20:49 18 Oktober 2018
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    Amoklauf in USA: Fort Hood als bittere Medizin

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    MOSKAU, 10. November (Andrej Fedjaschin, RIA Novosti). Amerika ist nach dem Massaker im Militärstützpunkt Fort Hood ins Taumeln geraten und hat verstanden, dass etwas nicht in Ordnung ist.

    MOSKAU, 10. November (Andrej Fedjaschin, RIA Novosti). Amerika ist nach dem Massaker im Militärstützpunkt Fort Hood ins Taumeln geraten und hat verstanden, dass etwas nicht in Ordnung ist.

    Jedes Land, das an mehreren Fronten Krieg führt (für die USA sind Irak und Afghanistan die wichtigsten, hinzu kommt die globale Front gegen den Terror), ist zu einem psychischen Knacks verdammt. Die Frage ist nur, wie er zum Vorschein treten wird: In akuter, gemäßigter oder eingedämmter Form. Jetzt scheint er eine äußerst extreme Form erreicht zu haben.

    Vieles zeugt davon, wie akut die Krankheit ist. Nicht nur die Tragödie, die am 5. November auf dem größten Militärstützpunkt in den USA geschah, der nach dem Bürgerkriegsgeneral des Südstaatenverbandes, John Bell Hood, benannt ist.

    Beim tragischen Vorfall in Fort Hood drang das Syndrom nur an die Oberfläche. Es ist eine Folge der Prozesse, die bereits seit langem im Gange sind und nicht unter Obama oder George W. Bush, sondern viel früher begonnen haben.

    „Barack Obama. Tagesvorschau für den 09. November. Überreichung des Friedensnobelpreises. Sitzung des Kriegskabinetts". Dieser Titel, unter dem die Leiterin des Washington-Büros der Zeitung „Chicago Sun-Times" und deren Korrespondentin im Weißen Haus, Lynn Sweet, die Obamas Tagesvorschau für Montag ins Internet stellte, mutet beinahe sarkastisch an.

    Alles an dieser Überschrift ist wahr. Obama bekommt den Preis und trommelt gleichzeitig das „Kriegskabinett" zusammen. Am 9. November (nach europäischer Zeit schon am 10.) fand eine große Sitzung des Nationalsicherheitsrats zur US-Strategie in Afghanistan und Pakistan statt.

    Dort wurde eine äußerst komplizierte Frage diskutiert: Sollen die USA zusätzlich 40 000 Soldaten nach Afghanistan schicken? Oder 20 000? Und wann? Und was sollen die USA mit Pakistan machen, wo die Taliban große Stützpunkte haben?

    Der Sitzung wohnten die wichtigsten Mitglieder des Kabinetts bei, zudem waren die Außenministerin, der Verteidigungsminister, die Leiter der wichtigsten Geheimdienste, die Befehlshaber der Truppen in Afghanistan und Irak sowie die Botschafter zugegen.

    Die Überschrift ist natürlich gut gewählt. Deswegen jagt ihre niederschmetternde und lakonische Einfachheit Angst ein. „Friedensnobelpreis. Kriegskabinett". Kann es eine abstrusere Kombination geben? Kann denn eine Nation als gesund gelten, deren Präsident bei gleich zwei aktiv geführten Kriegen Friedensnobelpreisträger ist?

    Wegen des Massakers von Fort Hood musste Obama seinen Tagesplan für den 10. November ändern. Er sollte eine Rede vor dem Kongress der jüdischen Gemeindeleiter Nordamerikas halten, doch stattdessen fährt er am 10. November zum Gedenkgottesdienst für die 13 Todesopfer von Major Nidal Hassan.

    Bei der Tragödie gab es außerdem 30 Verletzte. So ein Blutbad haben die US-Militärstützpunkte in ihrer gesamten Geschichte nicht erlebt.

    Obama wird bereits vorgeworfen, dass er das früher tun sollte. Er sollte früher nach Texas gehen, den Angehörigen kondolieren, eine Erklärung zur Tragödie machen. Ex-Präsident George W. Bush hatte dem Stützpunkt bereits am 6. November einen Besuch abgestattet (er lebt in der Nähe).  Obama hat keine Zeit dafür gefunden. Das Militär grollt.

    In Amerika ist es immer der gleiche Vorgang: Was der Präsident auch macht, seine Handlungen werden kurz aufgerollt, ob es keine unbemerkbaren dunklen Flecken gibt. Deswegen befand das Weiße Haus, dass Obama nach Texas und nicht zum Kongress der jüdischen Gemeinden fahren muss.

    Eine Rede vor dem Kongress der jüdischen Gemeinden wäre nicht ganz politisch korrekt. Der Amokläufer ist doch ein amerikanischer Muslim, und die Teilnahme am Kongress der jüdischen Organisationen würde wie indirekte Katzbuckelei vor Israel anmuten. Und das würde die muslimische Welt, die ohnehin außerordentlich antiamerikanisch gestimmt ist, noch weiter antagonisieren.

    Wegen Major Hassan ist Obama in eine komplizierte Situation geraten. Genauso wie das ganz Amerika. Das „Irak-Syndrom" und „Afghanistan-Syndrom" sind in den Staaten bereits bekannt. Doch das Problem ist, dass Nidal Hassan selbst weder in Irak noch in Afghanistan war.

    Er sollte nur entweder nach Kabul oder nach Bagdad geschickt werden. Der 39-jährige Militärpsychologe hatte laut seinen Familienangehörigen in der letzten Zeit über Spötteleien seiner Kameraden über seinen Glauben geklagt und wollte in kein Land gehen, wo er gezwungen wäre, seine Glaubensgenossen zu töten. In Amerikas Augen gewinnt das Verbrechen schon jetzt einen ethnischen und religiösen Hintergrund.

    Die arabischen Gemeinden in den USA reden bereits jetzt über die Gefahr einer neuen McCarthy-Ära, einer „antiislamischen oder antimuslimischen Hexenjagd". Dazu wird es kaum kommen.

    Obwohl das Pentagon bereits jetzt psychologische Musterungen für die Angehörigen der Luftstreitkräfte, des Heeres und der Marine sowie der Seeinfanterie und der Nationalen Garde plant. Auf offizieller Ebene wird es natürlich keine antiislamische Hexenjagd geben. Doch im Alltag sind Abwandlungen davon äußerst wahrscheinlich.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der der RIA Novosti übereinstimmen.

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