13:08 23 September 2017
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    Deutschlands Presse über Russland und GUS am 17. Dezember

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    * Süddeutsche Zeitung und Handelsblatt zu Russland-Besuch des Nato-Generalsekretärs * Die Tageszeitung, Frankfurter Rundschau und Financial Times Deutschland zu Gaidars Tod *

    * Süddeutsche Zeitung und Handelsblatt zu Russland-Besuch des Nato-Generalsekretärs * Die Tageszeitung, Frankfurter Rundschau und Financial Times Deutschland zu Gaidars Tod *

    Süddeutsche Zeitung zu Rasmussens Russland-Besuch:

    Der Kreml ist nicht der Weihnachtsmann, auch nicht im Advent. Und wenn ausgerechnet der Nato-Generalsekretär eine Wunschliste vorlegt, ist das ziemlich verwegen. Anders Fogh Rasmussen ist nach Moskau gereist, um dem Kreml ein paar Dinge abzuschwatzen, die es der Nato in Afghanistan leichter machen sollen: Waffen, Helikopter, Transit von Rüstungsgütern. Er hätte sich auch ans Christkind wenden können.

    Nicht dass Moskau den Sinn militärischer Hilfe in Frage stellen würde. Zwar sind ein paar waidwunde Afghanistan-Generäle immer noch der Meinung, dort, wo die Sowjetunion gescheitert ist, werde auch niemand anderer siegen. Die politische Führung aber ahnt, wie fatal ein Scheitern der Nato am Hindukusch, also in nächster Nachbarschaft, wäre. Aber deshalb wird Moskau Brüssel nicht mit Wohltaten überschütten. Der Georgien-Krieg, der die Nato und Russland an den Rand des militärischen Zusammenstoßes brachte, ist nicht vergessen. Davon zeugt der russische Entwurf für eine neue europäische Sicherheitsarchitektur. Diese würde die Nato, wenn sie ihr beiträte, entweder lähmen oder überflüssig machen.

    Entsprechend verhalten fielen die Reaktionen aus. In Moskau wurde der Medwedjew-Entwurf nun offiziell kaum erwähnt, zu groß waren offenbar die Gegensätze. Dies aber ist der Preis für den russischen Beistand: die Würdigung russischer Bündnisse, auch der bestehenden, wie der Organisation des Vertrags für Kollektive Sicherheit...

    Sollte Rasmussen gehofft haben, er könne ein paar Kalaschnikows abstauben, ohne Moskau entgegenzukommen, glaubt er womöglich auch an den Osterhasen.

    Handelsblatt zu Rasmussens Russland-Besuch:

    Bei einem Besuch in Moskau kündigte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen eine engere Zusammenarbeit vor allem bei Afghanistan an. Russland solle sich mit weiteren Hubschraubern, möglicherweise auch mit Ausbildern an der internationalen Mission beteiligen, sagte Rasmussen nach einem Treffen mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow laut Agenturberichten.

    Bewegung gibt es auch auf der Nato-Ebene, wo lange vor allem die osteuropäischen Mitglieder eine weitere Annäherung an Russland gebremst hatten. Wegen des Georgien-Krieges im Sommer 2008 hatte die Nato die Beratungen im Nato-Russland-Rat monatelang ausgesetzt. Nun wird der Kontakt wieder intensiver. Vergangene Woche hatte Lawrow in dem Gremium die russischen Ideen für eine "Europäische Sicherheitsarchitektur" vorgestellt. Rasmussen selbst hat versprochen, Russland frühzeitig und eng in die nunbeginnende Debatte um eine neue Nato-Strategie einzubinden. In Moskau betonte er am Dienstag, Meinungsverschiedenheiten dürften nicht davon ablenken, dass die Nato und Russland mit denselben internationalen Herausforderungen konfrontiert würden.

    Russland wiederum hat mehrfach angeboten, eine größere Rolle in Afghanistan zu spielen, das sowjetische Truppen in den achtziger Jahren besetzt hatten. Hintergrund ist die wachsende Sorge, dass eine Niederlage der internationalen Truppen gegen die Taliban auch wachsende Instabilität an der russischen Südgrenze und in Zentralasien bringen könnte.

    Die Tageszeitung zum Tod von Jegor Gaidar:

    Dem pummeligen Mann fehlte jedes Charisma. Aber er war ein integrer und unbestechlicher Politiker, eine ungewöhnliche Erscheinung besonders in Russland. Puh, der eiserne Bär nannten ihn seine politischen Freunde. Gaidar war mehr Wissenschaftler als Politiker, kompromisslos und mutig. Im Herbst 1993, als die Reaktion zum bewaffneten Staatsstreich aufrief, appellierte er an die Moskauer, die junge Demokratie zu verteidigen. Zehntausende folgten dem Ruf. In der letzten Zeit widmete er sich der Wissenschaft vor allem mit einem Ziel: die von den Machthabern gepflegten ewigen russischen Mythen zu dekonstruieren.

    Frankfurter Rundschau zum Tod von Jegor Gaidar:

    Auch Kritiker Gajdars achteten in ihm einen Mann von herausragender Intelligenz, ökonomischem Sachverstand und großer Geradlinigkeit. Die Härten seiner Schocktherapie versuchte Gajdar mit der unzulänglichen politischen Unterstützung und dem schweren Erbe der Sowjetzeit zu rechtfertigen, über das er 2006 die Studie "Der Untergang des Imperiums" verfasste. Sie lenkte den Blick auf die Zahlungsbilanzprobleme der Sowjetunion, die vom Öl- und Gaspreis abhingen.

    Wladimir Putin, der die 90er gerne als düsteren Kontrast zu seiner eigenen Präsidentschaft beschwört, lobte Gajdar als "echten Bürger und Patrioten". Gajdar selbst kritisierte jüngst Russlands politische Erstarrung, ohne aber je Putin anzugreifen. Sein Tod kam unerwartet. Aufsehen erregte allerdings eine plötzliche Erkrankung Gajdars 2006, die er auf eine Vergiftung zurückführte. Er hatte damals dunkel "Feinde der russischen Führung" verdächtigt.

    Financial Times Deutschland zum Tod von Jegor Gaidar:

    In der Ära von Wladimir Putin war Gaidar für viele Russen zu einem Symbol des Schlechten geworden. Ihm wurde angelastet, dass die Wirtschaft nach dem Ende der Sowjetunion zusammengebrochen war, die neuen Superreichen sich ganze Betriebe unter den Nagel rissen und ein Großteil der Bevölkerung zunächst verarmte. Gaidar, der nie von seiner wirtschaftsliberalen Überzeugung abwich, wird bis heute in vielen Kommentaren mit glühendem Hass verfolgt.

    Nur einige russische Liberale hingegen sprachen offen aus, was unter den meisten westlichen Ökonomen als selbstverständlich gilt: Ohne die Leistung des Teams von Gaidar, die Freigabe der Preise und die konsequente Privatisierung vieler Staatsbetriebe wäre der spätere Aufschwung des Landes nicht möglich gewesen...

    In den Nachrufen und Beileidsbekundungen, die sich nun in Russland häufen, wird Gaidar vor allem eins zugesprochen: Mut. Selbst der heutige Premier Putin, dessen Politik vielen als Versuch gilt, die Arbeit Gaidars zurückzudrehen, ließ verlauten, dieser habe sich auch "in den schwierigsten Situationen nicht unterkriegen lassen".

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