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    Streit um Streichpläne: Wie viel Panzer braucht Russland?

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    MOSKAU, 03. Juli (Ilja Kramnik, RIA Novosti). Die Militärreform in Russland hat für allerlei kontroverse Debatten gesorgt.

    Vor allem wird darum gestritten, wie die künftige Gliederung, die sich radikal verändern soll, aussehen wird.

    Zu solchen Veränderungen wird auch eine beträchtliche Reduzierung der Panzertruppen gehören. Einige Medienberichte darüber haben höchst unterschiedliche bis panische Kommentare ausgelöst.

    Meldungen der Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf eine nicht genannte Quelle im russischen Verteidigungsministerium berichten über eine geplante Kürzung der Panzertruppen auf weniger als ein Zehntel: von mehr als 20 000 bis auf 2000, was eine heftige Diskussion über die sensationelle Neuigkeit losgetreten hat.

    Aber bei einer aufmerksameren Betrachtung der Situation verflüchtigt sich der Anflug einer Sensation. Es besteht tatsächlich der Plan, im Zuge der Reform die Panzertruppen bedeutend zu reduzieren und neu zu gliedern. Doch von einer zehnfachen Verringerung kann keine Rede sein.

    Gegenwärtig zählt die russische Armee tatsächlich über ca. 22 000 Panzer. Doch ein beträchtlicher Teil davon - über 15 000 - befindet sich in den Depots, so dass die Kampfeinheiten über etwas mehr als 6000 Panzer verfügen. Hierbei entfallen auf die Truppenteile und Einheiten der ständigen Bereitschaft laut diversen Schätzungen ungefähr 1000 bis 1500 Panzer.

    In den nächsten zehn Jahren muss nach Maßgabe dessen, wie die Bataillone und Brigaden den Kern der neuen Armee bilden werden, die Zahl der Panzer in den Kampfeinheiten auf 2000 bis 2300 Standardpanzer zurückgehen, wobei diese als ständige Bereitschaftstruppen geführt werden (folglich wird die Zahl der gefechtsbereiten Panzer sogar wachsen).

    Außerdem werden sich weitere mehrere Hundert Panzer in den Ausbildungstruppen befinden und noch 3000 bis 4000 Stück auf Lager sein, was eine zahlenmäßige Gesamtstärke der Panzertruppen von 6000 bis 7000 Standardpanzer ergibt.

    Reduziert wird demnach nicht auf ein Zehntel, sondern höchstens auf ein Drittel. Mehrere Fragen bleiben jedoch bestehen, darunter: Welche Panzer werden das sein? Wie groß wird der quantitative und qualitative Abstand zwischen Russland und seinen potenziellen Gegnern sein? Wie wird sich die Reform im Endergebnis auf die Verteidigungsfähigkeit des Landes auswirken?

    Die Antwort auf die erste Frage geht aus der gegenwärtigen Situation in der russischen Industrie hervor. Zurzeit wird für die russische Armee der Standardpanzer T-90 produziert, der auf Basis des sowjetischen T-72 entwickelt wurde. Gleichzeitig läuft ein Programm zur Modernisierung der T-72-Panzer, um den heutigen Anforderungen zu entsprechen. Die T-64- und T-80-Panzer, die zahlreiche Zulieferteile aus den ukrainischen Werken erfordern, rollen somit "ins Aus".

    Im Ergebnis werden T-72 und sein Nachfolger T-90 automatisch den Kern der Panzertruppen bilden. In den nächsten zwei bis drei Jahren könnte der neue T-95-Panzer in die Produktion gehen; seine Präsentation ist schon für dieses Jahr geplant.

    Am wichtigsten ist jedoch die zweite Frage: Wie werden Russlands Panzertruppen neben denen der Nachbarstaaten aussehen? Bei der Antwort muss betont werden, dass der Trend zur Verminderung der Panzerzahl in den Kampfeinheiten keineswegs nur für die russische Armee charakteristisch ist. Nahezu alle großen Staaten planen, ihre Panzertruppen auf einen Bruchteil der früheren Zahl zu vermindern.

    So werden die Nato-Truppen in Europa Ende des kommenden Jahrzehnts laut verschiedenen Schätzungen etwa 2000 Panzer und ungefähr ebensoviele auf Lager haben.

    Ferner darf nicht vergessen werden, dass Russland im Osten an China grenzt, das bis 2020 ungefähr 4000 bis 5000 Panzer in den Truppenteilen haben wird, davon ebenfalls etwa 2000 moderne Modelle. Russland wird also in der zahlenmäßigen Stärke der Panzertruppen seinen mächtigsten Nachbarn - der Nato und China - nachstehen.

    Doch ist ein Konflikt Russlands mit China oder mit dem gesamten Nato-Block auf einmal erstens wenig wahrscheinlich, und zweitens wäre ein solcher Krieg ohnehin atomar. In diesem hypothetischen Krieg wird die zahlenmäßige Stärke der Panzertruppen im Grunde belanglos sein.

    Inzwischen aber sichern die gewaltige Feuerkraft, die Mobilität und schwere Panzerung dem Panzer immer noch den Titel des "Königs des Gefechtsfeldes", obwohl Panzerabwehrwaffen ständig perfektioniert werden. Auch in lokalen Konflikten bleibt der Panzer unersetzlich, weil er den Bodentruppenteilen und -verbänden Flexibilität, Mobilität und Schlagkraft sichert.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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