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    Nach Nordkoreas Atomtest: Alle müssen "das Gesicht wahren"

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    Nordkoreas Atomtest (60)
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    MOSKAU, 25. Mai (Iwan Sachartschenko, RIA Novosti). Am vergangenen Wochenende erschütterten zwei Ereignisse die beiden koreanischen Staaten.

    Am Sonnabend hatte sich der frühere südkoreanische Präsident Roh Moo Hyun, der die Aussöhnung mit Nordkorea suchte, das Leben genommen. Am Montag richtete Pjöngjang nicht nur seine Kondolenzgrüße aus, sondern meldete gleichzeitig einen erfolgreichen Atomwaffentest.

    Laut einer Mitteilung der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA dient der Atomtest - der zweite nach 2006 - "dem Schutz der Souveränität von Land und Nation, der Sache des Sozialismus sowie dem Frieden und der Sicherheit auf der Halbinsel Korea und in der Region".

    Russland verkündete ebenso wie andere Staaten, dass es diese Behauptung nicht teile. Russlands Außenminister Sergej Lawrow sprach von Besorgnissen über die Meldungen, dass Nordkorea einen Atomtest durchgeführt hatte und von der Notwendigkeit, "sie durch technische Kontrollmittel zu überprüfen".

    Noch deutlicher wurde US-Präsident Barack Obama, der das Geschehen eine "Provokation" nannte und sagte, dass "Nordkoreas Verhalten die Spannungen in Nordostasien erhöht und die Stabilität vermindert".

    Seit August 2003 versuchten hochrangige Diplomaten Russlands, der USA, Chinas, Nordkoreas, Südkoreas und Japans den Atomstreit mit Nordkorea zu lösen. Als dieser Dialog eingeleitet wurde, hatte Pjöngjang noch keine Atomwaffen. Nordkorea besaß und testete sie drei Jahre später, als die Sechser-Parteien-Gespräche erschlafften und keiner mehr mit den Nordkoreanern sprechen wollte, vor allem die Amerikaner nicht.

    Jetzt ist wieder einmal eine Rückwärtsrolle zu beobachten. Diesmal nachdem die Sechser-Verhandlungen in eine Sackgasse gerieten, weil Japan sich weigerte, seinen Verpflichtungen über die Brennstofflieferung an Nordkorea nachzukommen. Das geschah wegen Komplikationen zwischen beiden Seiten, die mit dem Atomstreit nichts zu tun hatten. Die USA konnten sich mit Pjöngjang nicht darüber einigen, wie dessen vorgelegte 18 000 Seiten füllende Angaben über die Atomtests zu verifizieren seien.

    Im Ergebnis startete Nordkorea im April eine dreistufige Rakete, um nach eigener Aussage einen Nachrichtensatelliten in eine Umlaufbahn zu bringen.

    Der UN-Sicherheitsrat verurteilte Nordkoreas Raketenstart und verärgerte dadurch Pjöngjang, was ihm als Anlass zur Wiederaufnahme des Atomprogramms diente.

    Das könnte endlos weitergehen, solange zwischen Nordkorea und den Vereinigten Staaten der Zustand "weder Krieg noch Frieden" andauert.

    Zwischen ihnen wurde nach der Beendigung der Koreakriegs von 1950 bis 1953 nur ein Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet. Nordkorea besteht zwar schon seit langem auf einem Friedensvertrag und auf der Normalisierung der Beziehungen zu den USA, doch Washington weigerte sich bislang, diese Perspektive in Betracht zu ziehen.

    Im Grunde verläuft alles nach einem bekannten Szenario: Um die USA zu einem Gespräch mit Nordkorea zu zwingen, muss dieses Schritte tun, zu deren Verhinderung sich die Weltgemeinschaft berufen fühlt. Warum ist alles so kompliziert? Nun, jeder politische Spieler versucht, in dieser Situation das Gesicht zu wahren.

    Nordkorea sucht zu beweisen, dass niemand es wagen sollte, das Land in die Knie zu zwingen. Die USA mit ihrer neuen Administration wollen vielleicht mit Nordkorea sprechen, aber erstens befindet sich das diplomatische Team der Amerikaner erst in der Entstehung.

    Zweitens ist es peinlich, Kontakte mit Pjöngjang zu knüpfen, wenn es gerade sein Atomprogramm wieder aufgenommen hat. Für solche Kontakte ist - ebenfalls zwecks Wahrung des Gesichts - ein Anlass nötig.

    Dieser Anlass ist jetzt da: Mit der Detonation einer recht starken Atombombe könnte Nordkorea als Atomwaffenmacht bezeichnet werden. Deswegen könnten die USA Verhandlungen mit Nordkorea beginnen, weil bei den Sechser-Verhandlungen keine Forschritte zu beobachten sind.

    In diesem Fall zwingt die jetzige Situation die USA dazu, auf Nordkorea für einen Dialog zuzugehen. Je schneller sie sich dazu entschließen, umso weniger bedrohliche Schritte werden wir bei Nordkorea beobachten.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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