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    Nato drängt Russland zu mehr Hilfe für Afghanistan-Einsatz / Kaukasus-Konflikt: Georgien sinnt auf Revanche / Westen droht mit mehr Härte: Iran soll angeblich Atombombenzünder entwickeln / Gazprom bleibt gelassen: Turkmenistan pumpt Gas nach China

    MOSKAU, 15. Dezember (RIA Novosti). Nato drängt Russland zu mehr Hilfe für Afghanistan-Einsatz / Kaukasus-Konflikt: Georgien sinnt auf Revanche / Westen droht mit mehr Härte: Iran soll angeblich Atombombenzünder entwickeln / Gazprom bleibt gelassen: Turkmenistan pumpt Gas nach China

    "Nesawissimaja Gaseta": Nato drängt Russland zu mehr Hilfe für Afghanistan-Einsatz

    Der wichtigste Punkt des ersten Russland-Besuchs von Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen wird wohl Afghanistan sein. Darüber schreibt die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" am Dienstag.

    In der Nato wird von Moskau mehr Hilfe beim Kampf gegen die Taliban erwartet. Aber Experten zufolge entspricht eine "Militarisierung" von Russlands Rolle in Afghanistan nicht dessen Sicherheitsinteressen.

    Die Verhandlungen des neuen Generalsekretärs, der erst im August sein Amt angetreten hat, mit der russischen Führung sollten eigentlich vor einem günstigerem Hintergrund verlaufen. Erst vor kurzem fand in Brüssel die nach dem Krieg in Südossetien erste offizielle Sitzung des Russland-Nato-Rats auf Ministerebene statt, bei dem eine Arbeitsgruppe für Afghanistan gebildet wurde.

    Wie sich jedoch gestern erwies, ist die Gefahr in Afghanistan bereits zu einem Auslöser für Reibungen in den Russland-Nato-Beziehungen geworden, die sich gerade erst anbahnen. In der Nato nimmt die Enttäuschung darüber zu, dass Moskau die Allianz in Afghanistan nicht genügend unterstütze. So erklärte ein hochrangiger Nato-Diplomat, der ungenannt bleiben wollte: "Die Russen könnten weit mehr tun. Sie könnten AK-47-Maschinenpistolen liefern. Sie haben Erdöl und Gas, die Rohstoffe könnten sie der Allianz überlassen, statt sie zu verkaufen."

    Der Abzug der Nato-Truppen aus Afghanistan und der Machtantritt der Taliban würden Russlands nationale Sicherheit bedrohen, findet Alexej Arbatow, korrespondierendes Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften, deshalb müsse der Allianz geholfen werden. "Der Allianz Öl und Gas zu überlassen, ist nicht realistisch, aber Lieferungen von Maschinenpistolen und schweren Waffen wären möglich. Selbstverständlich nicht unentgeltlich", sagt der Experte.
    Pawel Solotarjow, Vizedirektor des USA-Kanada-Instituts an der Russischen Akademie der Wissenschaften, entgegnet: Die Erlaubnis des Waffentransits durch Russland, ganz zu schweigen von Lieferungen von Maschinenpistolen in das von Konflikten zerrüttete Land, würden wohl kaum den Sicherheitsinteressen Russlands entsprechen.

    "Wir sind an der Stabilisierung der Situation in Afghanistan interessiert", erklärte Solotarjow. "Aber andererseits unternimmt Russland bereits nicht wenig, indem es afghanische Kräfte für den Kampf gegen den Drogenhandel ausbildet. Außerdem sind wir auf den Abschluss des Abkommens über den militärischen Transit mit den USA eingegangen.

    Seiner Relevanz nach ist es mit der amerikanischen Lend-Lease-Hilfe während des Zweiten Weltkriegs vergleichbar. Jetzt führen die Amerikaner einen Krieg, und wir helfen ihnen. Jetzt wollen die Amerikaner anscheinend, dass wir in Afghanistan eine 'zweite Front' eröffnen. Aber wir hatten schon die erste Front in Afghanistan.

    Es kommt darauf an, nicht zu weit zu gehen, so dass die Amerikaner schließlich Afghanistan verlassen würden und wir uns erneut an der vordersten Front sähen, während der Westen mit den USA an der Spitze die Pläne für die weitere Nato-Osterweiterung realisieren würde."

    „Wedomosti": Kaukasus-Konflikt: Georgien sinnt auf Revanche

    Russland wirft Georgien vor, eine Vergeltungsoffensive im Kreis Achalgori in Südossetien für den verlorenen Kieg im Vorjahr vorzubereiten, berichtet die Zeitung „Wedomosti" am Dienstag.

    Georgien will Revanche nehmen für den verlorenen Krieg im August des Vorjahres und kann Versuche unternehmen, den Kreis Achalgori (Leningori) in Südossetien zurückzubekommen, so ein russischer Diplomat. Im Verteidigungsministerium hält man diese Gefahr ebenfalls für möglich.

    Laut einer Quelle in dem Ministerium sind die georgischen Truppen, die diesem Kreis gegenüberstehen, zuletzt verstärkt worden. Die georgischen Soldaten sind einer intensiven Rotation ausgesetzt, westliche Militärausbilder bringen ihnen Methoden der Führung von Gebirgsgefechten bei.

    Die Waffenlieferungen nach Georgien aus der Ukraine, Tschechien, der Türkei und Israel gehen nach wie vor weiter. Die georgische Armee ist jetzt besser bewaffnet als vor dem Südossetien-Krieg im August des Vorjahres, berichtete Nikolai Makarow, Generalstabschef der russischen Streitkräfte, im November.

    Der von dem restlichen Teil Südossetiens isolierte Kreis Achalgori ist zu 75 Prozent von Georgiern bewohnt und wurde bis August 2008 von den georgischen Behörden kontrolliert. Einer Quelle des russischen Verteidigungsministeriums zufolge ist derzeit dort eine mit Panzern und Artillerie verstärkte russische motorisierte Schützenkompanie stationiert.

    Die Spannungen zwischen den südossetischen Grenzsoldaten und der georgischen Polizei seien auffällig, dennoch handele es sich nicht um eine Vorkriegsspannung, so eine Quelle in der Präsidialverwaltung Südossetiens.

    „Diese provokativen Erklärungen sind absolut unbegründet", sagte Schota Utiaschwili, Chef der analytischen Verwaltung des georgischen Innenministeriums. „Nach dem Krieg hat Georgien alle Forderungen des Medwedew-Sarkozy-Plans erfüllt. Die georgische Armee ist in die Ausgangsstellung zurückgekommen. Internationale Beobachter bestätigen auch, dass Georgien im Gegensatz zu Russland seine Verpflichtungen nicht verletzte."

    Georgien könne teilweise eine Revanche versuchen, doch im Winter sei dies kaum möglich, so Alexander Skakow, Experte des Russischen Instituts für Strategische Studien. Man kann es durch einen Wechsel der Politik der südossetischen Behörden im Kreis verhindern, sie sollen damit anfangen und die Lage der Menschen verbessern.

    Aus militärischer Sicht seien Georgiens Chancen allerdings nicht groß, berichtet Viktor Murachowski, Oberst a. D. der russischen Armee, der mit der Situation in der Region vertraut ist. Sogar eine Kompanie, wenn sie sich richtig verschanzt habe, könne dort georgische Truppen zurückhalten. Das Wichtigste sei, dass sich die Lage der Armee in Südossetien nach dem Konflikt vom August 2008 von Grund auf verändert habe.

    Russlands Presse: Westen droht mit mehr Härte: Iran soll angeblich Atombombenzünder entwickeln

    Nach Angaben der britischen "Times" fehlt dem Iran nur noch ein Zünder für die Kernspaltung, um eine vollwertige Atombombe bauen zu können. Darüber berichten russische Zeitungen am Montag und am Dienstag.

    Die „Times" beruft sich dabei auf Angaben eines westlichen Nachrichtendienstes, dem angeblich ein Bericht von iranischen Experten, die sich mit der Entwicklung eines Neutronenzünders befassen sollen, in die Hände gefallen ist. Diese Nachricht widerspricht den Erkenntnissen der US-Nachrichtendienste, die schon früher erklärten, Iran habe bereits 2003 das Programm für den Bau einer Atombombe gestoppt. Russische Experten betrachten das "Duchsickern der Informationen" als Teil einer Kampagne, die Teheran unter Druck setzen soll.

    Der in Farsi geschriebene und undatierte Bericht heißt "Übersicht zu mit Neutronen verbundenen Spezialarbeiten für die nächsten vier Jahre". Er wurde von zwei voneinander unabhängig arbeitenden Übersetzern ins Englische übertragen und dann zu einem gemeinsamen Dokument verarbeitet. Aus dem Text könnte der Schluss gezogen werden, dass die iranischen Atomforscher Varianten der Entwicklung eines Neutroneninitiators vorbereiten, der nach der Auslösung der Explosion keine reaktive Verschmutzung hinterlassen würde: Diese würde IAEO-Inspektoren ohne weiteres entdecken können.

    Für die Herstellung des Zünders wollen die Iraner angeblich Urandeuterid benutzen. Diesen Stoff verwendete Pakistan für die Entwicklung seiner Atombombe, eine Zeitlang hätten iranische Experten gerade zu den pakistanischen Know-how in diesem Bereich Zugang gehabt, wie daran Anton Chlopkow, Leiter des Moskauer Zentrums für Energie und Sicherheit, erinnert.

    Ihm drängt sich jedoch die Frage auf: "Warum haben die zuständigen Behörden, die diese Dokumente sicherlich nicht erst heute oder gestern bekommen haben, beschlossen, diese Informationen der 'Times' gerade jetzt 'zuzustecken'?" Wie der Experte sagte, "kann das einen Vorwand für die stärker werdende  Kampagne gegen Iran abgeben".

    "Nach der amerikanischen Invasion in den Irak im Jahr 2003 mussten die iranischen Behörden ihre Waffenprogramme stoppen, selbst wenn sie daran interessiert sein sollten, an Technologien für die Entwicklung eines Neutroneninitiators zu kommen", so der Experte.

    Vor zwei Jahren bestätigten die US-Nachrichtendienste, Teheran habe 2003 die Arbeiten eingestellt, merkten jedoch an: Es bestehe eine nur "mäßige Sicherheit", dass die Entwicklungen nicht spätestens Mitte 2007 wieder aufgenommen worden seien.

    Trotz der vorliegenden Verdächtigungen lasse sich sehr schwer ein endgültiger Beweis dafür finden, dass Iran ein militärisches Nuklearprogramm habe, stellt Vitali Fedtschenko, Experte des Internationalen Friedensforschungsinstituts in Stockholm, fest.

    Deshalb habe die IAEO im Jahr 2005 Ansprüche an Iran erhoben, und zwar wegen der Entwicklung von Polonium-Beryllium-Neutronenzündern. Doch habe Teheran es damals verstanden, dafür eine Erklärung vorzulegen. Anfang 2008 sei die Frage geschlossen worden.

    Quellen: "Gazeta.Ru" vom 14.12.09 und "Nesawissimaja Gaseta" vom 15.12.09.

    „Kommersant": Gazprom bleibt gelassen: Turkmenistan pumpt Gas nach China

    Gestern ist die Pipeline Turkmenistan - Usbekistan - Kasachstan - China offiziell eingeweiht worden, heißt es in der „Kommersant" vom Dienstag.

    Wie Michail Kortschemkin, Direktor von East European Gas Analysis, in seinem Beitrag für die Zeitung schreibt, handelt es sich um das erste große Pipeline-Projekt im postsowjetischen Raum, das ohne Gazprom verwirklicht worden ist. Doch der russische Gasriese erleidet dadurch keinen Schaden.

    Deswegen ist es wohl kein Zufall, dass Gazprom ebenso wie der Kreml eine neutrale Einstellung zum Projekt zeigte und es bei offiziellen Reden und Pressekonferenzen kaum erwähnte. Die russischen Medien jedoch äußerten sich häufig misstrauisch und skeptisch. Analysten und Kommentatoren hegten vor allem Zweifel, dass die turkmenischen, chinesischen und britischen Experten die Gasvorräte der Vorkommen der Iolotan-Jaschlar-Gruppe richtig eingeschätzt haben.

    Die letzte Nachricht über die „Manipulation von Angaben über die Ergebnisse der Erkundungsarbeiten und die förderbaren Vorräte" tauchte im Oktober auf, als nur noch zwei Monate bis zum Abschluss der Bauarbeiten an der Pipeline übrig waren. Doch offensichtlich haben den chinesischen Staatsölkonzern CNPC, der an der Gasförderung in Turkmenistan teilnimmt, die Argumente seiner Fachleute überzeugt, weshalb das Projekt äußerst schnell in die Tat umgesetzt wurde.
    Dennoch lässt sich mit einem unvoreingenomenen Blick auf die Situation der Schluss ziehen, dass der Bau der Transasiatischen Gaspipeline ein positives Ereignis für Gazprom ist.

    Erstens ist es für die russische Seite sehr wichtig, dass das turkmenische Gas nicht nach Europa fließen wird. Jede Andeutung auf direkte Gaskontakte zwischen Aschchabad und Brüssel sorgte für scharfe Widerworte aus Moskau. Doch eine Pipeline zwischen Turkmenistan und China sah Gazprom nie als Bedrohung für eigene Verhandlungen mit Peking.

    Zweitens ist nicht weniger wichtig, dass Turkmenistan es allmählich schaffen wird, die von Gazprom verursachten Wirtschaftsverluste auszugleichen. Wegen der einseitigen Nichterfüllung des langfristigen Vertrags und des zusätzlichen Abkommens vom 1. Januar 2009 durch den russischen Gasmonopolisten hat Turkmenistan mindestens ein Viertel seines jährlichen BIPs verloren.

    Wenn es das chinesische Projekt nicht gäbe, könnte Turkmenistan die Verhandlungen über die Errichtung der Transkaspischen Pipeline und die Teilnahme am Pipeline-Projekt Nabucco ankurbeln. Das würde Gazprom viel mehr Unannehmlichkeiten bereiten.

    Insgesamt haben sich die Richtung und die Zeit der Umsetzung des Pipeline-Projekts Turkmenistan - Usbekistan - Kasachstan - China sehr glücklich für Russand gefügt.

    RIA Novosti ist für den Inhalt der Artikel aus der russischen Presse nicht verantwortlich.