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    Hitzestrahl im Himmel: USA testen neue Laserwaffe

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    Die US-Raketenabwehragentur (Missile Defense Agency) hat eine luftgestützte Laserkanone erfolgreich getestet.

    MOSKAU, 15. Februar (Ilja Kramnik, RIA Novosti). Die US-Raketenabwehragentur (Missile Defense Agency) hat eine luftgestützte Laserkanone erfolgreich getestet.

    Am 12. Februar zerstörte ein Prototyp für Laserwaffen zwei ballistische Ziele - Modelle von flüssig- und feststoffgetriebenen Raketen mittlerer Reichweite.

    Das Projekt des „fliegenden" Lasers (Airborne Laser, ABL) ist eines der anspruchsvollsten und langfristigen Programme in der US-Raketenabwehr. Die ersten Forschungen auf diesem Gebiet fanden in den USA bereits in den 1970er Jahren statt. Damals wurde das Flugzeug NKC-135ALL gebaut, welches aus dem Tankflugzeug KC-135 umgebaut wurde.

    An Bord dieses Fluglabors wurde ein zehn Tonnen schweres und 0,4 bis 0,5 Megawatt starker CO2-Laser der Firma United Technologies installiert. Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre hat diese Maschine mehrere Tests bestanden, bei denen die Möglichkeit der Errichtung eines solchen Systems bewiesen wurde. Die Reichweite dieses Lasers lag jedoch nur bei wenigen Kilometern, was eine militärische Zukunft des Systems ausschloss.

    1985 konnte mit dem Laserstrahl während eines Bodentests ein Kilometer entfernter Brennstoffbehälter der Rakete Titan-1 erhitzt und gesprengt werden, der eine russische interkontinentale ballistische Rakete darstellte. Diese Tests als auch die Versuche mit der NKC-135ALL fanden im Rahmen der US-Verteidigungsinitiative SDI (Strategic Defense Initiative) statt. Sie konnten aber nicht den Aufbau eines realen Raketenabwehrsystems auf der Basis „fliegender Laser" garantieren - die meisten technischen Hindernisse blieben ungelöst.

    Auch die Sowjetunion arbeitete an ihrem „Fluglaser"-Projekt - auf der Basis der Transportmaschine Il-76 wurde die A-60 entwickelt. Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurden die Forschungen in diesem Bereich nahezu eingestellt. Erst im vorigen Jahr wurde aber von einem Neustart des A-60-Programms berichtet.

    In den USA wurde die Entwicklung des „fliegenden Lasers" in der zweiten Hälfte der 90er Jahre wieder aufgenommen, als der Aufbau eines nationalen Raketenabwehrsystems auf die Tagesordnung gesetzt wurde. Anfänglich sollten bis 2012 zwei Prototypen und fünf Flugzeuge in Serie gebaut werden, doch die Kosten nahmen in kürzester Zeit rasant zu. Daher wurde beschlossen, den Aufbau des Systems einzuschränken. Zunächst verzichtete Washington auf einen Prototyp bis 2012. Im vergangenen Jahr wurde beschlossen, dass auch die zweite Maschine nicht notwendig sei. Damit wurde nur die Arbeit am ersten Prototyp YAL-1 fortgesetzt, die 2000 begonnen hatte.

    Wozu ist der US-amerikanische fliegende Laser wirklich fähig? Bisher wurden keine klaren Informationen über dessen Eigenschaften nach den Tests vom 11. Februar bekannt gegeben, aber einige Schlüsse können bereits gezogen werden. An Bord der YAL-1 wurden drei Laser installiert: der Laser TILL (Track Illuminator Laser) ist für die Ortung und Begleitung (Beleuchtung) des Ziels sowie für die Korrektur der Parameter des optischen Lasersystems bestimmt, mit dem das Ziel getroffen werden soll. Der zweite Laser BILL (Beacon Illuminator) wird für den Ausgleich von atmosphärischen Störungen genutzt. Der dritte Laser ist der aus sechs Modulen bestehende Laser HEL.

    Die YAL-1-Maschine kann ballistische Raketen während ihrer Startphase abschießen. Dabei darf das Ziel nicht weiter als 200 bis 250 Kilometer entfernt liegen. Die Distanz wird durch die Leistungsfähigkeit der Anlage sowie das Sinken der Strahlenergie in der Atmosphäre eingeschränkt. Weitere Hindernisse bilden atmosphärische Störungen, die die Zielerfassung und den Abschuss erschweren.

    Auch der Effekt des elektrischen Gasdurchschlags im starken Laserstrahl lässt sich bislang nicht überwinden. Die Konstruktion des Flugzeugs schränkt die Leistungsfähigkeit der Laserkanone ebenfalls ein: Beim Betrieb des Lasers wird der Flugzeugrumpf übererhitzt, was zum Absturz der Maschine führen kann.

    Zudem kann das System nicht schnell genug schießen. All dies schränkt die Möglichkeiten des heutigen ABL-Systems auf den Abfang von einzelnen Raketenstarts aus kurzer Distanz ein. Die Abwehr eines massiven Angriffs mit atomaren Raketen scheint gegenwärtig und in den nächsten zwei bis drei Jahrzehnten unmöglich zu sein.

    Bei einem hypothetischen Konflikt zwischen Russland und den USA müssen die Abfangflugzeuge sich im russischen Luftraum befinden, um die aus Russland gestarteten Raketen vor Abschluss der aktiven Flugphase und Abtrennung der Gefechtsköpfe (drei bis fünf Minuten je nach Typ der Rakete) abzufangen. Trotz der vielen Probleme des russischen Luftabwehrsystems ist es kaum möglich, dass im Kriegsfall B-747-Maschinen den russischen Himmel ungeschoren patrouillieren.

    Eine etwas größere Bedrohung stellen die luftgestützten Laser für die strategischen Atomkräfte auf der See dar. Die U-Boote befinden sich näher an den Grenzen der Hoheitsgewässer, oft auch außerhalb.

    Doch ihre Verborgenheit erschwert die Wahl der Stellung für den fliegenden Laser erheblich. Während des Starts kann das laserbewaffnete Flugzeug zu weit entfernt vom Ziel für einen erfolgreichen Abfang sein.

    Deswegen stellt dieses Projekt in dem jetzigen Zustand nur für Länder wie Iran und insbesondere Nordkorea eine Bedrohung dar, denn ihr Terrain erlaubt ihnen keine Stützpunkte in einem sicheren Abstand zu ihrer Grenze. Doch in der Zukunft kann die Laserkanone zur mächtigeren Waffe werden.

    Dazu muss seine Leistungsfähigkeit erhöht werden. Die Waffe muss zudem auf suborbitalen Hyperschall-Trägern installiert werden, die in den oberen Schichten der Atmosphäre angewendet werden können, wo der atmosphärische Einfluss fast nicht zu spüren ist. Diese Perspektive kann sich in mehreren Jahrzehnten abzeichnen.

    Die Stationierung von solchen Waffen auf Weltraumapparaten hat kaum eine Aussicht auf Erfolg, solange das Problem des plötzlichen Anstiegs des Gewichts der Ladung, die auf den Orbit gebracht wird, nicht gelöst ist. Ohne die Lösung des Problems ist die Stationierung eines entsprechend starken Lasers im Weltraum nicht möglich.

    Die Entwicklung der Laserwaffen kann nicht bekämpft werden. Gesetzliche Einschränkungen des technischen Fortschritts sind selten wirksam. Deswegen muss die mögliche neue Phase des Rüstungswettlaufs schon jetzt vorbereitet werden.

    Die ballistischen Raketen, die Russland gegenwärtig entwickelt, werden im Hinblick auf die Notwendigkeit des Durchbruchs des Raketenabwehrsystems, auch einer Laserabwehr, geschaffen. Die aktive Flugbahnstrecke der neuen Raketen wird kürzer. Die Rakete kann auf dieser Strecke manövrieren, was die Zielerfassung erschwert. Experten nennen auch mehrere andere Maßnahmen, die die Rakete vom Laserstrahl schützen können.

    Selbstverständlich muss auch Russland auf diesem Gebiet forschen: Sowohl um die Möglichkeit zu haben, selbständig „fliegende Laser" zu bauen, als auch um ihnen effizient entgegenwirken zu können. In dieser Hinsicht sind die Meldungen über die Wiederaufnahme des A-60-Programms, eines Pendants des US-ABL-Systems, besonders aktuell.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der der RIA Novosti übereinstimmen.

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