11:28 15 November 2018
SNA Radio
    Meinungen

    Neuer US-Kommandeur in Afghanistan

    Meinungen
    Zum Kurzlink
    0 01

    MOSKAU, 13. Mai (Viktor Litowkin für RIA Novosti).

    US-Präsident Barack Obama hat Generalleutnant Stanley McChrystal zum neuen Kommandeur der US- und der Internationalen Schutztruppe Truppe (ISAF) in Afghanistan ernannt.

    Die Ernennung erfolgte auf Vorschlag des US-amerikanischen Verteidigungsministers Robert Gates. McChrystal ist erfahrener Kommandeur von Spezialtruppen (SOCOM). Der Wechsel bedeute nicht, dass der Präsident weniger Respekt für General David McKiernan hege, der bis vor kurzem die Befehlsgewalt über die Schutztruppe hatte - so hieß es zumindest aus dem Weißen Haus.

    Jetzt ist laut Gates einfach die Zeit für Veränderungen reif. Die Operation in Afghanistan bedürfe einer neuen Denkweise und eines neuen Herangehens seitens des Militärkommandos. Außerdem müsse der neue Befehlshaber mit der neuen US-Strategie in Afghanistan Schritt halten.

    Experten sagen aber, dass der Befehlshaber nicht nur wegen des Wandels in Afghanistan abgelöst wurde. David McKiernan, der seinen Posten verlassen musste, war ein guter Mann für den Kampf gegen Terroristen. Er wurde im Januar 2008 von Präsident George W. Bush berufen, der seine Idee über die Verstärkung der US-Streitkräfte in Afghanistan unterstützt hatte.

    Es ist ihm auch gelungen, das Kontingent fast um das Doppelte, von 25 000 auf 40 000 Soldaten, aufzustocken, doch ein Durchbruch im Kampf gegen die Taliban blieb aus. Danach forderte der General weitere 10 000 Soldaten, doch Gates, der auch gegen die irakischen Aufständischen kämpfen musste, gab dieser Bitte nicht statt.

    Er zeigte sich auch nicht einverstanden, dass eine schlagartige Aufstockung der US-Truppen zu einem Sieg verhelfen kann. Auch andere Schritte waren und sind nach wie vor notwendig.

    Dazu gehören Zusammenarbeit mit der afghanischen Armee, enge Kooperation mit der ISAF, zu der 32 000 NATO-Soldaten zählen, sowie präzise Schläge gegen die Stützpunkte und Lager der Taliban. Dabei darf die Zivilbevölkerung bei den Angriffen nicht in Mitleidenschaft gezogen werden, denn der Tod von Zivilisten ruft nicht nur Proteste, Feindseligkeit und Empörung gegen die Amerikaner hervor, sondern lockt auch neue Freiwillige in die Taliban-Camps.

    Auch Obama verkündete eine neue Afghanistan-Strategie. Sie besteht seinen eigenen Worten zufolge darin, einen Teil der Truppen aus Irak nach Afghanistan zu verlegen und zusätzliche Soldaten aus NATO-Staaten und anderen Verbündeten der USA heranzuziehen.

    Die Hauptsache sei dabei, das Wirtschaftswachstum Afghanistans zu fördern, durch neue Arbeitsplätze eine Alternative für den Drogenhandel zu schaffen, den wachsenden Einfluss der Taliban einzudämmen und die für das laufende Jahr festgesetzten freien und offenen Wahlen zu unterstützen. Ein weiteres wichtiges Anliegen ist die Bündelung des Kampfes Kabuls und Islamabads gegen die Taliban.

    Das hatte Obama nach seinem Treffen mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karzai und dem pakistanischen Präsidenten Asif Zardari im Weißen Haus gesagt. Washington werde mit den afghanischen und internationalen Partnern zusammenarbeiten, um Opfer unter der Zivilbevölkerung zu vermeiden.

    Es werde auch die demokratischen Institutionen in Pakistan im Kampf gegen die Terroristen unterstützen. Obama teilte ebenfalls mit, dass er den Kongress gebeten habe, Islamabad Geld für die Errichtung von Schulen, Krankenhäusern und Straßen zukommen zu lassen.

    Pakistan hat unter dem Druck der USA tatsächlich eine Operation gegen die Taliban im Swat-Tal im Nordwesten des Landes gestartet. Die pakistanischen Truppen haben die Stellungen der Taliban mit Haubitzen und Granatwerfern sowie von Hubschraubern aus beschossen.

    Doch die Extremisten leisteten äußerst erbitterten Widerstand und gaben laut Nachrichtenagenturen nicht auf. Ihre Einheiten patrouillieren die Ortschaften der Gegend und kontrollieren bis zu 90 Prozent des Swat-Tals.

    Gleichzeitig feuerte eine amerikanische Drohne Raketen auf Süd-Wasiristan ab, das zu den Stammesgebieten zählt. Dort sollen sich nach Meinung des US-Kommandos die Führer der Taliban und der Al-Kaida verstecken. Doch konkrete Ergebnisse des Angriffs sind noch nicht bekannt. Zuvor gab es etwa 30 US-Drohnen-Angriffe auf Ziele in dieser Gegend. Viele Zivilisten wurden bei den Schlägen getötet.

    Doch die Stammesgebiete bleiben sowohl für die internationalen Schutztruppen in Afghanistan als auch für amerikanische Soldaten unzugänglich. Selbst der Transit von Gütern, die die ISAF-Truppen bitter benötigen, ist in diese Region unmöglich.

    Ob der neue Befehlshaber, Generalleutnant Stanley McChrystal, diese Aufgabe lösen kann, steht offen. Washington versteht ebenso wie die NATO-Oberen in Brüssel sehr gut, dass das Problem der Bekämpfung des Terrorismus, der Taliban und der Al-Kaida mit militärischen Mitteln nicht zu lösen ist. Daher rührt auch Barack Obamas Aufruf für mehr Wirtschaftshilfe für Afghanistan und Pakistan.

    Das ist übrigens in den verschiedensten Formulierungen bei allen NATO-Gipfeln zum Thema internationaler Terrorismus zu hören. Beim NATO-Gipfel 2006 in Riga wurde das auch erwähnt.

    Viele Mitgliedsstaaten versprachen, Geld für den sozialen und wirtschaftlichen Aufbau der von extremistisch-religiösen Bewegungen geplagten asiatischen Länder auszuschütten. Doch es blieb nur bei Worten, ebenso wie die Versprechen der Europäer, das ISAF-Kontingent aufzustocken. Die NATO-Führung musste sogar Kasachstan um die Entsendung von Friedenstruppen für Afghanistan sogar bitten.

    Eine offizielle Antwort Kasachstans, das zur Organisation des Vertrags der Kollektiven Sicherheit zählt, blieb bislang aus. Doch dass die NATO und die USA sich auf einen ziemlich langen und nicht unbedingt siegreichen Kampf gegen die Taliban und die Al-Kaida gefasst machen müssen, wird von Tag zu Tag immer klarer.

    Ein Wechsel des Befehlshabers kann genauso wie die Verkündung einer neuen Strategie nichts daran ändern.

    Zum Verfasser: Viktor Litowkin ist Journalist bei der russischen Zeitung „Nowoje Wojennoje Obosrenije“.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der der RIA Novosti übereinstimmen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren