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    Hoffnungsschimmer für AvtoVAZ in Sicht

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    AvtoVAZ-Krise (26)
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    Die Bemühungen der russischen Regierung zur Rettung des Autokonzerns AvtoVAZ erinnern zunehmend an eine Seifenoper mit immer neuen Nebenfiguren und überraschenden Wendungen.

    MOSKAU, 01. Dezember (Wlad Grinkewitsch, RIA Novosti). Die Bemühungen der russischen Regierung zur Rettung des Autokonzerns AvtoVAZ erinnern zunehmend an eine Seifenoper mit immer neuen Nebenfiguren und überraschenden Wendungen.

    Doch das lang ersehnte Ende ist nach wie vor nicht in Sicht. Ende der vergangenen Woche reiste der russische Regierungschef Wladimir Putin nach Frankreich, um die französischen AvtoVAZ-Aktionäre zur Unterstützung für den Fahrzeugbauer zu überreden. Das Ergebnis der Verhandlungen ist eine dreiseitige Absichtserklärung, die die größten Aktionäre, nämlich der russische Staatskonzern Rostechnologii, Renault und Troika Dialog unterzeichneten.

    Die Parteien haben verkündet, dem russischen Autokonzern finanzielle und technologische Unterstützung zu gewähren, doch die Präsentation eines Anti-Krisen-Plans wird wieder verschoben.

    Laut dem dreiseitigen Abkommen sollen die russische Regierung und der französische Konzern an der Rettung des Vorzeigekonzerns der russischen Autoindustrie teilnehmen. Die Regierung soll dem Werk in Togliatti 50 Milliarden Rubel bereitstellen (1 Euro = 43,87 Rubel). Doch diese Summe könne laut Putin auf 75 Milliarden Rubel ansteigen, wenn die Regierung den im Sommer vergebenen Kredit in Höhe von 25 Milliarden Rubel kapitalisieren wird.

    Die Franzosen wollen 300 Millionen Euro in AvtoVAZ investieren. 240 Millionen davon soll Renault selbst beitragen, weitere 60 Millionen Euro werden von Nissan, Teilhaber des französischen Autokonzerns, stammen.

    Doch nur die 60 Millionen Euro von Nissan sollen als Gelder fließen. Renault will, wie Vertreter des Konzerns mehrmals angekündigt haben, seinen Anteil in Form von Technologien beisteuern. AvtoVAZ soll die B0-Plattform für das Logan-Modell bekommen. Die Franzosen werden eine Produktionslinie montieren, einen Probelauf durchführen, das russische Personal schulen und dem russischen Unternehmen Lizenzen für den Motor und den Antrieb übergeben.

    Das AvtoVAZ-Management hofft, dass die neuen Modelle bis Anfang 2012 auf den Markt kommen. Zwei von ihnen werden Modelle der Marke Lada, eine von Renault und eine von Nissan sein.

    Außer des Technologietransfers hofft die russische Seite auf die Teilnahme der Renault-Experten an der Restrukturierung des russischen Fahrzeugkonzerns, zumal Renault, wie Putin betonte, ähnliche Erfahrungen habe.

    Laut dem Ersten Vizepremier Igor Setschin soll AvtoVAZ die erste Rate der staatlichen Hilfsgelder in Höhe von zwölf Milliarden Rubel im Laufe der nächsten drei Monate erhalten. Der Regierungsbeamte äußerte die Hoffnung, dass der erste Beitrag der französischen Seite zur gleichen Zeit kommen werde.

    Doch es ist möglich, dass dies nicht so schnell geschieht, denn zwei wichtige Fragen sind weiterhin ungelöst. Erstens steht nicht fest, wie die staatlichen Gelder an AvtoVAZ fließen sollen. Zweitens liegt der Krisenplan des russischen Autoriesen immer noch nicht vor.

    Was das Schema der Kapitalzuwendungen betrifft, so wird ein Teil der Gelder nach Angaben von russischen Beamten wahrscheinlich mit Hilfe einer zusätzlichen Emission übergeben werden. Dabei wird der Renault-Anteil nicht herabgesetzt, sondern vielleicht sogar vergrößert werden, sagte der russische Ministerpräsident. Auch der Anteil von Rostechnologii wird nicht kleiner werden. Der Anteil des dritten Großaktionärs Troika Dialog wird wahrscheinlich aber verwässert werden.

    Das genaue Schema für die Gewährung von Finanzhilfen an AvtoVAZ soll bis zum 1. März fertig sein. Bis dahin soll ein detaillierter Plan für die Restrukturierung des Werks in Togliatti abgestimmt werden.

    Die Vorlage eines Anti-Krisen-Plans, der eine Restrukturierung und Produktionsoptimierung einschließen würde, war eine obligatorische Bedingung für die Hilfe der französischen Aktionäre. Dieser Plan bleibt auch eine der spannendsten Fragen bei der AvtoVAZ-Rettung.

    Er sollte ursprünglich am 1. September 2009 vorgelegt werden, dann wurde der Termin auf den 10. November verschoben. Der vorgelegte Plan gefiel den Beamten nicht und wurde zur Neubearbeitung zurückgegeben. Die neue Variante sollte bei der Sitzung der Regierungskommission am 20. November erörtert werden, doch das Treffen wurde abgesagt.

    Somit liegt die Zukunft des bedeutendsten russischen Autowerks nach wie vor im Dunkeln. Das Vorhaben der französischen Seite, ihre Technologien an AvtoVAZ zu übergeben, kann nur begrüßt werden, denn ohne moderne Technologien schaffen russische Hersteller es nicht aus der Krise.

    Doch vieles hängt von den Bedingungen für die Übergabe der Technologien ab, die noch unbekannt sind. Gegenwärtig gibt es nur ein Memorandum, also einen Vorvertrag. Doch ähnliche Erklärungen hat es auch früher gegeben, zumal können die Pläne der Partner, wie die jüngste Geschichte mit dem Opel-Verkauf belegt, sich im allerletzten Moment ändern.

    Auch die Tatsache, dass die Vorlage des Anti-Krisen-Plans immer wieder verschoben wird, kann davon zeugen, dass die Aktionäre bis jetzt keinen gemeinsamen Nenner zur Zukunft des Werks erreicht haben.

    Die Perspektive, Geld vom Staat zu bekommen, sieht natürlich viel realistischer aus. Doch viele können sich auch daran erinnern, dass das Werk in Togliatti in den vergangenen zwei Jahrzehnten mehrmals staatliche Hilfe in den verschiedensten Formen erhalten hatte - von Steuerermäßigungen in den 1990ern bis zu direkten Subventionen während der Krise.

    Doch bis jetzt war diese Hilfe ein Mittel eher zur Erhaltung der Probleme als zu ihrer Lösung. Nicht zufällig haben viele Experten im ganzen Verlauf der Krise wiederholt, dass der Erfolg von AvtoVAZ nicht vom erhaltenen Geld, sondern von der Restrukturierung des Konzerns abhängen werde.

    Es bleibt nur, auf den März zu warten und zu hoffen, dass die Milliarde Dollar, die die Franzosen für den Erwerb der Sperrminorität von AvtoVAZ ausgegeben haben, ihre tatkräftige Anteilnahme am Schicksal des Unternehmens garantieren wird.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der der RIA Novosti übereinstimmen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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