Wirtschaft durch den Staat im Durchschnitt um zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes erhöht worden, schreiben russische Zeitungen am Dienstag.

    Am freigebigsten hat sich Russland mit 4,1 Prozent gezeigt. Doch Spitzenstellung bei den staatlichen Geldspritzen garantiert deren Effizienz noch nicht: In den Industriesektor ist das Geld noch nicht geflossen, darunter wegen der Verzögerung bei der Billigung des Haushalts für dieses Jahr.

    "Russland hat bisher eine große Bankenkrise vermeiden können", vermerkt Julia Zepljajewa, Chefökonomin bei Merrill Lych. "Das wird uns die Wirtschaft schneller und weniger schmerzhaft wiederherstellen helfen."

    Doch vom Standpunkt des Einflusses des Fiskus auf das BIP-Wachstum gehört Russland, wie OECD schätzt, spielt Russland nur eine Nebenrolle: Dabei ergebe ein investierter Rubel entweder keinen oder einen negativen Effekt.

    Andrej Klepatsch, Vizeminister für Wirtschaftsentwicklung, gab vergangene Woche zu: Es sei nicht gelungen, die Geldströme - den wichtigsten Wirtschaftsstimulus - in normale Bahnen zu lenken. Die Unterstützung der Banken durch die Regierung habe nicht dazu geführt, mittels Kredite die Wirtschaft mit Geldern zu versorgen. Solange der diesjährige Haushalt nicht angenommen worden sei, bleiben die staatlichen Ausgaben im Kampf gegen die Wirtschaftskrise wirkungslos.

    Weil es notwendig sei, viele Dinge abzustimmen und Ausschreibungen durchzuführen, könnten die für die Stützung der Wirtschaft bereitgestellten Haushaltsausgaben die Unternehmen erst im Sommer erreichen.

    Experten verweisen auf die geringe Effizienz der Verwendung der Haushaltsgelder. "Unsere Strategie der staatlichen Hilfe läuft darauf hinaus, das Finanz- und Kreditsystem des Landes mit Geld vollzupumpen", sagt Igor Nikolajew, Direktor des Departements Strategische Analyse der Beratungsfirma FBK.

    Michail Deljagin, wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Globalisierungsprobleme (Moskau), nannte die Bereitstellung von 141 Milliarden Rubel aus dem Haushalt für die Stützung des Börsenmarkts einen Wahnsinn. (1 Euro = 43,66 Rubel.)

    "Wir haben keine Kontrolle über die Haushaltsausgaben", sagt er. "Wobei eine solche Kontrolle grundsätzlich nicht umgesetzt wird, weil sie das Wohlergehen der regierenden Klasse untergraben würde."

    Quellen: "RBC Daily", "Nesawissimaja Gaseta" vom 28.04.09.

    „Wedomosti“: Lage auf Russlands Automarkt immer auswegloser

    Der Autobau in Russland ist nach Angaben des Wirtschaftsministeriums um 63 Prozent dramatisch abgestürzt. Die Hoffnung auf die Wiederherstellung der Nachfrage ist verschwunden. Darüber schreibt die Zeitung „Wedomosti“ am Dienstag.

    Doch es soll noch schlimmer kommen. Angaben des Industrie- und Handelsministeriums zufolge ist Ende 2009 der 60-prozentige Rückgang in der Automobilbranche zu erwarten. Im ersten Quartal 2009 ging die Autoproduktion in Russland um 62,9 Prozent zurück auf 123 000 Autos, heißt es in einem Bericht des russischen Wirtschaftsministeriums.

    Schuld daran seien in erster Linie die russischen Autobauer. Die Produktion russischer Automarken schrumpfte um 71,6 Prozent auf 57 200 Stück, was lediglich 45,5 Prozent der Gesamtproduktion ausmacht. Fahrzeughersteller AvtoVAZ drosselte seine Produktion um 71,2 Prozent auf 52 878 Stück, UAZ um 79,1 Prozent auf 1336 Autos, GAZ musste die Produktion von PKWs nahezu komplett einstellen (es wurden nur 187 Volga Siber produziert).

    Die Produktion ausländischer Modelle in Russland ging um 50,9 Prozent auf 66 200 Autos zurück. Die besten Ergebnisse hat der deutsche Autobauer Volkswagen in der Stadt Kaluga vorzuweisen (produziert auch den Skoda): die Produktion sank um lediglich 7,5 Prozent (auf 12 495 Autos). Dieses Werk begann allerdings erst im ersten Quartal 2008 mit der Autoproduktion.

    Beim US-Autobauer Ford (in der Stadt Wsewoloschsk) ging die Produktion um 19,4 Prozent auf 12 668 Autos zurück - und bei Avtoframos (baut Renault Logan) um 36,9 Prozent auf 12 551 PKWs. Die Vorreiterrolle übernahm jedoch Avtotor, der einen Produktionsrückgang in der Größenordnung von etwa 71,2 Prozent (7884 Autos) zu verzeichnen hatte.

    Die niedrige Nachfrage, die auf die sinkenden Einkünfte der Bevölkerung und auf die Kreditklemme zurückzuführen ist, habe zur Vergrößerung der Lagerbestände sowie zu Produktionsstopps geführt, so das Wirtschaftsministerium. Es lohnt sich nicht zu hoffen, dass sich die Lage rasch verbessern würde: Der Autoverkauf in Russland wird im Jahr 2009 um 60 Prozent zurückgehen, sagte gestern der stellvertretende Wirtschaftsminister Andrej Dementjew.

    Bereits im Dezember 2008 ging das russische Handelsministerium von deutlich besseren Zahlen aus, der Rückgang in der Autobranche sollte lediglich 40 Prozent ausmachen. Die Prognose wurde aber korrigiert, nachdem die Daten des ersten Quartals 2009 bekannt wurden. Der Nutzfahrzeugmarkt werde um 50 Prozent fallen, zeigen die Prognosen des Industrie- und Handelsministeriums. Dies geschehe, obwohl der Staat den Verkauf von etwa 250 000 Fahrzeugen zu sichern gedenkt.

    Der Optimismus der Experten schwindet jeden Monat. Bereits am Jahresanfang ging die Association of European Businesses (unabhängiger Verband von europäischen Firmen und Unternehmern in Russland) davon aus, dass Russlands Automarkt um 18 Prozent auf 2,4 Millionen Autos schrumpfen würde. Im Februar allerdings musste sie ihre Prognose korrigieren (Rückgang um 35 Prozent auf 1,9 Millionen), und im März ebenfalls (um 40 Prozent auf 1,7 Millionen).

    „Kommersant“: Konzerne ringen um Russlands Ölvorkommen

    Das russische Energieministerium schlägt vor, alle Erdölvorkommen zur staatlichen Erdölreserve zu zählen. Darüber berichtet die Tageszeitung „Kommersant“ am Dienstag.

    Die Idee der Einrichtung einer staatlichen Reserve aus bereits gefördertem Erdöl wird im Ministerium nicht unterstützt, denn der Bau und das Betreiben der riesigen Erdölbehälter seien zu kostspielig. Experten vermuten, dass die Regierung die Erschließung von den Staatsunternehmen nicht unterstellten Erdölvorkommen verhindern möchte, um die Kontrolle über den Erdölexport in ihren Händen zu behalten.

    Bereits im Juni 2008 hat der russische Vizepremier Igor Setschin angeordnet, die Vorschläge zur Schaffung einer staatlichen Erdölreserve vorzubereiten mit dem Ziel, die Möglichkeit zu erlangen, in Zeiten hoher Ölpreise auf den internationalen Märkten die Preise für das „schwarze Gold“ auf dem Binnenmarkt durch gezielte Interventionen nach unten zu drücken.

    Nach dem Ausbruch der Krise wurde dieser Plan mit Blick auf die internationalen Märkte umgestellt: die Schaffung einer staatlichen Erdölreserve wurde im Dezember 2008 sogar mit den OPEC-Staaten besprochen.

    Das russische Energieministerium teilte gestern jedoch mit, es habe nie die Idee einer solchen Reserve unterstützt. Die Idee, die wirklich in der Regierung diskutiert wird, betrifft laut Energieminister Sergej Schmatko die Schaffung einer Reserve in „einem allgemeinen Sinne“.

    Eine Quelle im Energieministerium teilte mit, dass man auch Erdölvorkommen wie das Trebs- und das Titow-Vorkommen im Autonomen Bezirk der Nenzen als staatliche Reserve betrachten wolle.

    Eine Erdölreserve (aus Vorkommen) wird anscheinend eingerichtet, aber nicht, um auf die internationalen Erdölpreise einzuwirken. „Die Regierung hat die interessantesten Vorkommen auf Eis gelegt“, sagt Michail Krutichin von der Agentur RusEnergy. Würde man beispielsweise das Trebs- und das Titow-Vorkommen ausbeuten wollen, würde dies bedeuten, dass der Erdölexport über die Lukoil-Terminals abgewickelt werden würde, die staatlichen Erdölunternehmen wie Transneft würden außen vor bleiben.

    Ein Lukoil-Sprecher bestätigte das Interesse seines Konzerns an die Vorkommen Trebs und Titow. „Für uns ist es nicht ganz einleuchtend, warum solche Vorkommen zu einer Staatsreserve gezählt werden, denn dadurch würde die Erschließung und Ausbeutung dieser Vorkommen auf die lange Bank geschoben“.

    "Wedomosti": Russische Mobilfunker in Top 100 der weltweit teuersten Brands

    Die zwei schärfsten Konkurrenten auf dem russischen Mobilfunkmarkt, MTS und Beeline, gehören zu den 100 weltweit teuersten Brands (71. und 72. Position), schreibt die Zeitung "Wedomosti" am Dienstag.

    Die Gesellschaft Millward Brown Optimor (MBO), die zum vierten Mal eine Untersuchung zum weltweiten Wert von Marken durchführte, will die Ergebnisse am Mittwoch veröffentlichen.

    Der teuerste Brand der Welt ist nach wie vor Google: Der Internetkonzern ist um 16 Prozent teurer geworden und hat mit einem Gewinn von 100,039 Milliarden Dollar als erste die 100-Milliarden-Grenze überschritten.

    Der Wert des Brands MTS (die Firma wurde erstmals 2008 in der Liste geführt, damals in der 89. Position) ist um 14 Prozent auf 9,189 Milliarden Dollar gestiegen.

    Im Rating der Brands der Mobilfunkbetreiber steht China Mobile (61,283 Milliarden Dollar) an erster Stelle, während die beiden russischen Unternehmen an neunter bzw. zehn Stelle rangieren.

    MBO-Generaldirektorin Joanna Seddon vertritt die Auffassung, dass bei beiden russischen Mobilfunkern der Beitrag des Brands zum Gewinn und Potenzial, das heißt seine Fähigkeit, in kurzfristiger Perspektive Gewinn zu bringen, auf dem Niveau der führenden Unternehmen des Sektors lägen.

    Der Rückgang der Ausgaben der Bevölkerung für den Mobilfunk habe den Wert der Marken wenig beeinflusst, weil die Mobilfunkdienstleistungen zum täglichen Bedarf gehören würden, erläutert Jelena Tschuwachina, Leiterin der russischen Abteilung der branding-Agentur Fitch. Der hohe Wert des Brands entspricht dem intensiven Marketing von MTS und Beeline.

    Ihren Werbeausgaben nach gehören beide zu den Top-Unternehmen. 2008 betrugen die Werbeausgaben von MTS 111 Millionen Dollar und die von Vympelcom 122 Millionen Dollar (Einschätzung von Aegis Media). Laut der Gesellschaft Inter-brand ist Beeline seit vier Jahren der teuerste russische Brand.

    Andere russische Marken, die auf den weltweiten Branchenlisten stehen, haben nachgelassen. Baltika (Brand-Wert: 1,126 Milliarden Dollar, Wachstum: vier Prozent) ist in der Liste der Biermarken vom 15. auf den 17. Platz gesunken. Die Nummer eins ist hier der 6,655 Milliarden Dollar teure US-Brand Bud Light.

    In der Branchenliste "Motorkraftstoffe" ist Lukoil (701 Millionen Dollar, ein Minus von 18 Prozent) vom achten auf den elften Platz abgestiegen. Führend ist hier British Petrol (5,936 Milliarden Dollar).

    Die russischen Brands seien nicht schlechter geworden, sondern vielmehr von der Rubelabwertung und dem Wirtschaftsrückgang getroffen, erläutert Seddon. Tschuwachina ist der Ansicht, dass die Einstufung von Lukoil den Ölpreiseinbruch und die bescheidenen Aussichten des Energiesektors widerspiegele.

    RIA Novosti ist für den Inhalt der Artikel aus der russischen Presse nicht verantwortlich.

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