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    Nabucco sucht nach Gas

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    EU-Russland-Gipfel in Chabarowsk (29)
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    MOSKAU, 14. Mai (Oleg Mitjajew, RIA Novosti). Auf der Konferenz "Südkorridor - neue Seidenstraße" am 8. Mai in Prag wurde für das Nabucco-Projekt die Werbetrommel gerührt.

    Die Europäische Union will durch diese Pipeline Gas aus Zentralasien und dem Nahen Osten nach Europa unter Umgehung Russlands transportieren.

    Die Konferenz brachte ihren Organisatoren zweierlei Ergebnisse. Einerseits unterzeichnete die für das Projekt äußerst wichtige Türkei die Schlusserklärung, die den Bau der Nabucco-Gasleitung unterstützt.

    Andererseits setzte (ebenso Kasachstan und Usbekistan) Turkmenien nicht seine Unterschrift unter das Dokument, obwohl dem zentralasiatischen Land die Schlüsselrolle als Ressourcenbasis für die Pipeline zugedacht war.

    Die Nabucco-Gasleitung soll eine Fortsetzung des bereits fertiggebauten Pipeline Baku - Tiflis - Erzurum bilden. Von der osttürkischen Stadt Erzurum wird sie dem Plan nach durch die Türkei, über Bulgarien, Rumänien und Österreich verlaufen.

    Doch wird es praktisch unmöglich sein, Nabucco vollständig auszulasten, wenn diesem Rohr nicht die Transkaspische Gasleitung angeschlossen wird, die laut Plan auf dem Grund des Kaspischen Meeres die sehr reichen Gasvorkommen Turkmeniens (und der anderen zentralasiatischen Länder) mit der Pipeline Baku - Tiflis - Erzurum verbinden soll.

    Die von der EU in Prag vorbereitete Erklärung sieht vor, dass bis Ende Juni Abkommen über die Nabucco-Pipeline zustande kommen und der Energietransport durch die Kaspi-Region unterstützt wird. Darin äußerte sich das eindeutige Streben der EU, dass die Realisierung des Nabucco-Projekts nicht hinter dem konkurrierenden South-Stream-Projekt zurückbleiben soll, mit dem russisches Gas nach Süd- und Mitteleuropa gebracht werden soll.

    Letzten Endes unterzeichneten recht wenig Staaten die Erklärung in Prag. Neben der EU waren das Aserbaidschan, Georgien und die Türkei. Von diesen Ländern kommt nur Aserbaidschan als Gasförderer in Frage. Die Länder dagegen, die die potentiell wichtigste Ressourcenbasis für Nabucco darstellen - Turkmenien sowie Kasachstan und Usbekistan -, schickten nach Prag Beamte ohne Unterschriftbefugnis.

    Die Organisatoren der Prager Konferenz versuchten das damit zu erklären, dass die zentralasiatischen Länder angeblich keine umfassenden Deklarationen mögen und lieber konkrete Verträge unterzeichnen würden. Doch ist klar, dass die Weigerung, Nabucco und die Transkaspische Gasleitung direkt zu unterstützen, durch den Wunsch der zentralasiatischen Länder bedingt ist, es sich mit Russland nicht zu verderben.

    Gegenwärtig wird von ihnen exportiertes Gas beinahe komplett vom russischen Konzern Gazprom gekauft, und zwar nach der europäischen Preisformel. Verlieren sie diese Verträge, so würden sie auch bedeutende (Turkmenien sogar sämtliche) Exporteinnahmen verlieren.

    Zugleich ist die Unterschrift der Türkei unter der Deklaration ein wichtiger Markstein beim Nabucco-Werbefeldzug. Die Türkei hat sich also bereit gefunden, als Transitland für Gaslieferungen an die EU zu fungieren. Außerdem versprachen die Türken, Ende Juni die Verhandlungen über die Transitbedingungen zum Abschluss zu bringen.

    Früher erklärte die Türkei, sie werde Gas an ihrer Grenze kaufen und an die EU nach dem eigenen Preis weiterverkaufen. Ihre jüngste Forderung war, ihr 15 Prozent vom gesamten Nabucco-Gas zu niedrigen Preisen zu verkaufen, was das Projekt unrentabel machte.

    Nunmehr bestehen die Hindernisse beim Transit nicht mehr. Der Bau der Nabucco-Pipeline könnte laut Plan 2011 beginnen. Zudem erlaubt es die günstige geographische Lage der Türkei, im Prinzip Gas nicht nur aus Zentralasien dem Nabucco-Rohr zuzuleiten.

    Ab 2014, nach der geplanten Inbetriebnahme der Pipeline, sollen durch die Gasleitung rund acht Milliarden Kubikmeter Gas jährlich gepumpt werden. In diesem Stadium könnte Aserbaidschan eine Gasquelle für Nabucco werden.

    Irak könnte die Nabucco-Ressourcenbasis auffüllen. Schon jetzt gibt es eine Rohrleitung aus Irak über Syrien in die Türkei. Außerdem begannen Verhandlungen über den Bau einer weiteren Gaspipeline aus dem Irak in die Südtürkei. Zwar nahm Irak an der Konferenz in Prag trotz der Einladung nicht teil, doch aus Bagdad verlautet es, die Verhandlungen mit der EU über Gaslieferungen würden fortgesetzt.

    Iran kann sich außerdem zu einem Großlieferanten von Gas für Europa entwickeln. Das Land hat trotz seiner komplizierten Beziehungen zum Westen ebenfalls seinen Wunsch bekannt, sich an dem Nabucco-Vorhaben zu beteiligen. Zudem demonstriert die Türkei ihre Bereitschaft, nicht nur als Transitland, sondern auch als Vermittler bei den Verhandlungen mit Iran zu dienen.

    Aber wenn Nabucco 2019 die geplante volle Jahresleistung von über 30 Milliarden Kubikmeter Gas erreicht haben wird, dürfte die Auslastung des Rohrs ohne zentralasiatisches Gas recht problematisch werden.

    Auf der anderen Seite treibt Russland sein Gegenspiel mit der Umsetzung des South- Stream-Projektes. Am morgigen Freitag wollen Russlands Premier Wladimir Putin und sein italienischer Amtskollege Silvio Berlusconi ein neues Abkommen zu dem Pipeline-Vorhaben unterzeichnen.

    Außerdem wird am 16. Juni der türkische Premier Tayyip Erdogan in Moskau erwartet, um gemeinsame Gastransportprojekte zu erörtern. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Rede auch vom Anschluss der Türkei an das South-Stream-Projekt sein wird.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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