18:52 19 August 2017
SNA Radio
    Meinungen

    Nach Kopenhagen: Was kann Russland gegen den Klimawandel tun?

    Meinungen
    Zum Kurzlink
    0 9 0 0

    MOSKAU, 22. Dezember (Andrej Fedjaschin, RIA Novosti). Der Glaube an die Klimaerwärmung ist mittlerweile eine Frage des Geschmacks geworden.

    MOSKAU, 22. Dezember (Andrej Fedjaschin, RIA Novosti). Der Glaube an die Klimaerwärmung ist mittlerweile eine Frage des Geschmacks geworden.

    Darunter eines beinahe schlechten und sogar politisch schädlichen. Eben das sehen wir am Beispiel Russlands.

    Bei der Vorbereitung auf den Klimagipfel und bei der Bewertung des Ergebnisses erlebt Russland ein eigenartiges klimatisches Phänomen: das Auftauchen eines „Klima-Feindbildes". Dabei ist der Klimagipfel eigentlich in einer Sackgasse geendet, denn der „Copenhagen Accord" ist so gut wie für niemanden verbindlich.

    Bei allem Respekt gegenüber unseren Forschern ist es allerdings eigenartig, von ihnen zu hören, dass der Kampf gegen den Klimawandel vor allem gegen die öl- und gasreichen Länder gerichtet sei. Erstens liegt es auf der Hand, dass es gilt, diejenigen anzuprangern, die die größten Mengen an Kohlenwasserstoffen auf den Markt bringen, bei deren Verbrennung die größten Mengen an Treibhausgasen entstehen. Zweitens könnten die Anprangerungen helfen, Russland vom Rausch als Energiesupermacht zu befreien.

    Außerdem ist nicht ganz klar, wer Russland außer den Umweltschützern und den Öl- und Gaskonkurrenten überhaupt anficht.  Erstere prangern alle an, für zweitere wäre eine globale Erwärmung auch keine günstige Entwicklung.

    Doch für die Versprechen, die Russland in Kopenhagen gegeben hat, muss es gelobt und nicht angeprangert werden. Beim Klimagipfel versprach Russland, die CO2-Emissionen bis 2020 um 20 bis 25 Prozent im Vergleich zu 1990 zu kürzen.

    Es ist schwer zu sagen, wie viele Schadstoffe Russland gegenwärtig freisetzt. Es gibt allgemeine, auf Durchschnittswert gebrachte Angaben der UNO und anderer internationaler Organisationen. Nach diesem Durchschnittswert befindet sich Russland mit ungefähr 11 Prozent nach China (19 Prozent aller globalen Emissionen) und den USA (18,4 Prozent) auf dem dritten Platz. Eigentlich hätte auch die EU auf dem dritten Platz landen können, wenn die Mitgliedsländer nicht auf separate Bewertungen bestanden hätten. Den vierten Platz nimmt momentan Indien ein.

    Russlands Auflagen sehen selbst im Vergleich zur EU beeindruckend aus. Die EU hat sich bereit erklärt, die Verpestung mit den Giftstoffen bis 2020 lediglich um 20 Prozent zu verringern. Später kann die EU diese Zahl auf 30 Prozent erhöhen, wenn andere Delinquenten einen ähnlichen Plan verfolgen. Da ein entsprechender Plan in der Kopenhagener Vereinbarung nicht zu finden ist, kann er außer Acht gelassen werden.

    Doch viele Verpflichtungen Russlands sind realitätsfremde Illusionen. So etwas kommt in Russland oft vor. Nach Angaben von Experten erlebte Russland von 2000 bis 2007 einen wirtschaftlichen Aufschwung. Die CO2-Emissionen stiegen jedes Jahr um 0,6 bis 1 Prozent pro Jahr. 2000 stieß die russische Industrie 60 Prozent der CO2-Menge der Sowjetunion aus. 2007 waren es bereits 65 Prozent.

    Die Krise von 2008 verringerte natürlich diese Kennzahlen, die auf einen Anstieg der Industrieaktivitäten hinwiesen. 2009 stieß Russland 35 Prozent weniger Dreck in die Luft aus als 1990. Leicht kann nachgerechnet werden, dass Russland die Emissionen bis 2020 ohnehin auf natürlichem Wege und ohne jeglichen Kraftaufwand um 25 Prozent reduzieren wird, wenn es am jetzigen Energieverbrauch und den Energieeinsparungen festhält.

    Es wäre aber sehr schön, wenn Russland außer den schmerzlosen Maßnahmen zur Rettung der Lunge der Erde auch Erfolge auf dem Gebiet verzeichnen könnte, auf dem es seit langem Nachholbedarf hat: Energieeinsparung und -insensität.

    Russland ist bei den Technologien für die Energieerzeugung hinter Europa, den USA und Japan zurückgeblieben. Fast zwei Drittel der gesamten Energie werden nach wie vor von Heizkraftwerken erzeugt. Bei den Technologien für den Energieverbrauch hinkt Russland noch viel weiter hinterher. Es verliert dadurch 45 Prozent der gesamten erzeugten Energie. Wenn Russland sie effizient nutzen könnte, statt damit die Erde zu beheizen, würde es 450 Millionen Tonnen Einheitsbrennstoff im Jahr einsparen. Auch die CO2-Emissionen könnten somit um die entsprechende Menge gekürzt werden.

    Eine letzte Bemerkung: Dass Russland von der globalen Erwärmung profitieren könnte, dass Sibirien sich in riesige Getreideflächen, Industriestandorte und Urlaubsparadiese wie die amerikanische Great Plains verwandelt, ist ein gefährlicher Irrtum. 60 Prozent des russischen Gebiets, ein Großteil davon jenseits des Urals, sind Permafrostböden.

    Selbst wenn sie auftauen würden, wird die Volkswirtschaft dadurch keinen Nutzen haben, weil diese Böden für den Lebensmittel-Pflanzenanbau ungeeignet sind. Auch die Bevölkerung in den nördlichen Regionen wird sie verlassen müssen, denn ihre Lebensweise passt nicht in ein wärmeres Klima. Südrussland und Kaukasus werden hingegen von Dürren erfasst werden.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der der RIA Novosti übereinstimmen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren