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    Weltweit brechen Militärausgaben alle Rekorde

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    MOSKAU, 09. Juni (Ilja Kramnik, RIA Novosti). Weltweit überbieten sich die Staaten mit Rekorden in ihren Rüstungsausgaben.

    Im vergangenen Jahr beliefen sich die Rüstungsausgaben auf 1,464 Billionen Dollar bzw. 2,4 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsproduktes, das sind 45 Prozent mehr als 1998.

    Diese Zahlen sind in einer Studie von SIPRI (Stockholmer Internationales Friedensforschungsinstitut) zu finden. Nach Ansicht der schwedischen Experten waren es folgende Faktoren, die hauptsächlich zum Anstieg der globalen Verteidigungsausgaben führten: der Krieg in Irak, Russlands Rückkehr in die globale Arena sowie die wachsende Stärke Chinas.

    Diese Faktoren spielen zweifellos eine Rolle, doch der wichtigste und auch für die oben genannten Tatsachen bestimmende Faktor ist die Eskalation der Spannungen in der heutigen Welt.

    Laut SIPRI-Schätzungen hatten 2008 die USA die größten militärischen Ausgaben (607 Milliarden Dollar), ihnen folgen mit großem Abstand China (84,9 Milliarden Dollar), Frankreich (65,7 Milliarden Dollar) und Großbritannien (65,3 Milliarden Dollar). Russland, das laut Angaben des Instituts 2008 für die militärischen Zwecke 58,6 Milliarden Dollar bereitstellte, kommt an fünfter Stelle.

    Vor 25 Jahren war unser Planet, in zwei Lager gespalten, vom Kalten Krieg erfasst. Doch erwies sich diese Konfrontation, die den Supermächten gewaltige Anstrengungen und Ausgaben abrang, in Wahrheit als ein stabilisierender Faktor.

    Die Supermächte kontrollierten ihre Satelliten, und trotz der gelagerten Waffenmengen und der scharfen Rhetorik war die Zahl der lokalen Konflikte, die in der Welt gleichzeitig vor sich gingen, relativ stabil.

    Der Zerfall des Ostblocks und dann der Sowjetunion unterminierte das damalige Gleichgewicht. Die Wahrscheinlichkeit von Konflikten stieg in der Welt drastisch an: Neue Akteure suchten das Kräftevakuum zu füllen, was mit Notwendigkeit zu neuen Lokalkriegen, darunter im postsowjetischen Raum, führte.

    Anfang bis Mitte der 90er Jahre sah die Lage am schlimmsten aus. Dazu einige Statistiken: 1972 bis 1974 gab es in der Welt gleichzeitig 25 bis 30 Konflikte, 1985 bis 1986 waren es 30 bis 35 und 1992 bis 1993 schon 45 bis 50. Ab der zweiten Hälfte der 90er Jahre verminderte sich die Zahl der Konflikte stark. Doch in der jetzigen Dekade beginnt sie wieder zu steigen.

    Zudem haben sich die Aktivitäten der früheren Rivalen der UdSSR im Kalten Krieg erhöht. Die Konflikte im Persischen Golf und auf dem Balkan wären, wie zahlreiche Experten versichern, in der Zeit einer "starken UdSSR" nicht entstanden. Durch ihren Einflusss hätte sie weder Saddam Husseins Angriff gegen Kuwait und damit die Operation "Desert Storm" noch eine Einmischung von großen Mächten in den Jugoslawien-Konflikt zugelassen.

    Ende der 90er Jahre trat deutlich das Streben der Nato, vor allem der USA, zutage, die eigenen und weltweiten Probleme von der Position der Stärke aus zu lösen, wozu sie die unbestreitbare militärische Überlegenheit ausnutzten.

    Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 führte dieses US-Streben zur Invasion in Afghanistan und Irak. Das ursprünglich gesetzte Ziel - Vernichtung der Terrororganisationen und folglich auch der Rückgang der weltweiten Anschläge - wurde nicht erreicht.

    In beiden Ländern tobte ein Bürgerkrieg bei gleichzeitiger ausländischer Einmischung, die als Okkupation verstanden wurde. Sie arteten zu Brennpunkten des Terrors aus, dem vor allem friedliche Bürger zum Opfer fielen.

    Im Ergebnis bewog die erneut gestiegene Gefahr militärischer Konflikte viele Länder dazu, ihre Verteidigungsausgaben zu erhöhen, um die Ausrüstung und Gefechtsvorbereitung ihrer Streitkräfte zu verbessern. Dieser Trend erfasste alle Regionen der Welt - von Südostasien bis zu Lateinamerika.

    Neben der erhöhten Konfliktgefahr beeinflusst auch noch ein weiterer Faktor die militärischen Ausgaben: ein bedeutender Preisanstieg bei der Rüstung und Militärtechnik der jüngsten Generationen. Damit erklärt sich unter anderem auch, warum sich die Zahl von einsatzbereiten Waffen zurückgeht, obwohl die Verteidigungsausgaben wachsen.

    Der Hinweis mag genügen, dass ein modernes Jagdflugzeug 30 bis 100 Millionen Dollar und noch mehr kostet, während der Preis eines Jägers vor 25 bis 30 Jahren selten über acht bis zehn Millionen lag. Das ergibt eine große Differenz selbst bei der objektiven Verbilligung des Dollars in den vergangenen Jahren.

    Infolgedessen sehen sich die USA, die heute für die militärischen Zwecke über 600 Milliarden Dollar ausgeben, gezwungen, die Zahl der wichtigsten Rüstungen - von Flugzeugträgern bis zu Schützenpanzerwagen - allmählich zu verringern.

    Das trifft auch auf die anderen entwickelten Länder zu, einschließlich Russlands. Wie wir jedoch sehen, trägt der Rückgang der Waffen in den Arsenalen der entwickelten Länder keineswegs zu mehr Ruhe in der Welt bei.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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