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    Russland strebt WTO-Beitritt mit Zollunion an * EAWG zu gemeinsamem Kampf gegen Krise fähig? * Expansionspläne: Gazprom rudert in USA zurück * Gerichtsvollzieher wollen Vimpelcom-Anteil splitten

    MOSKAU, 10. Juni (RIA Novosti)

    Russlands Presse: Russland strebt WTO-Beitritt mit Zollunion an

    Der WTO-Beitritt Russlands als einzelner Staat ist kein Thema mehr, schreiben russische Zeitungen am Mittwoch.

    Ab 1. Januar 2010 werden die WTO-Staaten mit einer gemeinsamen Zollunion zwischen Russland, Weißrussland und Kasachstan sprechen müssen.

    "Unsere gemeinsame Priorität ist immer noch die WTO, das bestätigen wir, aber wir vertreten in der WTO schon den einheitlichen Zollraum - die Zollunion - und nicht einen einzelnen Staat", sagte Premier Wladimir Putin gestern.

    Russland verhandelt über einen WTO-Beitritt bereits seit 16 Jahren. Russische Offizielle sagten am vergangenen Donnerstag auf dem Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg klipp und klar, dass sie nicht ein siebzehntes Jahr im Vorzimmer warten wollen.

    Aber aller Wahrscheinlichkeit nach hat Russland trotz seiner warnenden Erklärung keine Garantien über die Aufnahme in die WTO bekommen.

    Moskau hoffe nicht mehr auf einen raschen WTO-Beitritt und ziehe es vor, sich über die Schaffung einer Zollunion zu einigen, sagt Fjodor Lukjanow, Chefredakteur der Zeitschrift "Russia in Global Affairs".

    Für Moskau sei diese Einigung von größerer Wichtigkeit als eine Aussicht auf den WTO-Beitritt, betont der Politologe Dmitri Badowski.

    Yaroslav Lissovolik, Chefvolkswirt der Deutschen Bank in Russland, sagt seinerseits: "Russland kann die regionale Integration nicht um eines WTO-Beitritts willen endlos aufschieben. Eine Verlängerung des Termins für den WTO-Beitritt um ein oder zwei Jahre ist ein adäquater Preis für die Aktivierung der Integrationsprozesse."

    Eine so geringe Verzögerung ist nur möglich, wenn die Länder, die früher den Beitritt Russlands, Kasachstans und Weißrusslands zur WTO bei Verhandlungen mit jedem dieser Staaten separat zugestimmt haben, ihre Aufnahme als Zollunion billigen werden. Neue Verhandlungen mit dem Drei-Staaten-Bündnis als einzelnes Zollgebiet könnten, wie Beobachter meinen, diesen Prozess um mehrere Jahre bremsen.

    "Wir werden nichts dabei gewinnen", sagt Ex-Wirtschaftsminister Jewgeni Jassin gereizt. "Das Thema des Anschlusses Russlands an die WTO ist nicht weniger politisiert und die Krise nicht die beste Zeit, negative Schritte zu tun", findet Julia Zepljajewa von Merrill Lynch.

    Alexej Portanski, Direktor des Informationsbüros für den WTO-Anschluss Russlands, hebt hervor: "Das Verhalten der Partner im Rahmen einer Zollunion muss gegenseitig vorhersagbar sein. Ich bin nicht überzeugt, dass wir in Bezug auf die weißrussische Führung diese Sicherheit haben."

    Der offizielle Standpunkt ist direkt entgegengesetzt. Der russische Vizepremier Igor Schuwalow sagte gestern: "Wir hoffen, dass dies die Zeit des Anschlusses an die WTO näherbringen wird."

    Quellen: "Gazeta.Ru" vom 09.06.09, "Wedomosti" und "Iswestija" vom 10.06.09.

    "Wedomosti": EAWG zu gemeinsamem Kampf gegen Krise fähig?

    Der von Russland, Weißrussland, Kasachstan, Kirgisien, Tadschikistan und Armenien gegründete EAWG-Fonds ist anscheinend der wichtigste Teil des Antikrisenplans, schreibt die Zeitung "Wedomosti" am Mittwoch.

    Der Fonds (von den zehn Milliarden Dollar tragen Moskau 7,5 und Astana 1,5 Milliarden bei) wird bald genutzt werden. Als Gegenleistung für die finanzielle Unterstützung werden den Teilnehmerstaaten gegenseitige Verrechnungen in Rubel und die Beseitigung der Zollschranken angeboten.

    Der restliche Teil des Plans gleicht eher einem politischen Tauschgeschäft als Wirtschaftsmaßnahmen, die zur Überwindung der Krise beitragen könnten.

    Haben die Staaten, die in dermaßen unterschiedlichen Wirtschaftsschwierigkeiten stecken, Chancen, eine gemeinsame Antikrisenpolitik auszuarbeiten? Die bunte Gruppe der Unterhändler zerfällt in zwei große Teile: Russland und Kasachstan sind Öl- und Gasexporteure, während Weißrussland, Armenien, Tadschikistan und Kirgisien die Rohstoffe importieren müssen.

    Im Unterschied zu den Rohstoff-Exporteuren waren für die übrigen Länder die Geldüberweisungen ihrer im Ausland arbeitenden Landsleute in den letzten Jahren die Hauptquelle des Wachstums.

    Laut IWF-Angaben machten 2008 die Geldüberweisungen nach Tadschikistan mehr als 50 Prozent und die nach Kirgisien 30 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus. Der größte Teil dieser Überweisungen kam aus Russland.

    Ein Fall für sich ist Weißrussland, das zwar aus Russland ebenfalls Überweisungen zahlreicher Auswanderer bekommt, aber daneben Kalidünger, Ölprodukte, Traktoren und Schwerlastwagen exportiert.

    Nach dem wirtschaftlichen Entwicklungsstand unterscheiden sich beide Ländergruppen stark voneinander: Das Pro-Kopf-BIP beträgt in Tadschikistan 795 Dollar, in Weißrussland 6233, in Kasachstan 8500, in Russland aber 11 806 Dollar. Das Einzige, was alle Mitglieder vereint, ist ihre hohe wirtschaftliche Abhängigkeit von Russland, die sich mit der Krise nur noch verstärkt hat.

    Es gelang den postsowjetischen Staaten auch früher nicht, gemeinsam zu handeln. So wird die von Russland eifrig propagierte Währungsunion stillschweigend boykottiert: Das entsprechende Abkommen der EAWG-Staaten stammt noch aus dem Jahr 2006, aber seitdem ist die Sache nicht vom Fleck gekommen.

    Es sieht so aus, dass der heutige "Antikrisenplan" nur ein Versuch ist, unter dem Vorwand des gemeinsamen Kampfes gegen die Schwierigkeiten alte Pläne wiederzubeleben. Wenn es nicht die Währungsunion ist, dann vielleicht der Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO), der sich Russland nun gemeinsam mit Weißrussland und Kasachstan anschließen möchte.

    „Kommersant“: Expansionspläne: Gazprom rudert in USA zurück

    Gazprom hat seine Ambitionen auf dem größten Erdgasmarkt in der Welt etwas zurückgeschraubt, schreibt die russische Zeitung „Kommersant“ am Mittwoch.

    Der russische Gasriese will jetzt bis 2020 einen fünf- bis zehnprozentigen Anteil am US-Markt einnehmen statt der vor drei Jahren geplanten 15 bis 20 Prozent. Doch auch dieses Vorhaben kann sich wieder ändern.

    „Der Umfang, den wir jetzt in die USA liefern, beträgt 0,5 Prozent des landesweiten Gasverbrauchs, und zusammen mit dem Gas vom Schtokmann-Vorkommen und vom Jamal-Gasfeld wird unser Anteil bis 2020 auf fünf bis zehn Prozent ansteigen“, sagte Gazprom-Vizechef Alexander Medwedew am Vortag. Er nannte auch zum ersten Mal den genauen Anteil der Schtokman-Förderung, der in die USA gehen soll: 17 Prozent.

    2008 haben die USA 658 Milliarden Kubikmeter Gas verbraucht, fast doppelt so viel wie Russland. Die Eigenförderung erreichte im letzten Jahr 607,4 Milliarden Kubikmeter. Zehn Milliarden Flüssiggas wurden importiert, die restlichen 40,6 Milliarden wurden durch Pipelines aus Kanada importiert.

    Experten äußern die Meinung, dass auch die jetzigen Prognosen von Gazprom zu optimistisch ausfallen. „Die USA haben die niedrigsten Preise und fallende Flüssiggasimporte“, sagt Michail Kortschemkin, Chef der East European Gas Analysis. „Es ist unmöglich, dort mehr als zwei Prozent einzunehmen. Flüssiggaslieferungen nach Südostasien würden höheren Profit einbringen.“

    Der Experte fügt hinzu, dass Gazprom ein Prozent des US-Markts durch Flüssiggaslieferungen von Sachalin an die Westküste des Landes erhalten könne, aber kaum dazu geneigt sein werde.

    Auf dem US-Markt gibt es selbst für billiges Flüssiggas aus Katar wenig Platz, sagt Kortschemkin. Genau deswegen habe StatoilHydro die Gaslieferungen vom Snohvit-Vorkommen nach Südostasien umgestellt.

    „Die Förderung von eigenem Schiefergas in den USA wird den Importen vorgezogen und entspricht zumal den Zielen der Energieunabhängigkeit des Staates“, sagt der Experte. „Bei Preisen in Höhe von 200 US-Dollar ist Schiefergas heute günstig, der Eigenwert fällt. Kaum wahrscheinlich, dass Gazprom das Schtokman-Flüssiggas für 200 US-Dollar je 1000 Kubikmeter verkaufen wird.“

    Maxim Schejin von Brokerkreditservice stimmt zu, dass Gazprom in der nächsten Zeit anderes zu tun haben wird als Terminals in Amerika zu bauen. Der Monopolist muss nämlich nach den Ergebnissen des ersten Halbjahres sein Investitionsprogramm deutlich kürzen. Auch Transportprojekte in Russland und Europa brauchen schleunigst Finanzierungsgelder.

    Russlands Presse: Gerichtsvollzieher wollen Vimpelcom-Anteil splitten

    Heute wird das Schicksal des 26,6-prozentigen Aktienpakets des russischen Mobilfunkbetreibers Vimpelcom entschieden, das im März von den Gerichtsvollziehern beschlagnahmt wurde.

    Wenn die norwegische Telenor als dessen Inhaber das Berufungsverfahren verliert, versprechen die Gerichtsvollzieher laut den russischen Zeitungen „RBC Daily“ und „Wedomosti“ vom Mittwoch den sofortigen Verkauf.

    Die russische Justizvollzugsdienst wartet auf das heutige Urteil des Schiedsgerichts in Tjumen zu der Berufungsklage des Inhabers des beschlagnahmten Aktienpakets. Telenor-Vertreter im Aufsichtsrat des Mobilfunkbetreibers hatten den Einstieg in den ukrainischen Markt blockiert.

    Ein Berufungsgericht in Omsk hat die Verluste, die die Telenor der Vimpelcom damit von 2004 bis 2005 zugefügt hat, auf 1,73 Milliarden US-Dollar geschätzt.

    Die Gerichtsvollzieher halten den gebündelten Verkauf der Aktien für sinnlos. Wahrscheinlich soll das Paket aufgeteilt werden, sagte gestern der erste Stellvertreter des Justizvollzugsdienstes, Sergej Sasanow.

    Beobachter schätzen den Wert der beschlagnahmten Aktien auf 3,9 bis 4,2 Milliarden Dollar ein und zeigen sich sicher, dass ihr Wert sich halbieren oder weiter fallen wird, wenn die Aktien in diesem Umfang in den freien Verkauf kommen.

    „Der Marktwert des beschlagnahmten Pakets ist höher als die notwendige Summe, doch das heißt nicht, dass der Justizvollzugsdienst auf den Verkauf verzichten wird. Wenn so viele Aktien auf den Markt geraten, kann ihr Wert um 50 Prozent oder noch mehr fallen“, sagt Analyst Wladislaw Kotschetkow von der Investitionsgesellschaft Finam.

    „Zu viele Papiere kommen auf den Markt. Somit kann der Preis mehr als um das Halbe absacken“, sagt Anton Bogatow, unabhängiger Rechtsexperte im Telekommunikationsbereich.

    Doch Andrej Bogdanow, Leiter der Abteilung für Marktkonjunkturanalyse der Gazprombank, äußert Zweifel, dass der Verkauf zustande kommt. Seiner Meinung nach hat die Telenor noch nicht alle Mittel eingesetzt.

    Vimpelcom bedient 62,7 Millionen Mobilfunknutzer in Russland und der GUS. Die Aktionäre sind Altimo mit 44 Prozent stimmberechtigter Aktien und Telenor mit 29,9 Prozent. 24,3 Prozent sind an der Börse in New York im Umlauf.

    Die Marktkapitalisierung beträgt 12,15 Milliarden US-Dollar, der Erlös 10,117 Milliarden US-Dollar, der Reingewinn 524 Millionen US-Dollar (letztere Daten von 2008 nach US GAAP).

    RIA Novosti ist für den Inhalt der Artikel aus der russischen Presse nicht verantwortlich.

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