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    Klimakonferenz in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen (44)
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    MOSKAU, 17. Dezember (Andrej Fedjaschin, RIA Novosti). Offenbar stehen die Sterne über der dänischen Hauptstadt nicht so günstig, wie es alle erhofft haben.

    MOSKAU, 17. Dezember (Andrej Fedjaschin, RIA Novosti). Offenbar stehen die Sterne über der dänischen Hauptstadt nicht so günstig, wie es alle erhofft haben.

    Bereits eine Woche vor Ende der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen am 18. Dezember wurde endgültig klar, dass sie nicht von einem Abkommen gekrönt sein wird; von einem "Vertrag der Verträge", der sowohl mit einer endgültigen Diagnose als auch einem genauen Rezept gegen alle Klimakrankheiten enden sollte. Für die heutigen Erdbewohner mag das halb so schlimm sein. Für jene dagegen, die auf unserem Planeten gegen 2100 leben werden, könnte dies bereits eine Tragödie sein.

    Kopenhagen war nicht einmal eine Konferenz, es gestaltete sich vielmehr zu einem heiß diskutierten Seminar über die Klimaprobleme. Die Verhandlungen und alles andere könnte man als Illusion oder eine sinnlose Lufterschütterung bezeichnen. Doch auch schon das ist ein Erfolg, denn erstmals ist zugegeben worden, dass die Luft als Gemeingut betrachtet werden kann und muss. Wenn sie etwa in der Schweiz frisch, in Rumänien jedoch schlecht ist, bedeutet das ein Übel nicht nur für das Land am Schwarzen Meer.

    Jetzt kommt es vor allem darauf an, dass das Seminar seine Fortsetzung finde. Das scheint sich anzubahnen. Am Freitag wird eine politische Deklaration oder eine gemeinsame Erklärung angenommen werden. Ein halbes Jahr später oder Ende 2010 soll anscheinend eine neue Konferenz organisiert werden. Laut Plan wird sie entsprechend dem Völkerrecht formulierte Verpflichtungen über alle konkreten CO2-Emissionen annehmen.

    Es wäre absurd und unklug gewesen, etwas anderes oder gar einen Erfolg zu erwarten. Die zweijährigen Verhandlungen vor Kopenhagen haben jedoch die Erwartungen so sehr gesteigert (selbst UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte, entweder werde Kopenhagen erfolgreich sein oder auf unserer Erde eine Katastrophe ausbrechen), dass alle Ereignisse in der dänischen Hauptstadt zwischen dem 7. und dem 18. Dezember in der Tat wie Hohn und Heuchelei aussehen.

    Das Abkommen ist nicht zustande gekommen, die Obergrenze für die CO2-Emissionen für konkrete Länder nicht festgelegt worden, die Entwicklungsstaaten haben nur ein Viertel der notwendigen Gelder erhalten, China und Indien keine konkreten, die USA aber solche Verpflichtungen übernommen, deren sich Friedensnobelpreisträger Obama schämen sollte.

    Der Süden hat sich wieder mit dem Norden verzankt. China und Indien sind gereizt, weil man sie wegen der "Grubenarbeiterkrankheit" der Lungen der Erde zu gleicher Verantwortung wie die USA und die EU ziehen will.

    Eine Einigung wurde im Grunde nur darüber erzielt, dass die Temperatur auf der Erde bis 2050 nicht mehr als um zwei Grad Celsius steigen dürfe und dass ein internationaler Fonds zur Abwendung der Abholzung der Wälder, egal ob es sich um die Regen- oder sonstigen Wälder handelt, angelegt werden müsse.

    Großbritannien, Norwegen, die USA, Japan, Frankreich und Australien haben sich verpflichtet, im kommenden Jahr sogar 3,5 Milliarden Dollar für den Erhalt des Waldes bereitzustellen. In den letzten 50 Jahren haben wir bereits 30 Prozent aller fruchtbaren Böden und 30 Prozent der Tropenwälder vernichtet. Der Raubbau am Wald fügt laut Wissenschaftlern dem ganzen Dunst der schädlichen Industrieabfälle weitere 15 bis 20 Prozent der Schadstoffe hinzu. Sie könnten von den Pflanzen absorbiert werden, wenn wir diese nicht fällen und ausrotten würden.

    Kopenhagen könnte natürlich ein globaler Erfolg werden, doch dafür hätte auf der Konferenz kein anderer als der alte gute Märchenerzähler Andersen persönlich den Vorsitz führen sollen.

    Denn weder auf der einen noch auf zwei Konferenzen (wenn man die Konferenz in Kyoto von 1997 dazurechnet), ja auch nicht auf einem Dutzend von Klimakonferenzen kann ohne eine göttliche Erleuchtung, ohne ein Wunder oder Teufelstricks die Hauptfrage gelöst werden, in der alle Initiativen der Menschheit zur Rettung des Klimas stecken bleiben: Wie geht man rasch und mit minimalen Verlusten von den fossilen Brennstoffen zu umweltverträglichen Energiequellen über?

    Über Nacht kann so etwas nicht geschehen. Die Menschheit hat noch kein einziges Mal in ihrer Geschichte Wandlungen von solch biblischem Ausmaß gewagt. Es besteht auch keine absolute Sicherheit, dass sie dazu bereit ist. Denn dazu müssen die Stützen der weltweiten Wirtschaftsordnung komplett eingerissen werden. Außerdem müsste man ein paar Milliarden Verbraucher (Wähler!) von der Energieverschwendung abgewöhnen. Die Bereitschaft jedes Politikers, sich darauf einzulassen, ist nicht einmal Altruismus, sondern bereits Selbstaufopferung.

    Deshalb gaben sämtliche Präsidenten und Regierungschefs aller "erwachsenen Industrienationen" in Kopenhagen nur Versprechen ab und übernahmen nur Verpflichtungen, die ihnen in der Heimat mit keiner „medizinischen Behandlung" drohen würden. Merkwürdigerweise erwarteten sehr viele von Präsident Obama etwas Besonderes. Im "linken umweltfreundlichen Europa" hält die "Obama-Manie" offenbar noch an. Im Vergleich zu George W. Bush, der sich bei großen internationalen Klima-Treffen niemals blicken ließ, ist Obama bereits ein Held. Aber im Vergleich mit Bush jun. scheint alles viel einfacher.

    Obamas Verpflichtung, bis 2020 die CO2-Emissionen um 17 Prozent zu senken, ist ein Mythos. Als Bezugspunkt dient dabei das Jahr 2005. Nimmt man aber das Jahr 1990, an dem die EU die Reduzierung ihrer Emissionen misst (die Union hat sich verpflichtet, sie um 20 oder sogar 30 Prozent zu kürzen, wenn die Entwicklungsländer, die USA, China und Indien einen "Gegenplan" annehmen), als Bezugspunkt, so wird diese Verringerung lediglich vier Prozent ausmachen.

    Japan und Russland haben übrigens versprochen, ihre Emissionen um 25 Prozent zu senken. Man muss jedoch betonen, dass Amerika zwischen 1990 und 2005 seine CO2-Emissionen um 18 Prozent gesteigert hat.

    Man hätte sich nicht einreden dürfen, Amerika sei allein durch die Wahl von Obama anders geworden. Die Amerikaner haben schon immer gewisse Skepsis und Feindseligkeit zu allem, was von der Alten Welt ausgeht. Das ist ein ebensolcher Anti-Europäismus wie der in Europa existierende Anti-Amerikanismus. In den USA sind nur 45 Prozent der Meinung, dass das Klima eine dringende Intervention erfordere; das sind 23 Prozent weniger als der Durchschnitt in Europa.

    43 Prozent sind überhaupt überzeugt, dass alle Klimaschäden stark übertrieben seien. Obama muss das nun einmal berücksichtigen, wenn er wiedergewählt werden will.

    Russland hatte vom Kyoto-Protokoll den größten Nutzen und wird ihn auch von Kopenhagen haben, egal wie der Ausgang auch sein mag. In Kyoto wurden 1997 Russland und übrigens auch der Ukraine Emissionsquoten zugesprochen, die Moskau wegen des beinahe kompletten Zusammenbruchs der Industrie nicht voll nutzen konnte. Zudem besitzt Russland die Genehmigung zum Verkauf der nicht genutzten Quoten an Länder, die sie übersteigen. Um hunderte Millionen. Moskau will, dass sie in jedes neue Abkommen, das Kyoto ablösen wird (wenn überhaupt), übernommen werden.

    Es ist bereits errechnet worden, dass Russland seine Emissionen bis 2020 ruhig um 30 Prozent und die Ukraine um 50 Prozent erhöhen darf. Beide Staaten dürfen auch ihre Quoten auf dem Markt verkaufen. Wenn Russland alles verkauft, wird sich die weltweite Emissionsmenge um 15 Prozent erhöhen. Bei einem kurz vor Kopenhagen abgehaltenen Treffen der Russischen Akademie der Wissenschaften mit Präsident Medwedew bemerkte eines der Akademiemitglieder, es werde eine Offensive auf die Rechte der Öl und Gas besitzenden Mächte gestartet. Offenbar wird Russland seine entsprechende Exklusivität auch weiter behaupten müssen.

    Wie immer brillierte in Kopenhagen Hugo Chavez, der quicklebendige Präsident Venezuelas. Er lief zum Rednerpult und redete nicht die ihm laut Reglement zukommenden fünf, sondern ganze 20 Minuten lang. "Wenn das Klima eine Bank wäre, eine große Bank, hätte man für ihre Rettung schon längst Geld gefunden." Dieser Hugo! Übrigens hat er recht.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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