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    Russland-USA: Zahlenspiele verzögern neuen Abrüstungsvertrag * Russland soll Obama in Afghanistan aus der Patsche helfen * Russische Konzerne von schärferen US-Sanktionen gegen Iran kaum betroffen * Stahlriese Severstal sucht Käufer für US-Beteiligungen *

    MOSKAU, 17. Dezember (RIA Novosti). Russland-USA: Zahlenspiele verzögern neuen Abrüstungsvertrag * Russland soll Obama in Afghanistan aus der Patsche helfen * Russische Konzerne von schärferen US-Sanktionen gegen Iran kaum betroffen * Stahlriese Severstal sucht Käufer für US-Beteiligungen *

    „Kommersant": Russland-USA: Zahlenspiele verzögern neuen Abrüstungsvertrag

    Trotz aller Versprechen aus Moskau und Washington, den neuen Vertrag über die Reduzierung der strategischen Offensivwaffen bis Ende Dezember zu unterzeichnen, ist der Abschluss der Arbeit am Dokument auf das kommende Jahr verschoben worden, schreibt die Zeitung "Kommersant" am Donnerstag.

    Nach Angaben der Experten, die den neuen Vertrag ausarbeiten, wird das Dokument bei der im Frühjahr angesetzten Überprüfungskonferenz der UNO über den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet.

    In Moskau hat man sich damit abgefunden, dass das zweiseitige Schlüsseldokument in diesem Jahr nicht unterzeichnet wird. Das teilten Quellen aus dem Kreml mit. "Im Dezember kommt die Unterzeichnung nicht zustande. Das bedeutet aber nicht, dass unüberwindliche Hindernisse entstanden wären. Die Verhandlungen verlaufen positiv, alle haben den Wunsch, sie zu Ende zu führen", sagte eine Quelle aus dem Kreml.

    Auf den Text des Dokuments habe man sich fast völlig geeinigt, lediglich eine kurze Nachbearbeitung sei nötig. Was konkret die Unterhändler nachbearbeiten müssen, wollte die Quelle jedoch nicht sagen.

    Der Informant wagte auch nicht vorherzusagen, wann Obama und Medwedew den leidgeprüften Vertrag unterschreiben könnten: "Vor dem Aufkommen des neuen Abkommens werden sich die Seiten an die Bestimmungen des bisherigen halten. Also darf nichts überstürzt werden", hieß es.

    Die an dem Dokument arbeitenden Experten behaupten, die russischen und die amerikanischen Unterhändler hätten noch genug Stoff zur Nachbearbeitung. Wie einer von ihnen mitteilte, sind die Differenzen nicht kritisch, doch ohne eine Vereinbarung der Positionen ist ein Vorankommen undenkbar. Zu den wesentlichsten Widersprüchen zählte der Experte die noch immer nicht geregelten Meinungsverschiedenheiten darüber, bis zu welchem Stand die Seiten die Träger der Sprengköpfe zu reduzieren hätten.

    Als Beispiele für andere Kontroversen bezeichnete er das Fehlen einer Regelung über die Hinzurechnung schwerer Bomber (eine Antwort darauf, worin hier das Problem bestehe, verweigerte der Experte) sowie einer endgültigen Einigung darüber, auf welche Weise der von Russland lobbyierte Zusammenhang zwischen den strategischen Offensiv- und den strategischen Defensivwaffen, das heißt der Raketenabwehr, im Vertrag zu erwähnen sei.

    Der Experte zweifelt daran, dass die Seiten bis Januar 2010 alles regeln und an die Unterzeichnung des Vertrags würden schreiten können. "In dieser Frage darf es keine übertriebene Eile geben. Der 5. Dezember war ein unrealistischer Termin. Doch sollte die Unterzeichnung auch nicht in die Länge gezogen werden: Im Mai soll die UN-Überprüfungskonferenz über den Atomsperrvertrag stattfinden. Bis dahin sollte ein unterzeichneter Vertrag vorliegen.

    Sonst werden sowohl wir und als auch die Amerikaner scharf kritisiert werden, weil wir die Bewegung zur vollen Vernichtung der Atomwaffen verschleppt hätten", sagte der Gesprächspartner abschließend.

    „Wedomosti": Russland soll Obama in Afghanistan aus der Patsche helfen

    Der NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hat während seiner jüngsten Verhandlungen mit Präsident Medwedew und Premier Putin in Moskau um weitere Hilfe für den Afghanistan-Einsatz gebeten, schreibt die Zeitung „Wedomosti" am Donnerstag.

     Konkret handelt es sich um zusätzliche Hubschrauber, Ausbildung von Piloten und Polizisten sowie die Versorgung mit Ersatzteilen und Brennstoff.

    In Afghanistan kommen bereits Hubschrauber von russischen Privatfirmen beim Transport von NATO-Gütern zum Einsatz. Erst kürzlich sei der Beschluss über die Auslieferung von neun Mi-17B-5-Hubschraubern für die afghanische Armee verkündet worden, sagte der Experte des Zentrums für Strategien- und Technologienanalyse, Dmitri Wassiljew. Die USA wollen die afghanischen Streitkräfte mit insgesamt 186 Hubschraubern versorgen.

    Russland habe die Afghanen letztmals im Jahr 2005 mit Waffen für schätzungsweise 30 Millionen Dollar kostenlos ausgestattet, erinnerte der Experte. Die USA gaben 2006 bekannt, Waffen und Rüstungen im Wert von zwei Milliarden Dollar an Kabul zu liefern. Quellen aus dem Umfeld des russischen Waffenexporteurs Rosoboronexport zufolge ist die kostenlose Übergabe von Hubschraubern möglich. Erst kürzlich wurde ein reparierter Mi-17  an die afghanischen Sicherheitsbehörden übergeben, was allerdings nur ein Einzelfall war. Große Partien müssten bezahlt werden.

    Laut einer Quelle aus dem Umfeld des Verteidigungsministeriums hatte die NATO auch den Ankauf von russischen Rüstungen und Ersatzteilen geplant, was allerdings im Sande verlief. Die NATO wollte für ihr Büro in Moskau eine Steuerbefreiung aushandeln, was die russischen Steuerbehörden jedoch nicht akzeptieren konnten. In Bezug auf den Transit werden die meisten Güter auf dem nördlichen Weg (außerhalb des instabilen Pakistans) durch Georgien und Aserbaidschan transportiert. Deshalb kann Russlands Anteil an den Nachschubtransporten kaum gesteigert werden.

    Die jüngsten Aktivitäten der NATO gegenüber Russland für den Afghanistan-Einsatz ließen sich ganz einfach erklären, sagte Iwan Safrantschuk, Redakteur des auf Zentralasien orientierten Magazins „Großes Spiel". Der von US-Präsident Barack Obama gebilligte und sogar modifizierte Stabilisierungsplan mit westlichen Truppen sei so gut wie gescheitert und könnte nur noch durch die Beteiligung Moskaus gerettet werden, so der Experte.

    "Nesawissimaja Gaseta": Russische Konzerne von schärferen US-Sanktionen gegen Iran kaum betroffen

    Das US-Repräsentantenhaus hat gestern einem Gesetzentwurf zugestimmt, der US-Präsident Obama in die Lage versetzt, Unternehmen zu bestrafen, die Erdölverarbeitungserzeugnisse an Iran liefern. Darüber schreibt die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" am Donnerstag.

    Die Obama-Administration ist anscheinend bislang gegen die Anwendung solcher Maßnahmen. Teheran erklärte gestern, sie würden wirkungslos bleiben. Experten zufolge würden sie auch russischen Unternehmen kaum schaden.

    Im Gesetzentwurf sind die konkreten Unternehmen, die von den Sanktionen betroffen sind, nicht genannt worden. Laut Angaben ausländischer Medien erhalten die Iraner einen großen Teil des Imports von der schweizerischen Vitol, der schweizerisch-niederländischen Trafigura, der französischen Total, der schweizerischen Glencore und britischen BP sowie von der indischen Reliance.

    Nina Mamedowa, Iran-Expertin am Institut für Orientalistik an der Russischen Akademie der Wissenschaften, stellte in einem Interview für die "Nesawissimaja Gaseta" fest, dass Iran schon seit Jahren mit US-Restriktionen zu tun habe. Deshalb habe Teheran im Mai dieses Jahres infolge der Einschränkungen den Verkauf von Brennstoffen an die Bevölkerung rationieren müssen, was die sozialen Spannungen erhöht habe. Damals sei es der Islamischen Republik gelungen, die Versorgung durch illegale Lieferkanäle zu sichern.

    In Iran sei der Bau von drei neuen Ölraffinerien beinahe abgeschlossen worden, demnächst würden vier weitere folgen, sagte Mamedowa. Einige davon entstünden mit ausländischer, hauptsächlich chinesischer Beteiligung. Die Expertin hält es für wenig wahrscheinlich, dass Obama die chinesischen Firmen bestrafen werde. Ende November teilten die Iraner mit, dass die chinesische SINOPEC und die National Iranian Oil Refining and Distribution Co. eine Absichtsvereinbarung unterzeichnet hätten. In den nächsten zwei Monaten würden sie ein Abkommen über den Bau von sieben Raffinerien in der Islamischen Republik schließen. Die chinesischen Investitionen betrügen 6,5 Milliarden Dollar.

    Inzwischen versucht Iran, nachdem es sich Chinas Unterstützung gesichert hat, das wirtschaftliche und politische Interesse Russlands an einer Zusammenarbeit auszubauen. Gazprom erhielt das Angebot, am Bau der „Friedensgaspipeline" (Iran - Pakistan - Indien) teilzunehmen. Bis Jahresende sollen die Anteile der Teilnehmer an dem Konsortium, das für den Bau der Gasleitung zuständig ist, bestimmt werden. In Teheran weiß man sehr wohl, dass Russland an dem Projekt außerordentlich stark interessiert ist: Dadurch könnte verhindert werden, dass iranisches Gas in die Nabucco-Pipeline gepumpt wird, die mit dem russischen South-Stream-Projekt konkurriert.

    „Wedomosti": Stahlriese Severstal sucht Käufer für US-Beteiligungen

    Die russische Metallurgieholding Severstal sucht einen Käufer für die amerikanische Northern Steel Group, berichtet die Zeitung „Wedomosti" am Donnerstag.

    Die Summe des Deals kann mehr als 100 Millionen US-Dollar betragen.

    Nach Angaben von zwei Quellen hat Severstal anfangs fünf Angebote erhalten. Doch zum Due-Diligence-Verfahren, das im Januar bis Februar durchgeführt werden soll, seien zwei Anwärter für den Kauf der Service Center in den USA zugelassen worden.

     Severstal hatte im vergangenen Jahr mit den Aktiva von Esmark sieben Service Center in den USA erworben. Dann wurden die Zentren im Rahmen der Northern Steel Group vereint. Sie befasst sich mit der Endverabeitung und dem Verkauf von Stahlerzeugnissen. Die Kapazität beträgt eine Million Tonnen im Jahr. Das Unternehmen hat 1500 Kunden im mittleren Westen der USA.  Ein Severstal-Sprecher gab keinen Kommentar dazu ab. Doch eine dem Management des Unternehmens nahestehende Quelle bestätigte, dass die Holding mit den potentiellen Käufern verhandelt.

    Der Verkauf des Metall-Dienstleistungsunternehmens wäre logisch, sagt Analyst Dmitri Smolin von der Bank Uralsib. Dieses Geschäft sei selbst bei den Rekordpreisen für Stahlerzeugnisse kaum ergiebig gewesen. In diesem Jahr würden die US-Aktiva für Severstal nur Verluste bringen.

    Im operativen Geschäft betrugen sie in den ersten neun Monaten dieses Jahres 327 Millionen Dollar.

    Die US-Beteiligungen von Severstal bestehen aus fünf Betrieben:

    Severstal Dearborn, Severstal Columbus, Severstal Sparrows Point, Severstal Warren, Severstal Wheeling. Die letzten zwei waren bis zum gestrigen Tag nicht in Betrieb.

    Eine Einschätzung der Metall-Dienstleistungszentren fällt Smolin schwer.

    Doch Craig Bouchard, Vize-Präsident von Esmark, sagte, Severstal im November 110 Millionen Dollar für die Zentren angeboten zu haben. Mit dieser Summe kam das Unternehmen jedoch nicht durch die erste Auswahlrunde für den Käufer.

    Im Sommer hatte Severstal bereits versucht, das kleine Werk Allenport, das Severstal Wheeling angehört, zu verkaufen. Doch der potentielle Käufer, die North American Trading, verzichtete auf den Deal.

    Anfang des Jahres kamen Informationen auf, dass Severstal die amerikanischen Aktiva, für deren Konsolidierung sie 3,7 Milliarden ausgegeben hatte, vollständig verkaufen könnte. Diese Möglichkeit wurde nicht ernsthaft in Betracht gezogen, seit Sommer hatte sich die Situation auf den Märkten zum Besseren gewandt, wie eine Quelle aus dem Umfeld von Severstal berichtet.

    RIA Novosti ist für den Inhalt der Artikel aus der russischen Presse nicht verantwortlich.