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    Russlands Wirtschaft steht und fällt mit dem Ölpreis

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    MOSKAU, 16. Juli (Oleg Mitjajew, RIA Novosti). Die Regierung in Moskau hat am 13. Juli eine Basisprognose zur sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung Russlands in den Jahren von 2010 bis 2012 abgegeben.

    Sie rechnet mit einer reibungslosen Überwindung der Krise, wenn der Preis für das russische Exportöl Urals im kommenden Jahr 55 Dollar pro Barrel betragen wird. Wenn aber der Urals-Preis 2010 im Durchschnitt 60 Dollar pro Barrel erreicht, erwartet die Regierung eine schnellere Belebung von Russlands Wirtschaft.

    Das Ölkartell OPEC hatte am 14. Juli prognostiziert, dass im kommenden Jahr die Ölnachfrage und folglich auch die Ölpreise steigen würden.

    Laut OPEC soll die Nachfrage im nächsten Jahr um täglich 0,5 Millionen Barrel - bis 84,34 Millionen Barrel am Tag - zunehmen. Das ist natürlich weit weniger als in den fünf Vorkrisenjahren, als die Ölnachfrage jedes Jahr um 1,6 Millionen Barrel täglich stieg.

    Trotzdem ist die Prognose viel besser als der von der OPEC aufgrund der Ergebnisse von 2009 erwartete weltweite Rückgang des Ölverbrauchs um täglich 1,6 Millionen Barrel.

    Wichtig ist darüber hinaus, dass die angenommene Zunahme des Ölverbrauchs von der OPEC selbst vorausgesagt wird, die solche Prognosen gemeinhin nur sehr ungern veröffentlicht.

    Die Sache ist die, dass die OPEC die Weltölpreise durch Quoten stützt, die die Ölförderung bei den Kartellstaaten beschränken. Eine prognostizierte Zunahme des Ölverbrauchs ist aber ein Argument zugunsten der Erhöhung der Gewinnung, was die Rohstoffimporteure von der OPEC beharrlich fordern.

    Die Internationale Energiebehörde IEA, die die Interessen der Öl importierenden Industrieländer vertritt, hat bereits in der Vergangenheit den Verbrauchsanstieg im kommenden Jahr - um täglich 1,4 Millionen Barrel - vorausgesagt.

    Die jüngste Ölprognose der OPEC beruht auf den meisten jüngsten ökonomischen Schätzungen, wonach die Weltwirtschaft nach der Rezession von 2009 im nächsten Jahr wachsen und mehr Öl verbrauchen werde.

    Das Wirtschaftswachstum in der Welt soll 2010 hauptsächlich dank China und Indien erreicht werden. Deshalb rechnet die OPEC damit, dass der globale Anstieg des Ölverbrauchs von den beiden weltgrößten Entwicklungswirtschaften verursacht werde. In den Industrieländern dagegen werde sich die Ölnachfrage laut OPEC-Prognose bestenfalls wiederherstellen.

    Die OPEC spricht zwar von der künftigen Zunahme der Nachfrage nach dem "schwarzen Gold", präzisiert jedoch nicht, wie die Preise steigen werden, obwohl sie offenkundig damit rechnet. Mit den Preisprognosen befassen sich Großinvestoren, die sich mit Öltermingeschäften beschäftigen.

    In dieser Woche haben die Weltölpreise, darunter für das russische Urals, erneut die Grenze von 60 Dollar je Barrel überschritten. Gemäß der jüngsten Prognose der amerikanischen Bank Goldman Sachs, die üblicherweise mit größtem Optimismus Ölpreise prognostiziert, werde das amerikanische WTI-Öl im kommenden Jahr durchschnittlich 90 Dollar je Barrel kosten.

    Die US-Bank Morgan Stanley hat vor kurzem ihre Ölprognose nach oben korrigiert: von 65 auf 85 Dollar pro Barrel WTI-Öl im kommenden Jahr. Nach Ansicht der Analysten dieser Bank würden die Rohstoffpreise im nächsten Jahr zu steigen beginnen, weil sich die Risikobereitschaft der Investoren zusammen mit der Weltwirtschaft wiederherstelle.

    Die zurzeit konservativste Prognose kommt von der Deutschen Bank: 55 Dollar je Barrel WTI im kommenden Jahr. Dieser Preis für die Ölsorte Urals liegt nur der mäßig optimistischen Basisprognose der russischen Regierung für das nächste Jahr zugrunde. Doch Urals wird in der Regel mit einem Zinsabzug gegenüber WTI gehandelt.

    Zugleich liegen Prognosen vor, denen zufolge sich die Weltwirtschaft auf abrupte Ölpreisschwankungen gefasst machen müsse. Die französische Bank BNP Paribas sagt etwa voraus, dass ein Barrel WTI im August auf 45 Dollar abstürzen, dann aber wieder bis auf 60 Dollar steigen werde.

    Falls es dazu kommt, werden solche Schwankungen für die russische Wirtschaft sehr kritisch sein. Ein Absturz der Ölpreise würde den Devisenzustrom nach Russland verengen und einen wesentlichen Abfall des Rubelkurses verursachen.

    Übrigens schließen die Finanzmächtigen in Russland, nach den jüngsten Äußerungen ihrer Vertreter zu urteilen, eine solche Entwicklung nicht aus.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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