22:59 20 November 2018
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    Störfall auf russischem U-Boot offenbart Krise

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    MOSKAU, 23. November (Ilja Kramnik, RIA Novosti). In der Nacht zum 21. November kam es auf dem U-Boot B-871 "Alrosa" der Schwarzmeerflotte zu Problemen bei den Triebwerken, so dass die Testfahrt unterbrochen werden musste.

    MOSKAU, 23. November (Ilja Kramnik, RIA Novosti). In der Nacht zum 21. November kam es auf dem U-Boot B-871 "Alrosa" der Schwarzmeerflotte zu Problemen bei den Triebwerken, so dass die Testfahrt unterbrochen werden musste.

    Die genauen Umstände des Zwischenfalls und seine Folgen sind bislang unbekannt, dennoch rückt er die kritische Situation in den Vordergrund, die sich um die Modernisierung der russischen Schwarzmeerflotte und ihrer U-Boote abspielt.

    Gegenwärtig zählt Russlands Schwarzmeerflotte nominell zwei U-Boote: die B-871 "Alrosa" des Projektes 877B, die 1990 in Dienst gestellt wurde, und die in einer langzeitigen Überholung begriffene B-380 "Swjatoi Knjas Georgi" (Baujahr: 1982). Angesichts der Tatsache, dass die B-871 gegenwärtig im Grunde außer Betrieb ist (wie lange ist eine andere Frage), hat die Schwarzmeerflotte derzeit kein einziges U-Boot in ihrem Bestand.

    Die Situation kann durchaus als kritisch bezeichnet werden. Heute werden für die russische Marine drei Diesel-U-Boote des Projekts 677 gebaut. Das Nullschiff des Projektes 677 mit dem Namen B-585 "Sankt Petersburg", lief bereits 2005 vom Stapel. Damals wurde angenommen, dass bald danach diese U-Boote die alten Unterseeschiffe des Projektes 877 (Warschawjanka) aus der Sowjetzeit ablösen würden.

    Die U-Boote des Projekts 677 zeichnen sich durch hohe taktisch-technische Eigenschaften aus, sind schneller als ihre Vorgänger (21 Knoten unter Wasser gegenüber 17) und bedeutend stiller. Ihre Bewaffnung lässt vielfältige Aufgaben sowohl auf den Meeren als auch auf den Ozeanen lösen.

    Doch bei der Indienststellung des Nullschiffes tauchten Probleme auf. Dieses wurde bereits 2007 erwartet, doch hat die Marine das U-Boot bisher - und wir schreiben immerhin November 2009 - nicht bekommen. Nach Meinung von einigen Experten zeugt das von ernsthaften Problemen des U-Boots und des Projekts als Ganzes.

    Ausführliche Informationen über die Situation fehlen, doch laut vorliegenden Angaben gibt es Schwierigkeiten mit der Fertigstellung der hydroakustischen Ausstattung des Boots, des Informations- und Kampfführungssystems sowie der Hauptenergieanlage.

    Der Aufschub der Indienststellung des Nullschiffs macht auch das Schicksal der zwei nächsten U-Boote dieses Projekts ungewiss: der B-586 "Kronstadt" und der B-587 "Sewastopol". Sie wurden 2005 beziehungsweise 2006 auf Kiel gelegt. Im Ergebnis sind sie bislang nicht einmal vom Stapel gelaufen.

    Ob es gelingen wird, die entstandenen Mängel ohne Verschlechterung der taktisch-technischen Eigenschaften des Bootes zu beseitigen, und wann dies geschehen könnte, ist vorläufig unbekannt.

    In dieser kritischen Situation erwägt Russlands Marine laut vorliegenden Informationen neuerdings eine Auffüllung des Flottenbestands durch den Kauf deutscher U-Boote des Projekts 212. Wie reell diese Option ist, lässt sich schwer sagen, doch schon allein die Erörterung der Möglichkeit des Ankaufs ausländischer U-Boote beweist eindeutig eine Krise beim Bau von U-Booten in Russland, das in diesem Bereich stets führend war.

    Eine ähnliche Situation entsteht gerade bei der Überwasserflotte, in der zum äußerst langsamen Bautempo die winzige Zahl der in Bau befindlichen Kampfschiffe hinzukommt. Gegenwärtig befinden sich drei Korvetten des Projekts 20380, eine Fregatte des Projekts 22350 und einige Schiffe anderer Klassen in Bau.

    Die Bauzeit der Schiffe erreicht zehn Jahre, oft sogar noch mehr. Wenn die Kiellegung und der Bau neuer Schiffe weiter im gleichen Tempo vor sich gehen, könnte konstatiert werden, dass Russland Anfang bis Mitte 2020 keine Überwasserflotte haben wird.

    Heute wird viel von der Möglichkeit geredet, bei Frankreich das universale Landungsschiff der Mistral-Klasse zu erwerben und mehrere weitere Schiffe dieser Klasse auf russischen Werften zu bauen. Zweifellos wären neue Landungsschiffe für die Flotte sehr nützlich, sie würden deren Möglichkeiten erweitern. Noch nützlicher wären Flugzeugträger, von deren Bau ebenfalls seit langem die Rede ist.

    Doch muss Klarheit über Folgendes herrschen: Weder die universalen Landungsschiffe noch Flugzeugträger, noch mit Raketen bestückte Atomkreuzer, die laut Plänen mit neuer Bewaffnung und Ausstattung in den Bestand der Flotte zurückkehren sollen, werden in der Lage sein, bei fehlender Unterstützung ihre Kampfaufgaben zu lösen.

    Diese Unterstützung soll sowohl von Kampfschiffen anderer Klassen als auch von zahlreichen Hilfsschiffen und den Küstendiensten kommen, ohne welche die Flotte nur eine papierne Aufzählung von Kampfeinheiten darstellt.

    Heute sieht die Situation mit der Erfüllung des staatlichen Verteidigungsauftrags objektiv besser aus als vor zehn Jahren. Das Heer bekommt neue Panzer, Schützenpanzer und Schützenpanzerwagen, neue Hubschrauber sind in Bau, alte Flugzeuge werden modernisiert, es gibt unterzeichnete Verträge über die Lieferung neuer Flugzeuge und viel anderes.

    Doch die Flotte ist immer noch wohl die am schlechtesten finanzierte Teilstreitkraft Russlands, sie leidet unter akutem Geldmangel sowohl für den Bau neuer Schiffe und sonstiger notwendiger Technik als auch für die Erhaltung der eigenen Existenz.

    Selbst eine überraschende Bereitstellung der erforderlichen Gelder würde die Situation in kurzer Zeit nicht zum Besseren wenden. Der Wiederaufbau der Flotte erfordert langwierige durchdachte Anstrengungen und Handlungen in diversen Industrien, und das jahrzehntelang.

    Erst nach diesen Jahrzehnten ließe sich ein greifbares Ergebnis sehen. Für solche Maßnahmen aber ist ein klar ausgedrückter politischer Wille nötig, der keinen Schwankungen ausgesetzt ist.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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