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    Stühlerücken bei Russlands Militäraufklärung

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    MOSKAU, 28. April (Ilja Kramnik, RIA Novosti). Die russische Militäraufklärung hat einen neuen Chef.

    Der bereits lange Zeit kursierende Rücktritt von Valentin Korabelnikow ist Realität geworden: Auf dem Posten des Chefs der zweiten Hauptverwaltung (GRU) und stellvertretenden Chefs des Generalstabs der russischen Streitkräfte hat ihn sein Stellvertreter, Generalleutnant Alexander Schljachturow, abgelöst.

    In den letzten Monaten knisterte es in der Militäraufklärung: Zwischen der Leitung der GRU (Militärnachrichtendienst) und des Verteidigungsministeriums entstanden offenkundige Differenzen über die Konzeption der Militärreformen, besonders in dem Teil, der die GRU unmittelbar betraf.

    Die Differenzen bezogen sich auf verschiedene Aspekte. Insbesondere auf die Reduzierung der GRU-Sonderbrigaden und ihre Neuunterstellung unter die Stäbe der Militärbezirke. Um diesen Vorgang entstanden zahlreiche widersprüchliche Informationen, oft waren Behauptungen zu hören, dass die Spezialeinheiten in Russlands Streitkräften grundsätzlich aufgelöst würden.

    Ein weiterer Konfliktgegenstand war die mögliche Übergabe der technischen GRU-Aufklärungsmittel (Aufklärungssatelliten, Abfangmittel der Funkaufklärung usw.) an den SWR (Dienst für Auslandsaufklärung). Darüber berichtete eine seriöse Zeitschrift. In demselben Artikel wurde die Möglichkeit erörtert, dem SWR die gesamte Militäraufklärung zu unterstellen.

    Das Gerücht bestätigte sich nicht, doch zusammen mit den Nachrichten darüber, dass Valentin Korabelnikow seinen Rücktritt eingereicht habe, rief diese Mitteilung zahlreiche Fragen nach der Zukunft der GRU und der Militärreform als Ganzes hervor.

    Trotz der offensichtlichen Haltlosigkeit der Gerüchte, die Auflösung der GRU werde erwogen, war vielen Beobachtern zugleich klar, dass zwischen der GRU und dem Verteidigungsministerium ein Konflikt herangereift war, der mit einem Rücktritt enden musste: entweder des GRU-Chefs oder des Verteidigungsministers.

    Doch der Verteidigungsminister und seine Reformen werden "von oben" unterstützt, so musste der GRU-Chef gehen.

    Der Rücktritt wurde mit entsprechender Sorgfalt organisiert: Armeegeneral Korabelnikow erhielt den Orden "Für Verdienste um das Vaterland" der dritten Klasse und durfte laut einigen Informationen seinen Nachfolger selber auswählen. Die Wahl fiel auf Generalleutnant Schljachturow.

    Über den neuen Chef der Militäraufklärung ist nichts bekannt. Offene Informationen über seine Laufbahn fehlen bislang in der Presse und im Internet. Das lässt an Schljachturows "authentische" Vergangenheit als Aufklärer denken, was die hohe Verschwiegenheit erklären würde.

    Wie die Hauptverwaltung der Aufklärung des Generalstabs unter dem neuen Chef sein wird, lässt sich schwer sagen. Offenkundig ist, dass er ein nicht eben einfaches Erbe übernimmt: Die GRU wird zusammen mit der gesamten Armee reformiert werden müssen.

    Das Militär durchläuft gerade das schmerzhafte Stadium der Streichungen und Veränderungen von Kommandostrukturen, die sich in Jahrzehnten aufgebaut haben. Die Kürzung des Offizierskorps und andere Folgen der Reformen werden sicherlich auch die Militäraufklärung treffen.

    Aber nie wird das Gros der Bevölkerung erfahren, wie effektiv die GRU-Reform war.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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