15:21 15 Oktober 2018
SNA Radio
    Meinungen

    Schlechtes Klima vor Gipfel in Kopenhagen

    Meinungen
    Zum Kurzlink
    Klimakonferenz in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen (44)
    0 02

    Bis zum UN-Klima-Gipfel in Kopenhagen (7. - 18. Dezember) bleibt ein Monat.

    MOSKAU, 10. November (Andrej Fedjaschin, RIA Novosti). Bis zum UN-Klima-Gipfel in Kopenhagen (7. - 18. Dezember) bleibt ein Monat.

    Aber führende Experten haben bereits damit aufgehört, die Tage zu zählen: Es hat keinen Sinn. Die letzten Hoffnungen, dass in der dänischen Hauptstadt etwas Konkreteres als abermalige Versprechungen, sich mit dem Klima zu beschäftigen, fixiert sein werde, haben sich endgültig verflüchtigt.

    Am 5. November haben die Amerikaner eindeutig zu verstehen gegeben, dass sie zum Gipfel in Kopenhagen nicht bereit seien; Peking hat erklärt, die heutigen Prinzipien der Verantwortungsteilung bei der Umweltverschmutzung nicht überzeugen würden; die afrikanischen Staaten gar haben aus Protest gegen das westliche Herangehen an die Klimaprobleme die im November in Barcelona durchgeführte Klimakonferenz boykottiert. Es handelte sich um das letzte Klima-Treffen vor Kopenhagen.

    Es galt, sich in Kopenhagen über das "Instrumentarium", die Medikamentendosen, die Diät und die Methoden zur Gewichtsabnahme und zur Entschlackung des Organismus zu einigen. Die Gesundung selbst sollte im Grunde nicht vor 2020 eintreten. Es wurden nur die entsprechenden Vorbereitungen getroffen.

    Kopenhagen sollte in diesem Prozess zur wichtigsten, zur "verpflichtenden Etappe" (so steht es im UN-Dokument) werden. Sozusagen zu dem, wie es in der Luftfahrt heißt, Grenzpunkt des Aktionsradius, nach dem es gilt, entweder umzukehren oder sich auf große Unannehmlichkeiten gefasst zu machen.

    In Washington hat der "Klimawandelbeauftragte" des Außenministeriums, Botschafter Todd Stern, erklärt, die USA würden es bis Kopenhagen zeitlich nicht schaffen, alle notwendigen legislativen Prozeduren für die Bestimmung der Reduzierungsmengen bei den Schadstoffemissionen zu Ende zu führen.

    Seinen Worten zufolge kann der Klimavertrag nicht vor 2010 zustande kommen. Und das sei vielleicht sogar besser so, sagte Stern: Die USA, China und alle übrigen Staaten würden sich besser vorbereiten können.

    Wir wollen kurz daran erinnern, was die Kopenhagener Klimakonferenz eigentlich darstellt.

    In diesem Jahr wird es bereits die 15. Konferenz der Teilnehmer an der UN-Rahmenkonvention zum Klimawandel sein. Eigentlich müsste sie endlich ein Dokument vereinbaren, welches das Kyoto-Protokoll von 1997 ablösen soll.

    Dieses ist bis 2012 gültig, wobei die "Gültigkeit" ziemlich bedingt ist. Die USA haben das Protokoll unterzeichnet, seine Umsetzung jedoch verweigert; China und Indien haben keine Verpflichtungen über die Einschränkung der Emission von CO2 oder Methan und sonstigen Schadstoffen übernommen.

    Kyoto konnte keineswegs als weltweites Regime der Kontrolle über schädliche industrielle Emissionen in die Atmosphäre angesprochen werden, obwohl sich Europa daran hielt. Russland hat das Protokoll von 2005 unterzeichnet und ratifiziert, aber bisher nicht in Kraft gesetzt.

    Der größte Unterschied des erwarteten Kopenhagener Protokolls von dem von Kyoto ist die Aufgabe, die konkrete Obergrenze der Klimaerwärmung auf der Erde und die Maßnahmen zur Einhaltung dieser Obergrenze zu bestimmen. Die 124 Staaten, die das Kyoto-Protokoll unterzeichnet haben und es erfüllen, haben sich schon darauf geeinigt, dass die Obergrenze 2050 im Durchschnitt nicht über zwei Grad liegen darf.

    Wie die Amerikaner behaupten, hätten sie schon präzedenzlose Verpflichtungen (laut dem noch nicht verabschiedeten Gesetz) übernommen. Die USA beabsichtigen tatsächlich, bis 2020 die Kohlenwasserstoff-Emission um 20 Prozent einzuschränken. Dieselbe Verpflichtung hat auch die EU übernommen.

    Doch der Trick ist, dass in Amerika als Bezugspunkt der Stand von 2005, in Europa aber der von 1990 gilt. Die einfachste Arithmetik zeigt, dass die USA bei einer solchen Einschränkung ihre Emissionen im Vergleich mit Europa lediglich um sieben Prozent senken würden.

    Eine weitere heikle Frage im Vorfeld der Kopenhagener Konferenz ist die Entschädigung für die Entwicklungsländer. Der Westen (EU, USA, Japan) ist bereit, der Dritten Welt bis zu jährlich 100 Milliarden Dollar bereitzustellen.

    Das Geld ist dafür bestimmt, neue, energieeinsparende Produktionstechnologien einzuführen, "grüne" E-Werke zu bauen, die Abhängigkeit von Kohle und Masut zu vermindern u. a. Doch laut Berechnungen unabhängiger Experten brauchen Asien, Afrika und Lateinamerika zur Erreichung des erforderlichen Entwicklungstempos das Vierfache, etwa 400 Milliarden Dollar im Jahr.

    Die meisten Wissenschaftler behaupten: Wegen der Kumulation von CO2, CH4, Hydrofluor-Kohlenwasserstoffen, Perfluor-Kohlenwasserstoffen, N2O, SF6, Methan und sonstigem in der Atmosphäre sei die heutige Verschmutzung auf unser Verhalten seit zehn bis 15 Jahren zurückzuführen.

    Der Aufschub von verpflichtenden Vereinbarungen in Kopenhagen wird eine solche Kumulation nur noch steigern.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Themen:
    Klimakonferenz in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen (44)