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    Deutschlands Presse über Russland und GUS am 22.Dezember

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    Handelsblatt: Droht eine neue Gaskrise? * Der Tagesspiegel: Oligarch Lebedew will "The Independent" kaufen

    Handelsblatt: Russisch-ukrainischer Gas-Deal und Präsidentenwahl in Ukraine

    Russland hat der Ukraine kräftig den Gaspreis erhöht. Bereits ab dem 1. Januar 2010 muss das stark von der Weltwirtschaftskrise getroffene Land 300 bis 310 Dollar (209 bzw. 216 Euro) pro 1 000 Kubikmeter für den Rohstoff aus Russland zahlen. Im auslaufenden Quartal hatte Kiew nur 208 Dollar pro 1000 Kubikmeter gezahlt. Da gleichzeitig Kiew mehr Geld für den Gastransit bekommt und seinen internen Energiemarkt endlich liberalisieren will, könnte damit die Basis für marktwirtschaftliche Verhältnisse und eine Entpolitisierung des Gasstreits gelegt werden...

    Der neue Preis orientiert sich formal am Weltmarktpreis. Damit zahlt die Ukraine zum ersten Mal ähnlich hohe Preise wie die EU-Länder Tschechien, Ungarn oder Rumänien.... Im Gegenzug gibt auch Moskau für die Durchleitung der gewaltigen Gasmengen nach Europa mehr aus. Statt bislang 1,7 Dollar zahlt Gazprom 3,1 Dollar pro 1 000 Kubikmeter...

    Am 17. Januar wird ein neuer Präsident gewählt. Unklar ist jedoch, ob einer der beiden aussichtsreichsten Kandidaten, Timoschenko oder Oppositionsführer Viktor Janukowitsch im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erlangen. Für den 7. Februar ist die Stichwahl angesetzt, an jenem Tag muss die Ukraine erstmals den neuen, höheren Gaspreis für die Januarrechnung zahlen.

    "Somit könnte es in diesem Winter erneut zu einer Gaskrise kommen, wenn auch verspätet", zitiert der "Kommersant" einen Gazprom-Sprecher. Soweit will es der IWF nicht kommenlassen und stellt 2,5 Mrd. Dollar für die Gasrechnungen bis zum Wahltermin bereit.

    Der Tagesspiegel: Russlands Tycoon Lebedew will "The Independent" kaufen

    Furchtbar reiche Russen heißen Oligarchen. Alexander Lebedew ist einer, sein Vermögen wird aktuell auf zwei Milliarden Euro geschätzt. Er ist an Banken, Energiekonzernen und an der Fluglinie Aeroflot beteiligt. Oligarch heißt auch, dass Kontakte, wenn nicht mehr, zu Russlands Ober-Oligarchen, Ministerpräsident Wladimir Putin, bestehen.

    Lebedew und Putin hatten zu Sowjetzeiten denselben Arbeitgeber, den KGB. Die Wege der ExSpione trennten sich. Putin wurde Russlands neuer Zar, Lebedew eine schillernde Persönlichkeit. Er ging in die Wirtschaft, saß in der Duma, gründete mehrere Parteien, trat als Duma- und Putin-Kritiker auf und hielt trotz seiner Einwände gegen die autoritäre Kreml-Politik eine fortgesetzte Führungsrolle Putins für notwendig, um Stabilität zu gewährleisten...

    2006 erwarb er mit Michail Gorbatschow Anteile an der regierungskritischen Zeitung "Nowaja Gaseta", für die auch die ermordete Anna Politkowskaja gearbeitet hatte. Als Diplomat und KGB-Mann in London war der "Evening Standard" eine bevorzugte Nachrichtenquelle von Alexander Lebedew. Als Oligarch und Banker hat er die vom Verstummen bedrohte "Stimme Londons" gekauft, die Kaufzeitung in ein Gratisblatt verwandelt. "Es geht nicht darum, Geld zu verdienen. Dies ist eine gute Chance, Geld zu verschwenden", begründete er diesen Schritt sehr oligarchisch.

    Er muss, in der Tat, ein Haufen Geld zum Verschwenden haben, denn jetzt setzt Lebedew, der offenbar doch mehr als ein Eitelkeitsverleger ist, zum nächsten Kauf an. Der "Independent", der wie der "Standard" zu den überregional einflussreichen Tageszeitungen auf der Insel gehört, soll es werden. Möglich, dass Lebedew wieder für ein Pfund zum Zuge kommt, der liberale "Independent" ist heillos überschuldet.

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