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    Irakische Kurden zufrieden mit Status quo

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    MOSKAU, 24. Juli (Andrej Murtasin, RIA Novosti). Am Samstag wird in Irakisch-Kurdistan ein neues Regionalparlament gewählt.

    Das kurdische Parlament im Irak entstand erst im Jahr 1992, dennoch fanden die Wahlen wegen der ungünstigen innen- und außenpolitischen Lage nur zweimal statt: im Entstehungsjahr und 2005.

    Heute haben die irakischen Kurden nur zwei charismatische Persönlichkeiten, die die Weltpolitik beeinflussen. Es sind der 76-jährige Jalal Talabani, derzeitiger Präsident von Irak und Vorsitzender der Patriotischen Union Kurdistans, sowie sein Hauptkonkurrent, der 63-jährige Massud Barzani, Vorsitzender der Demokratischen Partei von Kurdistan und Chef der autonomen Region Kurdistan, die geographisch drei Nordprovinzen im Irak - Erbil, Dohuk und Suleimaniya - umfasst.

    Den beiden Politikern gehören beinahe zu gleichen Teilen 80 der 111 Sitze in dem Regionalparlament. Die übrigen Mandate entfallen auf kleine Parteien und Bewegungen. Es wäre zwar verfrüht, vom Wahlausgang zu sprechen, dennoch werden keine Überraschungen erwartet: Die Favoriten bleiben Favoriten, und die Kräftekonstellation wird sich wohl kaum verändern.

    Heute streben die irakischen Kurden nicht danach, sich von der Zentralregierung in Bagdad loszutrennen. Eigentlich brauchen sie keine Unabhängigkeit, zumal einer der kurdischen Leader Iraks Präsident ist.

    Die Lage der Kurden im Irak ist heute viel besser als die ihrer Brüder in der Türkei, in Iran oder Syrien. Die Kurden haben Saddam Husseins Genozid-Politik überlebt (während seiner Herrschaft wurden laut Talabani 200 000 Menschen getötet) und sind nicht mehr Verfolgte, sondern die zweitwichtigste politische Kraft im Irak nach den Schiiten.

    Der Lebensstandard in Irakisch-Kurdistan ist unvergleichlich höher als in den anderen Provinzen des Iraks. Nach der "Desert Storm"-Operation von 1991 wurde Kurdistan zu einer Art "Staat im Staat", auf den sich Bagdads Jurisdiktion nur formal erstreckte.

    Der gestürzte Saddam Hussein befolgte die Resolution 688 des UN-Sicherheitsrates, die die Präsenz der irakischen Truppen und die Flüge irakischer Kampfflugzeuge über dem kurdischen Territorium verbot. Mittlerweile trieben die irakischen Kurden einen schwungvollen Handel mit den Nachbarstaaten Türkei und Iran, was ihnen einen erträglichen Lebensstandard sicherte.

    Vom geopolitischen Standpunkt aus waren und bleiben die irakischen Kurden treue Verbündete Washingtons. Das nicht nur deshalb, weil sie ihre Befreiung vom blutrünstigen Diktator gerade den Vereinigten Staaten verdanken. Sondern vielmehr deshalb, weil die Amerikaner nicht die kurdische politische Elite zu "demokratisieren" versuchten und die Legitimität der beiden führenden kurdischen Parteien und ihrer Führer anerkannten.

    Heute besteht das Problem Nummer eins für die Kurden darin, das politische Gleichgewicht im Irak zu erhalten und keinen Bruderkrieg um den Einfluss in Kurdistan zu beginnen, wie das in den Zeiten Saddam Husseins und auch vor ihm mehrmals geschah.

    Der Grund eines solchen Krieges könnte das Erdöl der an Kurdistan grenzenden Provinz Kirkuk werden, auf welches sowohl Kurdenchef Barzani als auch das "Zentrum" in Bagdad in Person des Premiers Nuri Al-Maliki Anspruch erheben.

    Es liegt jedoch nicht im Interesse Barzanis und Talabanis, miteinander und mit den in Bagdad regierenden schiitischen Parteien auf Konfrontation zu gehen.

    Barzani strebt danach, mit ausländischen Partnern direkt Ölverträge abzuschließen, wogegen Al-Maliki kategorisch auftritt.

    Das gegenwärtige kurdische Tandem Barzani/Talabani passt nicht nur den Amerikanern, sondern auch den regionalen Nachbarn Türkei, Iran und Syrien. Die Türkei hat von der irakischen Seite nahezu freie Hand im Kampf gegen die Vertreter der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) bekommen, die sich in den gebirgigen Grenzgebieten festgesetzt haben.

    Was PKK-Führer Abdullah Oecalan betrifft, so büßt er seine lebenslange Haft in einem türkischen Gefängnis ab.

    Teheran spielt sein eigenes Spiel, möchte jedoch die Situation ebenfalls nicht ins Wanken bringen. An der Grenze zwischen Kurdistan und Iran besteht ein Stützpunkt der kleinen radikalen Islamistengruppierung "Ansar al-Islam", der Kämpfer aus Afghanistan und arabischen Staaten sowie ethnische Kurden angehören.

    Ihr Ziel ist die "Bildung eines islamischen Staates" und die "Vertreibung der amerikanischen Okkupanten" aus Kurdistan. Die Gruppierung begann ihre Akivitäten 2003 in Kurdistan während der US-Invasion im Irak, doch 2005 vertrieben kurdische Einheiten die Fundamentalisten nach Iran, wo sie sich verborgen halten und auf ihre Stunde warten.

    Im Unterschied zu Ankara und Teheran unternimmt Syrien keinerlei Handlungen gegen die irakischen Kurden. Damaskaus gefällt der heutige Status quo. Zudem haben die syrischen Kurden nie laut eine Autonomie für sich verlangt oder sich der Politik Syriens widersetzt.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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