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    Iran hält am Atomprogramm fest - Wann platzt den Vermittlern der Kragen?

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    Am kommenden Montag beginnen im Iran mehrtätige Feierlichkeiten anlässlich des 31. Jahrestages der Islamischen Revolution. Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat bereits angekündigt, dass während der Feierlichkeiten "erfreuliche Neuigkeiten" über die Entwicklung des Atomprogramms bekannt gegeben werden, das in der Welt bekanntlich große Besorgnis hervorruft.

    MOSKAU, 29. Januar (RIA Novosti). Am kommenden Montag beginnen im Iran mehrtätige Feierlichkeiten anlässlich des 31. Jahrestages der Islamischen Revolution. Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat bereits angekündigt, dass während der Feierlichkeiten "erfreuliche Neuigkeiten" über die Entwicklung des Atomprogramms bekannt gegeben werden, das in der Welt bekanntlich große Besorgnis hervorruft.

    Ende vergangenen Jahres hat die internationale Atomenergiebehörde IAEO ihre Angaben über das iranische Atompotenzial nach dem Stand vom November 2009 veröffentlicht. Die Zahl der Urananreicherungszentrifugen in Natans beläuft sich laut diesen Informationen auf 3 936 Stück. Zu beobachten ist ein Rückgang der Zahl der in Betrieb befindlichen Zentrifugen gegenüber dem August 2009 um 656 Stück.

    Darüber hinaus verfügt der Iran über weitere 4756 Zentrifugen, die noch nicht beladen sind. Damit wird die Gesamtzahl der Zentrifugen auf 8692 Stück geschätzt - 384 mehr als die Zahl, die im IAEO-Berich vom August (8308) angegeben wurde.

    Ende Oktober inspizierten IAEO-Experten den vor kurzem ermittelten Urananreicherungswerk Fordou, der 20 Kilometer nördlich der Stadt Qum gebaut wird. Dort sind zwar vorerst keine Zentrifugen montiert, die geplanten Kapazitäten des Betriebs bieten aber die Möglichkeit, rund 3 000 Zentrifugen vom Typ R-1 aufzustellen.

    Iranische Offizielle teilten allerdings mit, dass der Betrieb während des Bauprozesses im Interesse der Anwendung modernerer Zentrifugen vervollkommnet werden könnte. Der Betrieb soll 2011 der Bestimmung übergeben werden. Die IAEO-Experten stellten fest, dass im Betrieb bereits diverse Ausrüstungen in großem Umfang untergebracht sind. Allerdings sei er vorerst nicht an die Strom- und Wasserleitung angeschlossen.

    Die IAEO hat Fragen an den Iran hinsichtlich der Zweckbestimmung dieses Werkes und dessen Platz im Atomprogramm des Landes. Wozu hatte es Iran nötig, einen neuen Betrieb zu bauen, um dort veraltete R-1-Zentrifugen zu montieren? Wie der Iran erklärte, ist Fordou für den Fall bestimmt, wenn der Betrieb in Natans zerbombt wird. Es wäre allerdings unwahrscheinlich, dass Fordou im Falle eines Krieges weiterhin angereichertes Uran zu zivilen Zwecken produzieren würde. Höchstwahrscheinlich würde dann dieser Betrieb hoch angereichertes und waffenfähiges Uran herstellen.

    In diesem Zusammenhang stellte die IAEO fest, dass der ermittelte Betrieb in Fordou Grund zur Annahme liefert, dass sich auf dem Territorium des Irans auch andere geheime Betriebe dieser Art befinden.

    Einige Optimisten hofften darauf, dass der Iran im Endeffekt das Angebot der Sechsergruppe der Vermittler und der IAEO akzeptieren wird, demgemäß rund 1 200 Kilogramm 3,5prozentig angereichertes iranisches Uran nach Russland geliefert wird, wo es auf 19,75 Prozent nachgereichert werden sollte. Anschließend sollte es zur Herstellung von Brennstäben nach einer US-Technologie nach Frankreich geliefert werden. (Der Reaktor in Teheran ist amerikanischer Herkunft und wurde in der zweiten Hälfte der 60-er Jahre an den Iran geliefert.)

    Die meisten Beobachter erwarteten allerdings keine konstruktive Antwort Teherans auf das Angebot der Vermittlergruppe. Grund für die Skepsis lieferte das bisherige Verhalten Teherans in den zurückliegenden sieben Jahren.

    So ignorierte Teheran das Angebot Russlands über einen Beitritt Irans zu einem internationalen Konsortium für die Spaltstoffproduktion auf dem Territorium Russlands, unter anderem für die iranischen AKWs. Eine Zustimmung Teherans hätte dabei die meisten Fragen aus der Welt geschafft. Dies hätte dem Iran auch den Weg zur Umsetzung eines militärischen Atomprogramms erschwert.

    Zugleich hätte der Iran damit Zugang zu Investitionen, den neuesten Technologien, Waren und Dienstleistungen von Ländern und Unternehmen aus der ganzen Welt bekommen. Die Sanktionen gegen den Iran hätten sich dann erübrigt.

    Weder damals noch heute ist Teheran jedoch eindeutig geneigt, wenn es schon auf die militärischen Perspektiven seines Atomprogramms verzichtet (diese lassen sich vorerst nicht eindeutig feststellen), dann keinesfalls auf die Möglichkeit, die Welt damit zu erpressen.

    Teheran manövriert weiter und unterbreitet immer neue Vorschläge. Im Grunde genommen läuft alles auf eine Verzögerung der Verhandlungen hinaus.

    Viele Iran-Experten schließen dabei nicht aus, dass es in Teheran angesichts der äußerst komplizierten innenpolitischen Lage (darunter auch innerhalb der Machtspitze) keine einheitliche Meinung hinsichtlich einer Überwindung der "Atomkrise" gibt. Immerhin sind aus Teheran äußerst unterschiedliche und zuweilen einander widersprechende Äußerungen zu vernehmen, die von verschiedenen Ebenen abgegeben werden.

    Insgesamt entsteht aber der Eindruck, dass die iranische Führung weiterhin die Geduld ihrer Verhandlungspartner testet. Dank der Position Russlands gelingt es Moskau vorerst, ihre Partner in der Sechsergruppe von radikalen Schritten abzuhalten.

    Die weitere Politik Teherans kann aber auch Russland die restlichen Argumente für eine friedliche und gegenseitig vorteilhafte Lösung des iranischen Atomproblems aus der Hand nehmen, was zu einer tiefen politischen, wirtschaftlichen oder sogar militärischen Krise führen könnte.

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