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    Ärger um Raketendeal: Russland lässt Iran zappeln * Gazprom spinnt Pipelinenetz in Europa weiter * Russischer Geheimdienst erwartet US-Raketenlieferung an Georgien * Krise als letzte Rettungschance für AvtoVAZ

    MOSKAU, 10. November (RIA Novosti). Ärger um Raketendeal: Russland lässt Iran zappeln * Gazprom spinnt Pipelinenetz in Europa weiter * Russischer Geheimdienst erwartet US-Raketenlieferung an Georgien * Krise als letzte Rettungschance für AvtoVAZ

    "Nesawissimaja Gaseta": Ärger um Raketendeal: Russland lässt Iran zappeln

    Ein einflussreicher iranischer Parlamentarier hat Russland scharf kritisiert, weil es den vor zwei Jahren geschlossenen Vertrag über die Lieferung der Luftabwehrraketensysteme S-300 nicht erfülle, schreibt die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" am Dienstag.

    In der Islamischen Republik wird warnend darauf hingewiesen, dass sich die Vertragsverletzung auf die zweiseitigen Beziehungen negativ auswirken werde.

    Gestern zitierte die regierungstreue "Teheran Times" folgende Erklärung von Alaeddin Boroujerdi, Vorsitzender des iranischen Parlamentsausschusses für nationale Sicherheit: "Die Russen haben in der Nichteinlösung ihrer Versprechen ein neues Kapitel eröffnet. Unsere Zusammenarbeit mit Russland ist umfangreich. Wenn sie ihren Vertrag nicht erfüllen, wird das einen Schatten auf die zweiseitigen Beziehungen werfen."

    Der Vertrag über die Lieferung von S-300-Systeme wurde 2007 unterzeichnet, doch Moskau hat den Deal bislang nicht in Kraft treten lassen. Deshalb habe die iranische Seite keine Zahlungen geleistet, teilte eine Quelle in den russischen Behörden mit.

    Wie kann Iran Russland die Nichtlieferung von S-300 vergelten? "In unseren Beziehungen zu Iran gibt es zurzeit keine signifikanten Großobjekte der Zusammenarbeit, die Russlands Ruf auf dem internationalen Markt beeinflussen könnten", sagt Nina Mamedowa, Iran-Expertin am Institut für Orientalistik der Russischen Akademie der Wissenschaften. "Es wird routinegemäß an der Erweiterung der Handelsbeziehungen gearbeitet."

    Doch sei Teheran für Moskau ein wichtiger geopolitischer Partner in der Region, betont die Expertin. Deshalb würde eine Abschwächung der politischen Kontakte, falls sich Teheran dazu entschließe, Moskau weit mehr schaden als eine Einschränkung des Handels. Hierbei dürfe nicht vergessen werden, setzt Mamedowa fort, dass die Wirtschaftsbeziehungen Russlands zum Westen viel gewichtiger seien als die zu Iran.

    Es ist nicht ausgeschlossen, dass die S-300-Raketen von jenen politischen Kräften in Iran thematisiert werden, die für innenpolitische Zwecke nach einem Feindbild suchen. Außerdem könnten jene Leute die russische Karte ausspielen wollen, die die Versuche einer Normalisierung der Beziehungen zwischen Teheran und Washington unterstützen.

    Es könnte sich um eine Erpressung, ein "Nullsummen-Spiel" handeln: Wenn Russland Iran nicht unterstütze, wird die Islamische Republik sich mit Washington anzufreunden versuchen, um Russland eins auszuwischen.

    Wie dem auch sein mag, es ist klar, dass es für Russland politisch ungünstig wäre, die S-300-Raketen jetzt an Iran zu liefern, da Teheran den Vorschlägen der internationalen Gemeinschaft zu dessen Nuklearprogramm nach wie vor nicht entgegenkommt.

    „Kommersant": Gazprom spinnt Pipelinenetz in Europa weiter

    Russland und Slowenien sollen am 14. November ein Regierungsabkommen über den Bau der Gasleitung South Stream unterzeichnen. Das kündigte die russische Tageszeitung „Kommersant" am Dienstag an.

    Durch Slowenien soll South-Stream-Gas durch Serbien nach Norditalien fließen. Wenn sich diesem Projekt auch Österreich anschließt - was gerade heute auf höchster Ebene besprochen wird - dann wird South Stream mit der Kapazität von 63 Milliarden Kubikmeter Europa von drei Seiten umfassen.

    Die Ministerpräsidenten Russlands und Sloweniens, Wladimir Putin und Borut Pahor, sollen ein Dokument unterzeichnen, das den Bau einer neuen Pipeline auf slowenischem Territorium vorsehe, bestätigte ein Sprecher der russischen Regierung.

    „Slowenien bietet uns keine Steuervergünstigungen, weil es seine Entscheidung durch die Normen der Europäischen Union begründet", betonte er. Bei Gazprom bestätigte man ebenfalls die Absicht zur Bildung eines paritätischen Joint Ventures in Slowenien für den Bau eines Pipelineabzweiges mit einer Kapazität von mehr als zehn Milliarden Kubikmeter.

    Der Generaldirektor des Instituts für Nationale Energiewirtschaft, Sergej Prawossudow, verwies in diesem Kontext darauf, dass Gazprom nach dem Beitritt Sloweniens zum South-Stream-Projekt nur noch die Unterzeichung des letzten Abkommens bevorstehe, und zwar mit Österreich, dem Hauptinitiator des Konkurrenzprojekts Nabucco.

    Der Experte bezweifelte allerdings, dass Wien auf die Teilnahme an South Stream verzichten würde, da die Perspektiven von Nabucco noch ziemlich unklar bleiben, nachdem die USA das jüngste Abkommen zwischen dem Iran und der Türkei über den Gasexport vom Vorkommen Südpars kritisch bewertet haben.

    Der Leiter der Beratungsfirma East European Gas Analysis, Michail Kortschemkin, wies seinerseits darauf hin, dass sich die Beziehungen zwischen Gazprom und dem österreichischen Konzern ÖMV noch im Januar 2008, gleich nach der Unterzeichnung eines Kooperationsabkommens, angespannt hatten.

    Bereits wenige Tage später weigerte sich nämlich der russische Monopolist, das Gas an Händler zu verkaufen, die sich Kapazitäten an der Trans Austria Gasleitung  reserviert hatten. Nach Auffassung Kortschemkins haben Gazprom und ÖMV „den österreichischen Binnenmarkt einfach nicht teilen können."

    Am Montag hatte ein Gazprom-Sprecher präzisiert, dass die Verhandlungen weiter gehen. Sie können allerdings von Präsident Dmitri Medwedew und Premier Wladimir Putin beschleunigt werden, denen heute in Moskau ein Treffen mit dem österreichischen Bundeskanzler Werner Faymann bevorsteht.

    Einem Kreml-Insider zufolge kann die Umsetzung des South Stream-Projekts zu einer der strategischen Richtungen der russisch-österreichischen Kooperation werden. Er berichtete, dass die Seiten zurzeit an einem Regierungsabkommen über den gemeinsamen Bau des österreichischen Pipelineabschnitts arbeiten.

    In Gazprom beteuerte man allerdings, dass „unsererseits keine Unterzeichnung von Dokumenten auf dem Plan steht."

    Presse: Russischer Geheimdienst erwartet US-Raketenlieferung an Georgien

    Laut Angaben anonymer Quellen in den russischen Geheimdiensten wollen die USA Georgien eine Waffenpartie liefern, berichten russische Zeitungen am Dienstag.

    Zu den Waffen gehören das Luftabwehrraketensystem Patriot-3 sowie tragbare Luftabwehrraketen Stinger. Der Gesamtwert der Lieferungen kann 100 Millionen Dollar erreichen.

    Russische Militärexperten haben wiederholt darauf verwiesen, dass Georgien nach Möglichkeiten suche, die Luftverteidigung und die Panzerabwehr zu festigen, die sich beim Konflikt mit Russland vom August des Vorjahres als recht verwundbar erwiesen.

    Nach Ansicht von Felix Stanewski, Experte des Moskauer Instituts der GUS-Staaten und ehemaliger Botschafter Russlands in Georgien, brauche Tilfis die Rüstung, um die Konflikte um Abchasien und Südossetien gewaltsam zu lösen.

    "Die georgische Führung hält seit 1992 an diesem Kurs fest und sieht keinen anderen Weg zur Lösung des Problems", sagte ein Experte der Tageszeitung "RBC Daily".

    Nicht ganz klar ist allerdings, wie die Lieferungen konkret organisiert werden könnten. Laut Informationen einer Quelle solle die Firma Barrington Alliance Inc. mit Sitz in Chicago die Waffen liefern. Doch ist es nicht gelungen, Angaben über die Registrierung einer Firma mit diesem Namen in den USA zu finden.

    Im Pressedienst des georgischen Verteidigungsministeriums wurde erklärt, die Nachricht über einen möglichen Verkauf von Raketensystemen sei "Lüge und Desinformation".

    Russische Militärexperten bezweifeln die Mitteilungen über die mögliche Abmachung und betonen, dass die Patriot-Raketen ohne Billigung des US-Kongresses nicht an andere Staaten verkauft werden dürften.

    Zugleich teilten Vertreter der russischen Militäraufklärung etwas früher mit, dass Georgien Waffen in Drittländern, darunter in Israel und der Ukraine, erwerbe. Zuvor sagte der Chef der Hauptverwaltung Aufklärung, Alexander Schljachturow, die ukrainische Seite liefere Panzer und Luftverteidigungsmittel an Georgien.

    Dieses Mal sei, wie ein Sprecher des russischen Generalstabs hervorhob, schon unbestreitbar festgestellt worden, dass "geplant ist, die Waffenpartie nicht unter Vermittlung der amerikanischen Regierung, sondern mit Wissen und Willen der Landesführung zu entsenden".

    Gestern sagte der Vertreter des russischen Generalstabs der Zeitung "Komsomolkskaja Prawda": "Wir werden uns gezwungen sehen, unsere Gruppierung im Nordkaukasus dementsprechend aufzubauen. Wenn jemand laut krakeelt, Russland stocke seine Truppen im Kaukasus auf, so sollte er sich an die USA wenden, um eine Erläuterung der Gründe zu bekommen."

    „Wedomosti": Krise als letzte Rettungschance für AvtoVAZ

    Der Vizepräsident und Russland-Chef des französischen Autobauers Renault, Christian Esteve, ist ein guter Beobachter des russischen Automarkts. Das stellte die Zeitung „Wedomosti" in der Dienstagsausgabe fest.

    „Das Verhalten der Russen zum Lada ist eine Mischung aus Liebe und Hass", sagte Esteve kürzlich und traf dabei den Nagel auf den Kopf, obwohl er kein Russe ist.

    Die Gründe für die Liebe zu den AvtoVAZ-Fahrzeugen sind klar: niedrige Preise, zugängliche Ersatzteile und viele Reparaturwerkstätten. Warum die Russen den Lada aber auch hassen, ist leicht erklärbar: die inakzeptable Qualität von Fahrzeugen und Ersatzteilen ist für niemanden ein Geheimnis.

    Es bleibt eine Kleinigkeit - die Qualität muss verbessert werden. „Dann gibt es auch Riesenschlangen mit Russen, die einen Lada kaufen wollen", meint Esteve. Den Skeptikern verwies er auf die Erfahrungen der rumänischen Automarke Dacia, die ebenfalls Renault gehört, und der VW-Tochter Skoda.

    Es ist ja offensichtlich, dass das Management von Renault, das eine gut Milliarde Dollar für das AvtoVAZ-Sperrpaket ausgegeben hat, alles tut, um diesen Aufwand zu rechtfertigen.

    Das Problem ist aber, dass die Franzosen das Autowerk nicht verwalten dürfen. Das bedeutet, dass von ihnen in diesem Spiel nicht allzu viel abhängt. Esteve macht auch kein Geheimnis daraus: „Unser größtes Problem ist, dass Sie selbst nicht an sich glauben. In Togliatti gibt es ja keinen ‚Todesort‘! Sie müssen ja nur an das Beste glauben und etwas tun, um es zu erreichen."

    AvtoVAZ hat immer noch eine Chance, sich zu retten. Denn jeder vierte Neuwagen, der in Russland verkauft wird, ist ein Lada. Aber die Uhr tickt gegen das Werk aus Togliatti. Es ist kein Zufall, dass die Top-Manager des Betriebs in privaten Gesprächen zugeben: Die Krise ist die letzte Rettungschance für AvtoVAZ.

    Damit muss das Unternehmen entweder die ganze Modellpalette in drei bis vier Jahren komplett erneuern und gleichzeitig die Qualität steigern, sonst steigt die Arbeitslosenzahl in Russland um weitere 100 000.

    Esteve zufolge wird AvtoVAZ bald keine eigenen Modelle mehr haben, höchstens nur einen supergünstigen Wagen auf der Basis des Kalina-Modells. Alles andere (auch unter der Marke Lada) werden de facto die Fahrzeuge von Renault-Nissan sein.

    Aber vielleicht wäre das umso besser? Schließlich ist das Auto ja nur ein Fortbewegungsmittel.

    RIA Novosti ist für den Inhalt der Artikel aus der russischen Presse nicht verantwortlich.

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