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    Deutschlands Presse über Russland und GUS am 02. Februar

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    Wütende Bürger trotz Wirtschaftsaufschwung * Russlands Zentralbank erwartet BIP-Wachstum um fünf Prozent * Strenger Winter kommt Gasprom gelegen

    Handelsblatt.com: Wütende Bürger trotz Wirtschaftsaufschwung in Russland

    Die Wut der Russen über die Anti-Krisen-Politik ihrer Regierung kochte am Wochenende über: In Kaliningrad demonstrierten mehr als 10 000 Menschen auf des Platz des abgerissenen Königsberger Stadtschlosses gegen Regierungschef Wladimir Putin. Auch anderswo gab es Massenproteste...

    Das Schreckensjahr 2009 ging mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 7,9 Prozent zu Ende, wie die Statistikbehörde Rosstat gestern mitteilte. Die Russen tragen somit zwar die "rote Laterne" unter den BRIC-Staaten, aber Analysten hatten mit einem Minus von 8,5 Prozent gerechnet. Sie wähnen Russland jetzt auf dem Weg zur Erholung.

    Finanzminister Alexej Kudrin rechnet für das neue Jahr mit einem BIP-Plus von 3,1 Prozent, aus Sicht von Analysten der Staatsbank VTB sind sogar 4,9 Prozent möglich. Rosbank-Analyst Maxim Oreschkin erwartet einen Anstieg von 3,5 Prozent, der bei stabilen Ölpreisen von einer verbesserten Kauflaune der Verbraucher getragen werde...

    Putins Subventionspolitik reißt tiefe Löcher in den Staatshaushalt: Im vergangenen Jahr musste Finanzminister Alexej Kudrin nach mehreren Jahren mit Haushaltsüberschüssen ein Budgetdefizit von 6,8 Prozent verbuchen, das nach Schätzungen bis 2012 auf 16 Prozent steigen wird. Zur Deckung des Defizits reichen die Rücklagen aus den russischen Staatsfonds nicht aus. Noch in der ersten Hälfte des laufenden Jahres wird sich Russland auf dem Eurobond-Markt zurückmelden, um aufs Jahr gerechnet Anleihen im Wert von 17,8 Mrd. Dollar zu platzieren.

    Die trotz allem noch relativ geringe Staatsverschuldung bezeichnete Finanzminister Kudrin in einem Fernsehinterview als "die Geheimwaffe Russlands". Verglichen mit Ländern wie Italien, Japan oder Großbritannien sei die Auslandsverschuldung mit 8,2 Prozent des BIP im Jahr 2010 äußerst niedrig und ein Wettbewerbsvorteil auf den internationalen Kapitalmärkten...

    Die Demonstranten in Kaliningrad werden solche Nachrichten nicht beruhigen. In der Provinzregion liegt die Arbeitslosenquote weit über zehn Prozent - Tendenz steigend. Der Handel mit EU-Nachbarländern wie Polen und Lettland ist zusammengebrochen und die Kleinbetriebe kämpfen ums Überleben. Umso mehr hofft man in Moskau auf einen starken Aufschwung, der das ganze Land erfasst, ehe in der Provinz noch weitere Fässer überlaufen.

    Süddeutsche Zeitung: Russlands Zentralbank erwartet fünfprozentiges BIP-Wachstum

    Russlands Wirtschaft hat im vergangenen Jahr den größten Rückgang seit 15 Jahren erlitten. Nach Angaben des Statistikamtes sank 2009 das Bruttoinlandsprodukt um 7,9 Prozent und damit stärker als in den großen Industriestaaten. Besonders betroffen war unter anderem die Baubranche mit einem Einbruch von mehr als 16 Prozent. In den Jahren zuvor hatte Russland jeweils hohe Wachstumsraten erzielt, im Jahr 2008 waren es trotz der einsetzenden Krise noch fünf Prozent...

    Der stellvertretende Vorsitzende der russischen Zentralbank, Alexej Uljukajew, rechnet bereits für dieses Jahr mit einem deutlichen Aufschwung und einer Wachstumsrate von fünf Prozent. Die russische Regierung sprach dagegen lediglich von 3,1 Prozent...

    Die weitere Stimmung wird vor allem davon abhängen, wie sich die Zahl der Arbeitslosen in Russland entwickelt. Seit Beginn der Krise im Herbst 2008 sind landesweit 940 000 Arbeiter entlassen worden. Bisher gab es immer nur vereinzelt Proteste gegen die Moskauer Wirtschaftspolitik. An diesem Wochenende versammelten sich in Kaliningrad jedoch 12 000 Menschen, die zunächst ihren Unmut über den Gouverneur Georgij Boos äußerten, dann ihre Kritik aber auch gegen Regierungschef Putin richteten.

    Moskau will unbedingt soziale Unruhen in Russland vermeiden. Besonders aufmerksam verfolgt die Regierung daher die Lage in den Hunderten sogenannten Monostädten, die im Wesentlichen von einem einzigen Arbeitgeber abhängen. In einem Pilotprojekt plant Putin nach einem Bericht der Zeitung Wedomosti, etwa 500 Familien aus der Autostadt Togliatti in die Nähe von St. Petersburg umzusiedeln. In Togliatti hatte der angeschlagene Hersteller Awtowas angekündigt, 27 000 Stellen abzubauen. Ein anderes Beispiel ist die Wiederinbetriebnahme einer umstrittenen Papier- und Zellulosefabrik am sibirischen Baikalsee. Diese hatte im Zuge der Wirtschaftskrise schließen müssen, darf demnächst ihre Produktion auf Erlass von Putin jedoch wieder fortsetzen. Fast die Hälfte aller Arbeitnehmer in der Stadt Baikalsk sind in dem Werk angestellt.

    F. A. Z.: Strenger Winter kommt Gasprom gelegen

    Die langanhaltende Frostperiode sorgt in der Moskauer Zentrale des russischen Erdgaskonzerns Gasprom für bessere Stimmung. Das staatlich kontrollierte Unternehmen war 2009 von einem Nachfragerückgang stark getroffen worden, ein strenger Winter kann nun helfen, die Bilanz aufzubessern...

    Die geringere Wirtschaftsaktivität in Europa schlägt sich in den Gasprom-Zahlen mit einem deutlichen Rückgang der gelieferten Erdgasmenge nieder. In den ersten neun Monaten des Jahres 2009 sank das abgenommene Volumen um 11 Prozent auf 123,3 Milliarden Kubikmeter. Der durchschnittliche Preis in Dollar für Europa bestimmtes Erdgas fiel um 27 Prozent, am Heimatmarkt und in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion konnte Gasprom dagegen höhere Preise durchsetzen. Stark gewachsen sind die Nettoschulden des ohnehin hochverschuldeten Konzerns...

    Der Nachfragerückgang im einträglichen Geschäft mit den europäischen Abnehmern ist gepaart mit einem stärkeren Wettbewerbsdruck durch andere Anbieter, so dass Gasprom auch einen Rückgang des Marktanteils in Europa hinnehmen musste. Die starke Entwicklung der Produktion von Erdgas aus Tonschiefer in den Vereinigten Staaten ließ vermehrt die Erzeuger von verflüssigtem Erdgas nach Europa drängen. Dies führte zu einem Verfall der Preise an den Spotmärkten...

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