19:47 16 Dezember 2017
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    Sowjetische Offensive bei Stalingrad: Der Morgen dämmert

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    MOSKAU, 20. November (Ilja Kramnik, RIA Novosti). Am 19. November jährte sich der Beginn der Gegenoffensive der Sowjettruppen bei Stalingrad zum 67. Mal.

    MOSKAU, 20. November (Ilja Kramnik, RIA Novosti). Am 19. November jährte sich der Beginn der Gegenoffensive der Sowjettruppen bei Stalingrad zum 67. Mal.

    Die zweite Phase der insgesamt ein halbes Jahr dauernden Schlacht gipfelte in der Einschließung einer Gruppierung des Gegners mit 330 000 Soldaten und ihrer Vernichtung. Der Sieg bei Stalingrad leitete eine Wende im Großen Vaterländischen Krieg der Sowjetunion und im ganzen zweiten Weltkrieg ein.

    Historiker zeigen großes Interesse an der Schlacht, in ihren zahlreichen Forschungen setzen sie sich immer wieder mit ihrem Verlauf und ihren Ergebnissen auseinander.

    Der Einfluss der Schlacht auf den gesamten Kriegsverlauf löst zwar keine Zweifel aus, bildet jedoch oft den Gegenstand erbitterter Streite über das "Gewicht" des Stalingrader Sieges im Verhältnis zu den anderen Ereignissen auf verschiedenen Kriegsschauplätzen des Zweiten Weltkriegs, von der Schlacht um Midway im Pazifik-Krieg bis zur Landung in Nordafrika.

    Zu einem strategischen Ziel der deutschen Offensive wurde Stalingrad im Mai 1942 bestimmt. Nach dem Sieg in den Kämpfen um Charkow beschloss das Oberkommando der Wehrmacht auf Hitlers Forderung eine Offensive an zwei Richtungen: in den Nordkaukasus, um bis zu den Erdölfeldern vor Grosny und dann vor Baku vorzustoßen, und nach Stalingrad, um den wichtigsten Transportweg abzuschneiden, der den europäischen Teil des Landes mit Transkaukasien und Zentralasien verband.

    Wäre auch nur eines dieser Ziele erreicht worden, so hätte sich die Lage der Sowjetunion drastisch verschlechtert. Sie hätte die wichtigsten Erdölvorkommen und Getreideanbaugebiete verloren, darüber hinaus wäre die Verbindung mit den Alliierten über Iran abgebrochen worden, woher damals die meisten Güter kamen, die die Sowjetunion gemäß dem Lend-Lease-Act erhielt.

    Durchgeführt wurde die Offensive nach Stalingrad von der Heeresgruppe B unter dem Befehl von Generaloberst Maximilian von Weichs und in den Kaukasus von der Heeresgruppe A unter dem Befehl von Generalfeldmarschall Wilhelm List.

    Der Beschluss, an zwei Richtungen zugleich anzugreifen, bedingte die weitere Entwicklung der Ereignisse und gilt deshalb gegenwärtig als einer der schwersten Fehler Hitlers.

    Bis November 1942 konnten die Deutschen kein einziges der gesetzten Ziele erreichen. Im Kaukasus blieben sie bei den Erdölfeldern vor Grosny stecken. Bei Stalingrad konnten sie allerdings weiter vorrücken: Gekämpft wurde unmittelbar in der Stadt, die Schifffahrt auf der Wolga wurde nahezu lahmgelegt, was die sowjetische Führung dazu zwang, eilig neue Bahnstrecken östlich der Wolga zu bauen. Die Sowjettruppen in Stalingrad waren praktisch dicht an den Strom gedrängt worden und führten erbitterte Verteidigungskämpfe.

    Doch dieser Erfolg wurde teuer erkauft: Die besten Divisionen der 6. Armee von Paulus, die Hauptkraft der Heeresgruppe B, erlitten in den Stadtkämpfen schwere Verluste. Die Flanken der Heeresgruppe waren stark auseinandergezogen, und zu ihrem Schutz mussten Einheiten der Verbündeten - italienische, ungarische, rumänische - eingesetzt werden.

    Das sowjetische Oberkommando, das die Veränderung der Situation aufmerksam verfolgte, traf bereits im September 1942, als erbitterte Kämpfe um die Stadt entbrannt waren, Vorbereitungen zu einer Angriffsoperation zwecks Einkreisung der deutschen Gruppierung.

    Bei der Erörterung der Angriffsvorbereitungen wird oft die Frage gestellt, ob die Angriffsoperation "Uranus" bei Stalingrad selbstständig oder als eine Ablenkungsoperation gedacht war, zu dem Zweck, den Gegner von einer anderen sowjetischen Offensive abzulenken, nämlich von der Operation "Mars", in deren Verlauf die Zerschlagung und Vernichtung der deutschen Truppen bei Rschew und Wjasma geplant war.

    Die Operation "Mars" kam zum Erliegen, in Sowjetzeiten wurde darüber so gut wie nichts geschrieben, was in den letzten Jahren zahlreiche Spekulationen hervorgerufen hat. Als Argumente zugunsten der "Hilfsrolle" von Stalingrad dienen die massenhafte Zahl der bei "Mars" im Vergleich zu "Uranus" eingesetzten Truppen und der spätere Beginn der Operation "Mars": am 8. Dezember 1942 gegenüber dem 19. November.

    Die Gegner dieses Standpunkts behaupten, das Ziel der Operation "Mars" sei es gewesen, dem Gegner den Nachschub von Reservetruppen in den Raum Stalingrad unmöglich zu machen.

    Beide Meinungen erscheinen fehlerhaft. Beim tieferen Nachdenken über die Frage drängt sich der Schluss über die selbstständige Rolle beider Operationen auf, von denen jede ihre eigene strategische Bedeutung hatte und im Erfolgsfall die Lage an der Front hätte grundlegend verändern sollen.

    Außerdem sollten beide Operationen gleichermaßen die Aufmerksamkeit des Gegners voneinander ablenken. Ein Erfolg konnte leider nur bei Stalingrad erzielt werden. Die Operation "Uranus" war ein voller Erfolg, denn sie brachte die Deutschen nicht nur um die Hoffnung, zur Wolga vorzustoßen, sondern zwang sie auch zum Beginn des Rückzugs aus dem Nordkaukasus, wo der Wehrmacht ebenfalls die Gefahr einer Einschließung mit nachfolgender Zerschlagung drohte.

    Die Sommeroffensive der Wehrmacht, bei der die Deutschen bis zum Großen Kaukasischen Bergkamm und bis zur Wolga vorrücken konnten, sollte der letzte strategische Erfolg der Hitler-Armee sein.

    Bis zum Kriegsende war es noch weit, doch der erste Schlag des Grabgeläutes für das "tausendjährige Reich" hatte bereits erklungen, als sich am 23. November 1942 die Truppen der Süd-West- und der Stalingrader Front beim Dorf Sowjetski trafen: Damit war der Ring der Einkreisung um die Armee von Paulus geschlossen.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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