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    Flirt mit EU: Wechselt Lukaschenko das Lager? * Russland befreit sich aus Zange der WTO * China gewinnt Rennen um turkmenisches Gas * Russland bremst vorerst totalen Total-Einstieg bei Jamal-Vorkommen

    MOSKAU, 25. Juni (RIA Novosti)

    "Gazeta.Ru": Flirt mit EU: Wechselt Lukaschenko das Lager?

    Die Gerüchte, dass Präsident Alexander Lukaschenko den Europäern die weißrussische Wirtschaft verkauft, erhöhen die Nervosität in Moskau, schreibt die Internetzeitung "Gazeta.Ru" am Mittwoch.

    Das zeugt davon, dass sich die russischen Behörden beharrlich weigern, zuzugeben, dass Weißrussland unumkehrbar einen selbstständigen Kurs genommen hat.

    Als sensationell wurde in Moskau die Nachricht aufgenommen, in Minsk habe EU-Kommissarin Benita Ferrero-Waldner Lukaschenko Kredite versprochen, die in ihrem Umfang mit den russischen vergleichbar sind. Dies allerdings unter der Bedingung, dass Lukaschenko den Verkauf der erfolgreichsten einheimischen Unternehmen, besonders von Ölraffinerien, an EU-Investoren akzeptiere.

    In Wirklichkeit gibt es keine Sensation. In Weißrussland hat sich die Nostalgie nach der UdSSR erschöpft, den propagandistischen Kernpunkt, um den sich seit beinahe 15 Jahren die Beziehungen zu Russland gruppierten, gibt es nicht mehr.

    Russische Unternehmer sind nach Ansicht Weißrusslands nichts mehr als Moskaus Agenten und werden aus Souveränitätserwägungen abgelehnt, an die sich die Gesellschaft und die Führung gewöhnt haben und die sie nicht aufzugeben beabsichtigen.

    Der Selbsterhaltungstrieb ließ Lukaschenko an die Spitze dieses Prozesses treten. Eine andere Wahl hat sein Regime eigentlich nicht. Das trifft auch für Russland zu, in Zukunft wird es nolens volens Weißrussland als einen eigenen Staat, wie etwa Finnland oder Litauen, anzuerkennen haben.

    Doch die russischen Behörden versuchen, die Geschichte zu stoppen, wozu sie die gewaltige wirtschaftliche Abhängigkeit Weißrusslands von Russland ausnutzen.

    Das Ungleichgewicht im Handel, direkte Geldspritzen, Gewinne aus dem Weiterverkauf von russischem Öl und aus dem Transit: All das läpperte sich im vorigen Jahr zu einer russischen Subvention für Minsk von zehn Milliarden Dollar zusammen. Das geschah bei einem weißrussischen Bruttoinlandsprodukt von nur 58 Milliarden Dollar (offizieller Wechselkurs).

    Es ist verständlich, dass sich Lukaschenko an die russischen Subventionen klammerte und es auch weiter tun wird. Doch die Logik des Aufbaus eines Nationalstaates wird ihn zwingen, die Wirtschaft zu beleben, sich auf kapitalistische Wege umzustellen und mit der Zeit auch den staatlichen Sektor zu privatisieren - und dabei selbstverständlich Europa um Kredite bitten.

    Aber das ist ein durch und durch weißrussisches Problem.

    Moskaus Problem dagegen ist, sich möglicht schnell des Tributs an Minsk zu entledigen. Lösbar wäre es, wenn sich die Behörden gerade damit beschäftigen und nicht versuchen würden, sich den Nachbarn unter beliebigen Vorwänden unterzuordnen.

    In dem historisch unvermeidlichen Aufbau eines weißrussischen Staatswesens sieht der Kreml aber eine Flucht ins feindliche Lager.

    "Nesawissimaja Gaseta": Russland befreit sich aus Zange der WTO

    Moskau hat die WTO-Beitrittsverhandlungen eingestellt, was nicht ohne Folgen bleiben wird, schreibt die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" am Donnerstag.

    Als die Protektionismusschranken für den Inlandsmarkt aufgehoben wurden, nutzten das die Lobbyisten sofort. Das Landwirtschaftsministerium gab eine 15-prozentige Erhöhung der Zolltarife für einzelne Importkäsesorten bekannt. Experten sind überzeugt, dass protektionistische Beschlüsse auch über weitere Warengruppen zu erwarten seien.

    Die steigenden Aktivitäten der Regierung zum Schutz des eigenen Lebensmittelmarktes vor billigen Importprodukten erklären sich mit der Absicht von Russland, Kasachstan und Weißrussland mit der WTO als Mitglieder einer Zollunion zu verhandeln.

    In Wirklichkeit sei Moskau, wie Jewgeni Iwanow, führender Experte des Instituts der Konjunktur des Agrarmarktes (Moskau), annimmt, der endlosen Schikanen und der immer neuen Bedingungen der WTO müde und das Thema zumindest um zehn bis 15 Jahre vertagt.

    In den letzten Jahren musste die Regierung für die einheimische Wirtschaft in vieler Hinsicht ungünstige Lösungen akzeptieren. "Jetzt haben wir freie Hand", sagt Iwanow, "wir können alles zum Schutz des Inlandsmarktes Notwendige tun, weil die WTO-Mitglieder jetzt mit Russland nichts anstellen können."

    Der Analyst betont: "Wenn branchengebundene Verbände jetzt den entsprechenden Ministerien und zentralen Behörden ihre Forderungen stellen, können sie mit Unterstützung rechnen."

    Der russische Konsument wird in jedem Fall die Folgen der Schutzmaßnahmen in der eigenen Geldbörse zu spüren bekommen.

    "Die Preise können steigen", bemerkt Iwanow. Ihm sekundiert Boris Frumkin, stellvertretender Leiter der Abteilung Agrarverhältnisse am Wirtschaftsinstitut der Russischen Akademie der Wissenschaften: "Ein solcher Trend ist beinahe immer zu beobachten: Ein Marktsegment wird frei, und die russischen Produzenten nutzen das in der Regel aus, um ihre Waren zu verteuern."

    Der bevorstehende Preisanstieg bei Lebensmitteln und Waren wird vor allem die Mittelschicht treffen. Die reichen Russen werden den 15-prozentigen Preisanstieg bei dem oben genannten Käse praktisch nicht bemerken, ebenso wie die Bevölkerungsschichten mit niedrigem Einkommen, weil sie schon längst auf Importkäse verzichten.

    Somit werde, so Frumkin, gerade die Mittelklasse die staatliche Unterstützung für die einheimischen Käsereien bezahlen.

    "Kommersant": China gewinnt Rennen um turkmenisches Gas

    Im Ringen um das turkmenische Gas hat Russland eine weitere Niederlage einstecken müssen, schreibt die russische Zeitung "Kommersant" am Donnerstag.

    Gestern unterzeichneten der turkmenische Präsident Gurbanguly Berdymuchamedow und der chinesische Vize-Premier Li Keqiang ein Paket mit sieben Abkommen, das der Gas-Allianz von Peking und Aschchabad mehr Kontur gibt.

    China wird Turkmenien drei Milliarden Dollar für die Erschließung des landesgrößten und weltweit viertgrößten Gasvorkommens namens Süd-Iolotan überlassen. Dieses Gas soll über eine Pipeline, die noch in diesem Jahr in Betrieb gesetzt wird, nach China gelangen.

    Laut Schätzung der britischen Beraterfirma Gaffney, Cline & Associates betragen die prognostizierten Vorräte von Süd-Iolotan 4,7 bis 14 Billionen Kubikmeter, was mit dem russischen Schtokman-Vorkommen vergleichbar ist.

    Um den Zugang zu turkmenischem Gas kämpfen viele Staaten. Doch das russische Monopol trat im April in Konflikt mit Turkmenien, als es das verteuerte turkmenische Gas nicht mehr kaufte. Vor wenigen Tagen teilte Russlands Vize-Premier Igor Setschin mit, die Verhandlungen über die Preisformel für turkmenisches Gas würden erst nächste Woche beginnen.

    Die EU, der es um eine Ressourcenbasis für die geplante Nabucco-Pipeline geht, hat ebenfalls keine sonderlichen Erfolge erzielt, weil sie als die Bedingung die Transparenz der Verteilung der Gasgewinne in Turkmenien verlangte.

    Das war für Aschchabad unannehmbar. Daraufhin begab sich Außenminister Raschid Meredow überraschend in die USA, wo er am 23. Juni mit seiner amerikanischen Amtskollegin Hillary Clinton hätte verhandeln sollen, doch das Treffen fand nicht statt - laut offizieller Version - wegen einer Verletzung  von Hillary Clinton nach einem Sturz.

    Wie Quellen aus dem chinesischen Staatsrat erzählen, hätte Vize-Premier Li Keqiang schon im Frühjahr nach Turkmenien kommen sollen, doch sei der Besuch aufgeschoben worden. Aschchabad wollte partout keine klaren Verpflichtungen bezüglich der Gaslieferungen übernehmen. Unter den heutigen Umständen aber blieb Turkmenien kein anderer Ausweg als die Unterzeichnung der Abkommen mit Peking.

    Chinas Behörden rechnen damit, dass Gas nach Inbetriebsetzung des Vorkommens Süd-Iolotan durch die Pipeline Turkmenien - China (via Usbekistan und Kasachstan) kommen werde. Die Bauarbeiten beschleunigen sich, die Inbetriebnahme soll noch vor Jahresende erfolgen.

    Die Leistung des Rohrs soll anfangs 30 Milliarden Kubikmeter betragen und später auf 40 Milliarden erhöht werden. Zum Vergleich: Die geplante Leistung der Nabucco-Leitung soll jährlich 31 Milliarden Kubikmeter ausmachen und auch das erst gegen 2019.

    Russlands Presse: Russland bremst vorerst totalen Total-Einstieg bei Jamal-Vorkommen

    Gestern haben Total und Novatec im Beisein von Premier Wladimir Putin die gemeinsame Erschließung eines russischen Gasvorkommens beschlossen. Darüber schreiben russische Zeitungen am Donnerstag

    Aber der französische Konzern konnte nur Zugang zu dem relativ kleinen Vorkommen Termokarstowoje bekommen. Über die großen Vorkommen auf der Jamal-Halbinsel und die Flüssiggasprojekte werden erst Verhandlungen geführt, und dabei nicht mit Novatec, dem größten unabhängigen Gasproduzenten Russlands, sondern mit Gazprom.

    Das Termokarstowoje-Vorkommen liegt im Krasnoselkup-Rayon des Autonomen Bezirks der Jamal-Nenzen. Seine Vorräte (ABC1+C2) betragen 47,3 Milliarden Kubikmeter Gas und 10,3 Millionen Tonnen flüssige fossile Rohstoffe. Gemäß der internationalen Klassifikation betragen die Gasreserven 24 Milliarden Kubikmeter (85 Prozent davon ausgewiesen). Die Förderung soll 2015 beginnen und sich auf 2,7 Milliarden Kubikmeter Gas und 600 000 Tonnen Gaskondensat im Jahr belaufen.

    Total kauft Novatec den 49-prozentigen Anteil am Unternehmen Terneftegas ab, das die Lizenz auf das Vorkommen besitzt. Über die Summe des Deals vereinbarten die Seiten Stillschweigen. "Das ist ein gutes und großes Projekt", lobte Putin: Die Gesamtinvestitionen würden auf 900 Millionen Dollar, im ersten Stadium auf 20 Millionen Dollar geschätzt.

    Falls es ernsthaft zu diesen Projektausgaben kommen sollte, so erscheint die Rentabilität recht zweifelhaft, wenn jährlich 1,5 Milliarden Kubikmeter Gas nicht vor 2014 und 500 000 bis 600 000 Tonnen Gaskondensat erst ab 2011 gewonnen werden, wobei noch die entsprechende Infrastruktur fehlt.

    Valeri Nesterow von Troika Dialog schätzt den Anteil von Total am Termokarstowoje-Vorkommen auf 150 Millionen Dollar. Er ist überzeugt, dass sich die Kooperation nicht auf dieses Projekt beschränken werde.

    "Ich glaube, Total wurde angedeutet, dass sie auch an den Jamal-Projekten teilnehmen könne, sowohl mit Gazprom als auch mit Novatec, darunter bei der Erschließung des Juschno-Tambejskoje-Vorkommens", erläuterte der Analyst. "Offensichtlich ist jedoch, dass das Flüssiggas-Projekt auf Jamal erst nach Schtokman kommen wird. Die Nachfrage nach Flüssiggas ist nicht klar und die Verwirklichung beider Projekte könnte zur Konkurrenz führen."

    Wie Denis Borissow von der Investmentgesellschaft Solid hinzufügt, hat Total gute Erfahrungen mit Flüssiggas, während russische Unternehmen technologisch nicht in der Lage sind, solche Projekte allein umzusetzen.

    Es ist nicht auszuschließen, dass die Franzosen immer noch auf einen Anteil an Novatec rechnen. Dieses hat mit dem Aufkommen solcher Aktionäre wie Gazprom (19,4 Prozent) und die Firmen des Putin nahe stehenden Unternehmers Gennadi Timtschenko (18,3 Prozent) ganz gute Aussichten auf weitere Geschäfte.

    Quellen: "Wremja Nowostej", "Kommersant", "Wedomosti" vom 25.06.09.

    RIA Novosti ist für den Inhalt der Artikel aus der russischen Presse nicht verantwortlich.

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