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    US-Medien verdächtigen China und Indien, Satellitenbekämpfungssysteme zu entwickeln.

    MOSKAU, 15. Januar (Ilja Kramnik, RIA Novosti). US-Medien verdächtigen China und Indien, Satellitenbekämpfungssysteme zu entwickeln.

    In einem Artikel der Zeitschrift "New Scientist" wurden entsprechende Befürchtungen geäußert.

    Bis vor kurzem wurde an Systemen zur Satellitenbekämpfung nur in zwei Ländern - der Sowjetunion/Russland und den USA - gearbeitet. Nach Meinung vieler amerikanischer Beobachter kämen jetzt China und Indien hinzu. Inwiefern sind diese Befürchtungen begründet?

    Die Rolle von Weltraumsystemen bei modernen Kriegen darf nicht unterschätzt werden. Faktisch stehen seit den 70er Jahren immer zahlreichere Prozesse der Truppenführung, der Nachrichtenkommunikation, der Ortung, Zielzuweisung, Navigation u. a. in Beziehung mit Raumapparaten, deren Bedeutung stetig zunimmt.

    Heutzutage sind die Militärmaschinerien der Armeen der meisten entwickelten Länder, darunter auch Russlands, unvorstellbar ohne eine kampffähige Satellitengruppierung, die aus zahlreichen Apparaten unterschiedlichen Typs besteht. Je höher das Land und seine Armee entwickelt sind, ein desto größeres "Gewicht" erlangt die "kosmische Staffel" in ihrer militärischen Organisation.

    Doch ist eine Weltraumgruppierung nicht unverwundbar. Seit Beginn der Entfaltung von militärischen Satelliten wurden in der UdSSR und den USA Systeme entwickelt, die für ihre Vernichtung bestimmt waren. Die Entwicklung solcher Systeme intensivierte sich, als die Entwicklung von Raketenabwehrsystemen eingeleitet wurde, in denen die Satellitenstaffel ebenfalls eine äußerst wichtige Rolle spielt. Gearbeitet wurde in verschiedene Richtungen. Es ging um die Entwicklung von weltraum-, land- und luftgestützen Systemen, das heißt von Satellitenjägern, Abfangraketen und Raketen für Kampfflugzeuge.

    Besonders hervorzuheben sind Forschungen bei der Entwicklung von weltraum- und landgestützten Lasersystemen zur Satellitenbekämpfung, die dazu bestimmt sind, Satelliten zu zerstören oder ihre Beobachtungsanlagen außer Betrieb zu setzen. In diesem Bereich sind bislang allerdings keine einigermaßen überzeugenden Ergebnisse zu verzeichnen.

    Für China, das die Rolle eines globalen "Kraftzentrums" beansprucht, hat die Entwicklung der Satellitenbekämpfungssysteme somit eine lebenswichtige Bedeutung erlangt.

    Anfang 2007 wurde nachgewiesen, dass China tatsächlich an der Entwicklung von Apparaten zur Satellitenbekämpfung arbeitet. Am 11. Januar um 22:26 Uhr Greenwicher Zeit beziehungsweise am 12. Januar um 06:26 Uhr Pekinger Zeit schoss China den eigenen Satelliten Fengyun-1C ab.

    Zum Einsatz kam eine Abfangrakete, die den Satelliten in einer Höhe von mehr als 800 Kilometer vernichtete. Der Raketentyp ist nicht genau bekannt, Quellen berichteten über ein Geschoss mit dem Index KT-1/SC-19, das eine zur Satellitenbekämpfung bestimmte Modifikation der ballistischen Mittelstreckenrakete DF-21 darstellt, die etwa 15 Tonnen schwer und beinahe elf Meter lang ist. Der kinetische Gefechtsabschnitt der Rakete (der keine Sprengladungen enthält) vernichtete den Satelliten durch einen Volltreffer.

    China ist somit das zweite Land, das eine Satellitenbekämpfungswaffe in der Praxis getestet hat. Das erste Land, das einen Satellitenabschuss verwirklichte, waren die USA: Am 13. September 1985 vernichteten sie mit Hilfe eines F-15-Jägers, der mit einer ASAT-Rakete bewaffnet war, den Satelliten P-78-1, und am 21. Februar 2008 schossen sie mit Hilfe der Rakete RIM-161 SM-3 einen USA-193-Satelliten ab.

    Die chinesischen Tests geben klar die Bereitschaft der Volksrepublik zu erkennen, notfalls Kampfhandlungen im Weltraum zu starten, was vor allem in Japan und den USA für Aufruhr sorgte. Bekannt ist, dass China gegenwärtig die Entwicklung der Satellitenbekämpfungswaffen fortsetzt, wofür es immer neue Modelle von Abfangraketen baut.

    In Bezug auf Indien liegen solch materielle Beweise für die Entwicklung von Satellitenbekämpfungssystemen nicht vor. Es gibt nur eine Erklärung des Leiters von DRDO (Defence Research and Development Organisation) über die Absicht, einen Raumapparat in Form eines Jägersatelliten, zu entwickeln. Entspricht diese Ankündigung der Realität, will Indien offenbar den Weg der Sowjetunion einschlagen, in der für den Kampf gegen feindliche Satelliten Raumapparate verschiedenen Typs entwickelt wurden, darunter die 80 Tonnen schwere Station Skif-DM, die von einer Trägerrakete Energija in die Umlaufbahn hätte gebracht werden sollen.

    Ob Indien bald in der Lage sein wird, solch einen Apparat zu bauen und in den Orbit zu bringen, ist schwer zu sagen. Wahrscheinlich wird diese Entwicklung viele Jahre in Anspruch nehmen. Viel realer ist die Möglichkeit, dass in Indien eine Abfangrakete auf der Grundlage von ballistischen Mittelstreckenraketen entwickelt werden könnte, um Satelliten abzuschießen, wie es China tat.

    In jedem Fall wird die Zahl der Länder, die Satelliten bekämpfen können, zunehmen. Alle Länder mit eigenen ballistischen Mittelstreckenraketen, darunter Iran und Nordkorea, haben dieses Potenzial. Wie das die weitere Entwicklung von militärischen Weltraumsystemen und ihre Rolle in der Kriegsmaschinerie beeinflussen wird, lässt sich heute noch schwer vorhersagen.

     Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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