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    US-Raketenschild in Rumänien: Obama auf Bush-Kurs

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    In diesem Monat sind Nachrichten aus Rumänien gekommen, die unangenehm für Moskau sind.

    MOSKAU, 25. Februar (Wladimir Jewsejew für RIA Novosti). In diesem Monat sind Nachrichten aus Rumänien gekommen, die unangenehm für Moskau sind.

    Der rumänische Präsident Trajan Basescu zeigte sich bereit, in seinem Land bodengestützte Abfangraketen mittlerer Reichweite aufstellen zu lassen, die als Element des US-Raketenschilds dienen sollen. Ausgerechnet in Rumänien soll bis 2015 das bodengestützte Aegis-Lenkwaffensystem mit SM-3-Raketen errichtet werden.

    Natürlich gefährdet dieses System nicht die nationalen Interessen Russlands, weil es keine bodengestützten ballistischen und Flügelraketen mittlerer (1000 bis 5500 Kilometer) und kleinerer (500 bis 1000 Kilometer) Reichweite hat. Bis Juni 1991 wurden derartige Raketen in Übereinstimmung mit einem sowjetisch-amerikanischen Vertrag verschrottet. Dennoch äußerte Moskau seine Besorgnis um Washingtons Absichten, wofür es mehrere Gründe gibt.

    Erstens wurde Moskau über die Raketenabwehrpläne nachträglich informiert, obwohl Washington zuvor sein Interesse an einem „Neustart" in den Beziehungen zu Russland beteuert hatte. Dabei wurden auch die gemeinsamen Erklärungen der Präsidenten Dmitri Medwedew und Barack Obama vom 1. April und 6. Juli 2009 ignoriert, dass Russland und die USA im Raketenabwehrbereich gleichberechtigt kooperieren sollten.

    Doch nach dem letzteren Dokument hätten die Experten beider Länder mögliche Raketengefahren gemeinsam analysieren und entsprechende Hinweise formulieren sollen. Außerdem hatten Moskau und Washington vereinbart, die Einrichtung eines Datenaustauschzentrums zu beschleunigen, das zur Basis für das gemeinsame Frühwarnsystem für Raketenstarts werden sollte.

    Stattdessen ist die US-Führung den Weg der früheren republikanischen Administration gegangen, die vorgeschobene Raketenabwehranlagen um jeden Preis stationieren wollte. Dementsprechend zweifelt man jetzt in Moskau daran, dass Washington tatsächlich an echten Partnerbeziehungen interessiert ist.

    Zweitens hat Washington keine Informationen bezüglich der Zahl der in Rumänien zu stationierenden Abfangraketen, ihrer Stützpunkte, der möglichen Abfanghöhen und der Lenkungsverfahren von Abfangraketen angegeben. Angesichts dessen ist es derzeit kaum möglich, über die wahren Umrisse des künftigen Raketenabwehrsystems zu sprechen.

    Dennoch kann man vermuten, dass in Rumänien statt des noch nicht aufgebauten bodengestützten Raketenkomplexes SM-3 ein mobiles Raketenabwehrsystem THAAD stationiert wird. Es besteht aus einer Radaranlage mit der Reichweite von ungefähr 1000 Kilometern, die beispielsweise in Bulgarien stationiert werden könnte, und den Abfangraketen, die Ziele in einer Höhe von 100 bis 150 Kilometern und in einer Entfernung von bis zu 200 Kilometern abschießen können.

    Drittens wollen die USA bis 2018 mobile Batterien mit SM-3-Raketen in Polen stationieren. Dabei entsteht die logische Frage über die Zweckmäßigkeit dieser Entscheidung, denn das THAAD-System ist nicht in der Lage, ballistische Interkontinentalraketen abzufangen, was für den Schutz der USA vor zwar sehr unwahrscheinlichen, aber dennoch möglichen Raketenangriffen aus Iran erforderlich wäre.

    Während die Aufstellung von THAAD-Batterien in Rumänien noch durch die europäischen Sicherheitsinteressen in Bezug auf die anwachsende „Atomkrise" mit Iran begründet werden kann, werden die ähnlichen Raketenabwehranlagen in Polen Europa nicht vor iranischen, sondern vor russischen Raketen „beschützen". Obwohl eine solche Situation, in der diese Verteidigung nötig wäre, kaum vorstellbar ist.

    Aus dieser Sicht sollte auch die Entscheidung des polnischen Verteidigungsministeriums bewertet werden, die US-Luftabwehrraketen Patriot in der Stadt Morag unweit der russischen Grenze zu stationieren. Ursprünglich sollten diese Raketenabwehranlagen (Modifikationen PAC-2 und PAC-3) in einem Vorort Warschaus aufgestellt werden. Das würde die Lösung der Aufgaben der Raketenabwehr mittels Patriot-Luftabwehrraketen ermöglichen. Der neue Stationierungsort der Patriot-Batterie schließt aber die Lösung der Raketenabwehraufgaben nahezu aus und beweist die gegen Russland gerichtete Außenpolitik Polens und die Tatsache, dass Warschau dabei Washingtons Unterstützung genießt.

    Viertens räumt der Kreml zwar ein, dass die Aufstellung der US-Raketenabwehranlagen in Rumänien keine rechte Gefahr für Russland ist und das strategische Gleichgewicht zwischen Moskau und Washington nicht ändern kann. Doch die USA wollen bis 2018 bzw. 2020 noch stärkere Abfangraketen in Europa installieren, die womöglich sogar silogestützt sein werden.

    In Frage kämen dabei beispielsweise modernisierte SM-3-Raketen mit intensiverer Beschleunigung und größeren Abfanghöhen (mehr als 1000 Kilometer), die nicht nur Sprengköpfe von ballistischen Interkontinentalraketen, sondern auch russische ballistische Raketen in der Startphase abfangen könnten. In einem solchen Fall sollte der Abfang automatisch erfolgen, denn die aktive Flugphase der russischen feststoffgetriebenen Interkontinentalrakete Topol-M beträgt lediglich zwei Minuten, was allerdings wesentlich die Hürde für den Einsatz von Atomwaffen senkt. 

    Leider sehen derartige Beschlüsse der Obama-Administration die Beteiligung Russlands und dessen nächster Verbündeten an der Gestaltung des europäischen Sicherheitssystems nicht vor, wodurch dieses nicht nur an Effizienz verliert, sondern auch gegen Russland ausgerichtet sein wird.

    Viel vernünftiger wäre es wohl, von der Verdrängung Moskaus auf die europäische Peripherie abzurücken, dafür aber ein einheitliches euroatlantisches Sicherheitssystem zu errichten, unter anderem im Raketenabwehrbereich.

    Zum Verfasser: Wladimir Jewsejew ist Militärexperte am Institut für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen der Russischen Akademie der Wissenschaften.

    Die Meinung des Autors muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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