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    Schlacht um Moskau: Vorbote des Sieges

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    MOSKAU, 07. Dezember (Ilja Kramnik, RIA Novosti). Am 5. Dezember 1941 begann die Gegenoffensive der sowjetischen Truppen bei Moskau.

    MOSKAU, 07. Dezember (Ilja Kramnik, RIA Novosti). Am 5. Dezember 1941 begann die Gegenoffensive der sowjetischen Truppen bei Moskau.

    Mit dem Sieg in dieser Schlacht drängte die Rote Armee den Gegner 100 bis 250 Kilometer von der sowjetischen Hauptstadt zurück, wandte die unmittelbare Bedrohung von Moskau ab und ließ die Blitzkriegspläne endgültig platzen.

    Die Gegenoffensive der sowjetischen Truppen war die zweite Phase der Schlacht, der schwere Abwehrschlachten vorangingen. Der Kampf begann am 30. September 1941, als die deutschen Truppen zur Offensive übergingen.

    Der Plan der Nazis bestand darin, die Hauptkräfte der Roten Armee, die die Hauptstadt verteidigten, zu umzingeln und sie bei Brjansk und Wjasma zu vernichten. Dazu waren die Panzergruppe 3, die sich bei Duchowschina konzentrierte, die Panzergruppe 4 bei Roslawl und Panzergruppe 2 bei Schostka vorgesehen. Danach sollten die Panzergruppen Moskau von Norden und Süden einkreisen und damit die Einschließung und Eroberung der Stadt sichern.

    In der ersten Phase konnte der Gegner einen Erfolg verbuchen. Die vordersten deutschen Panzergruppen legten 200 Kilometer in drei Tagen zurück und kamen bereits am 3. Oktober in Orjol an. Vom 6. bis 7. Oktober war der Großteil der Kräfte der Brjansker Front abgeschnitten.

    Der Vormarsch der Deutschen konnte bei Mzensk verlangsamt werden, wo sie auf die Reserven des Hauptquartiers des Kommandos des Obersten Befehlshabers (Stawka) stießen. Bei Mzensk erhielt die vierte Panzerbrigade der Roten Armee unter dem Kommando von Michail Katukow, einem der berühmtesten Panzerkommandeure des Zweiten Weltkriegs, ihre Feuertaufe. Sie bekam kurz danach für die Schlacht bei Mzensk den Ehrentitel „Garde-Panzerbrigade".

    Auch in anderer Richtung nahe Wjasma konnten die Deutschen Erfolge verzeichnen. Dort führten die Hauptkräfte der Heeresgruppe Mitte den Angriff. Vom 6. bis 7. Oktober wurden die Truppen an zwei Fronten, der West- und der Reservefront, eingekesselt.

    Die sowjetischen Truppen versuchten einen Durchbruch, doch sehr wenige konnten es bis zur eigenen Armee schaffen. Zehntausende Personen, darunter Armeebefehlshaber Generalleutnant Lukin (19. Armee) und Generalmajor Wischnewski (32. Armee), wurden gefangen genommen.

    Der schnelle Vormarsch des Gegners nach Moskau rief Panik in der Stadt hervor. Viele waren überzeugt, dass die Hauptstadt bald fallen würde. Am 15. Oktober begann die Evakuierung der Stadt. Die Hauptstadt füllte sich mit panischen Gerüchten über die Flucht der Landesführung. Am 16. Oktober wurde die Stadt von allgemeiner Panik erfasst. Am 19. Oktober wurde der Belagerungszustand über die Stadt verhängt.

    Am 16. Oktober fing die Generaloffensive der Deutschen in Richtung Wolokolamsk an. Dort zeichnete sich in den Abwehrkämpfen die 316. Schützendivision des Generals Panfilow aus.

    Die in der sowjetischen Literatur viel gerühmte Heldentat des 28 Mann starken Zugs des Regiments 1075 der Panfilow-Division, der die Nazis an der Eisenbahnkreuzung Dubossekowo allein zurückgehalten haben soll, ist eigentlich ein Mythos, weil dort das gesamte zweite Bataillon des Regiments zugegen war. Dennoch kann die gesamte Division zu Recht als Helden gelten. Die Panfilow-Division hielt den Feind deutlich auf und fügte ihm schweren Schaden hinzu. Die Kämpfe in Richtung Wolokolamsk dauerten fast zwei Wochen.

    Auch andere Divisionen zeichneten sich in den Kämpfen aus. Neben dem Dorf Borodino, auch auf dem Feld der Borodino-Schlacht von 1812, wehrte die 32. Schützendivision von Polossuchin den Angriff des 40. motorisierten Korps des Gegners ab und erntete dadurch Ruhm.

    Jeder neue Kilometer brachte dem Gegner immer mehr Schwierigkeiten, denn die Verteidigung wurde, je näher Moskau rückte, effizienter und die deutschen Truppen schwächer. Zusätzlich wurden die Kampfhandlungen wegen des schlammigen Bodens in dieser Jahreszeit erschwert.

    Die sowjetischen Truppen hatten im Hinterland einen großen Eisenbahnknotenpunkt und litten weniger darunter als die Deutschen, die stärker auf Fahrzeuge angewiesen waren. Dabei wurde die Fahrstrecke mit jedem Kilometer für sie länger und für die sowjetischen Truppen kleiner. Auch die Manövrierung der Reserven wurde erschwert, was die Entwicklung der deutschen Offensive ebenfalls drosselte.

    Ende Oktober verliefen die Kämpfe 80 bis 100 Kilometer von Moskau entfernt. Im Süden verteidigten die sowjetischen Truppen Tula und ließen die Deutschen die Verteidiger der Hauptstadt nicht von der Flanke umgehen.

    Eine große Rolle spielte bei der Verteidigung der Stadt die Parade am 7. November 1941 auf dem Roten Platz. Sie wurde zum starken Propagandafaktor, denn sie führte die Bereitschaft der sowjetischen Führung vor, die Hauptstadt zu verteidigen und zerstreute die Gerüchte über deren Flucht.

    Bei der Vorbereitung der Parade wurden besondere Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Die Luftabwehr von Moskau wurde erheblich verstärkt, denn jeder deutsche Bomber, der sie durchbrochen hätte, konnte eine Katastrophe anrichten. Die Parade sollte bei jedem Wetter durchgeführt werden, doch glücklicherweise war dieser Tag für Flüge völlig ungeeignet. Es gab Schnee und Nebel, damit war ein Luftangriff gegen Moskau ausgeschlossen.

    Es war sehr schwer, genügend Panzer für die Parade bereitzustellen, denn die waren an der Front bitter nötig. Die Lage wurde von den frisch gebildeten Panzerverbänden gerettet, die noch nicht an die Front entsandt worden waren. Ein Bataillon von schweren Panzern des Typs KW-1 kam direkt aus dem Werk zur Parade. Dabei wurden die Panzer auf den Eisenbahnplattformen unterwegs mit Zubehör ausgerüstet.

    Für die Deutschen wurde die Parade in Moskau zur unangenehmen Überraschung. Die weite Verbreitung der Nachricht, unter anderem durch Flugblätter und Radio in den besetzten Gebieten, war eine der ersten ernsthaften Niederlagen Deutschlands im Propagandakrieg. Das deutsche Kommando hatte mehrmals versprochen, Moskau vor Eintreten des Frostes zu erobern und seine eigene Parade auf dem Roten Platz durchzuführen, doch dieses Versprechen hatte sich als ein leeres erwiesen.

    Zu dieser Zeit hatte bereits in der Moskauer Region der Frost eingesetzt, und der Schlamm auf den Wegen war kein Zurückhaltungsfaktor mehr. Am 15. und 16. November nahmen die Deutschen die Offensive erneut auf. Ende November hatte der Gegner Klin, Solnetschnogorsk und Istra erobert, den Moskau-Wolga-Kanal nahe Jachroma erreicht und Krasnaja Poljana (27 Kilometer von Moskau entfernt) besetzt.

    Der weitere Vormarsch der Deutschen wurde durch den Ablass des Wassers aus den Stauseen von Istra und Iwankowo sowie den Stauseen des Moskau-Wolga-Kanals verhindert. Ende November waren die Kräfte der Wehrmacht endgültig erschöpft. Einzelne Versuche, in dieser oder jener Richtung vorzurücken, blieben erfolglos.

    Anfang Dezember hatte das sowjetische Kommando bereits strategische Reserven, unter anderem sibirische und fernöstliche Divisionen, hinter der Front versammelt. Die Verlegung der Einheiten aus dem Fernen Osten an die Front wurde dadurch ermöglicht, dass die sowjetische Aufklärung die Tatsache verbürgt hatte, dass die Japaner sich auf einen Angriff gegen die USA vorbereiten und ihre Hauptkräfte auf der südlichen Richtung konzentrieren.

    Am 5. Dezember ging die Kalininer Front unter Kommando von Generaloberst Konew zur Gegenoffensive über. Am 6. Dezember tat die Westfront unter Kommando des Armeegenerals Schukow und die Südwestfront von Marschall Timoschenko dasselbe. Am 8. Dezember unterzeichnete Hitler die Direktive über den Übergang der Wehrmacht zur Abwehr an der gesamten sowjetisch-deutschen Front.

    Während der sowjetischen Gegenoffensive bei Moskau wurden einige einzelne Operationen in verschiedenen Richtungen durchgeführt, während der Gegner von den eingenommenen Positionen vertrieben werden konnte. Die deutschen Truppen leisteten erbitterten Widerstand. Sie gehorchten Hitlers Stoppbefehl vom 16. Dezember, der das Festhalten der Positionen „bis zum letzten Soldaten" vorschrieb. Es gelang ihnen jedoch nicht, ihn zu erfüllen.

    Am 19. Dezember wurde Generalfeldmarschall von Brauchitsch, Oberbefehlshaber des Heeres, wegen des Rückzugs von Moskau seines Amtes enthoben. Das Amt bekleidete Hitler persönlich. Am gleichen Tag wurde der Befehlshaber der Armeegruppe Mitte, Generalfeldmarschall von Bock, seines Amtes enthoben und durch Generalfeldmarschall von Kluge ausgewechselt.

    Eine wichtige Rolle spielte in der Schlacht um Moskau sowohl bei der Verteidigung als auch beim Angriff die neue Ausrüstung der Roten Armee, die in immer größeren Mengen an die Front geliefert wurde. Die Panzer T-34 und KW, die Jagdflugzeuge Jak-1, LaGG-3, MiG-3, die Erdkampfflugzeuge Il-2, die Bomber Pe-2, die neuen Artilleriesysteme und andere Kampfmaschinen litten noch an „Kinderkrankheiten", stellten jedoch bei geschicktem Einsatz bereits eine ernstzunehmende Bedrohung für den Feind dar.

    Auch erste Land-Lease-Maschinen, die die Alliierten lieferten, kamen zum Einsatz. Bei der Bekämpfung des Feindes aus der Luft wurden die so genannten Rotations-Streubomben (RRAB, ein Vorläufer der modernen Kassettenbomben) sowie Flugzeugabsprühgeräte für weißes Phosphor eingesetzt, die die Effizienz der Fliegerkräfte gegen Bodenziele schlagartig erhöhten.

    Bei der Luftabwehr von Moskau wurden außer den neuen Jagdflugzeugen auch neue Ortungs- und Zielweisungsmittel verwendet, nämlich  Radare, welche die Umgebung von Moskau erfassten und die frühe Entdeckung des Feindes erlaubte. Auch wurden neue Organisationsformen der motorisierten Truppen erprobt, und zwar die Panzerbrigaden. Diese erwiesen sich als flexibles und bewegliches Kampfinstrument und leisteten bereits zu jenem Zeitpunkt erfolgreich Widerstand gegen die deutschen motorisierten Verbände auf taktischer und teilweise auf operativer Ebene.

    Doch die sowjetischen Truppen hatten damals noch wenig Erfahrungen mit Offensiven. Außerdem fehlten ihnen Panzerverbände der Klasse „Armee", die strategische Durchbrüche leisten konnten. Deswegen gelang es der Roten Armee nicht, die großen Kräfte des Gegners einzukesseln.

    Sie musste sich mit ihrer Zurückdrängung begnügen. Doch der Erfolg der Schlacht um Moskau lässt sich kaum überschätzen. Die Wehrmacht blieb für mehrere Monate ohne ihre wichtigste Schlagkraft, denn drei von vier Panzergruppen trugen schweren Schaden davon und mussten ihre Divisionen umbilden. Der Mythos über die Unschlagbarkeit des Feindes war zerstört, und der Krieg nahm einen langwierigen Charakter an, der Deutschland keine Chancen auf einen Sieg übrig ließ.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der der RIA Novosti übereinstimmen.

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