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    Deutschlands Presse über Russland und GUS am 05. März

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    Handelsblatt: Alexander Lebedew. Der Spion, der das Zeitungsgeschäft liebt / Nahtloser Übergang zum Investor / Süddeutsche Zeitung: Abschied von Putins Skilehrer

    Handelsblatt: Alexander Lebedew. Der Spion, der das Zeitungsgeschäft liebt

    Der ehemalige Agent des russischen KGB steht kurz davor, ein Herzstück der englischen Presse zu übernehmen: die liberale Tageszeitung "The Independent"

    Aufstieg zum Verleger

    Der Mann gibt Rätsel auf, er provoziert - nicht nur, wenn es um sein Verhältnis zu seiner Heimat geht. Derzeit ist es sein Aufstieg zu einem der wichtigsten Verleger in Großbritannien, der Branchenexperten unheimlich erscheint.

    Alexander Lebedew, der vor 20 Jahren für den russischen Geheimdienst KGB in London arbeitete und damals die britische Presse nach Informationen für seinen Arbeitgeber scannte, dieser Mann ist kurz davor, die angeschlagene liberale Tageszeitung "The Independent" zu kaufen.

    Es wird seine zweite britische Zeitung sein. Vor gut einem Jahr hat er bereits den "Evening Standard" übernommen und vor der Pleite bewahrt. Und jetzt fragen sich die Briten erneut: Was hat dieser Mann eigentlich vor?

    Vermutungen gibt es viele: Lebedew wolle PR für seine Heimat machen, sagen die einen. Die Zeitungen seien eine Eintrittskarte in die wichtigen gesellschaftlichen Zirkel Englands, sagen andere. Oder: Er sei auf politischen Einfluss aus und darauf, seine Zeitungen für die Förderung anderer Geschäfte einzuspannen. Lebedew betreibt Hotels und Fluglinien, darunter die deutsche Fluggesellschaft Blue Wings, die Insolvenz angemeldet hat.

    Lebedew beteuert: "Ich möchte helfen, eine demokratische Institution zu bewahren." Und weiter: "Ich will investigativen Journalismus fördern. Das ist meine gesellschaftliche Verantwortung."

    Die britischen Journalisten hat er damit nicht überzeugt. Häufig fällt ein Begriff, wenn sie über den 50-Jährigen schreiben: Er sei "geheimnisvoll", ein "mystery man".

    Es sind vor allem drei Dinge in seinem Leben, um die sich Geheimnisse ranken: Unter welchen Umständen hat er den KGB verlassen? Wie ist er zu seinen Milliarden gekommen? Und warum darf er den Kreml ungestraft kritisieren?

    Bis 1992 arbeitet Lebedew für den KGB in London, bevor er nach Moskau zurückkehrt und sich als Unternehmer versucht. Mit Erfolg. Er kauft eine Bank, später kommen eine Beteiligung an Gazprom hinzu, Anteile an Telekom- und Lebensmittelfirmen. Lebedew besitzt zudem die russische Zeitung "Nowaja Gaseta", bei der die Kreml-kritische Journalistin Anna Politkowskaja bis zu ihrer Ermordung vor vier Jahren gearbeitet hat.

    Nahtloser Übergang zum Investor.

    Der Übergang vom KGB-Agenten zum Unternehmer ist so nahtlos, dass er viele Beobachter stutzig macht. Doch bislang hat ihm keiner nachweisen können, dass er schmutzige Geschäfte betrieb. Die Journalisten der linksliberalen britischen Tageszeitung "Guardian" haben fast ein Jahr recherchiert, mit alten Weggefährten Lebedews gesprochen, mit Freunden und Kritikern. Auf Skandalöses sind sie dabei nicht gestoßen.

    Auch als Verleger agiert er anders, als vor allem die Mitarbeiter des "Evening Standard" zunächst befürchtet hatten. "Er mischt sich nicht in die Berichterstattung über Russland ein", sagt ein Redakteur.

    Lebedew hat etwa 30 Mio. Pfund in die einzige Abendzeitung Großbritanniens investiert. Er hat sie in ein Gratisblatt umgewandelt und die Auflage auf 600000 mehr als verdoppelt. Noch ist unklar, ob der "Evening Standard" auf Dauer von Anzeigen leben kann. Lebedew selbst macht sich keine Illusionen: Das Zeitungsgeschäft biete eher die Möglichkeit, Geld zu verschleudern, soll er mal gesagt haben, als Geld zu machen.

    Von Katharina Slodczyk

    Süddeutsche Zeitung: Abschied von Putins Skilehrer

    Plötzlich gab es diese Lungenentzündung, er muss sie aus Vancouver mitgebracht haben. Leonid Tjagatschow sei am Mittwoch von seinem Amt als russischer Olympia-Chef zurückgetreten, erklärte ein Vertreter des nationalen Olympischen Komitees. Er musste das dann schnell wieder zurücknehmen, denn Tjagatschows persönlicher Sprecher sagte, so weit sei es noch nicht. Die Iswestija wollte Klarheit, also rief sie im Büro von Tjagatschow an, der nicht nur russischer NOK-Präsident, sondern auch Mitglied des Föderationsrates ist. Dort hieß es überraschend, er könne kaum noch sprechen und sei in eine Spezialklinik gebracht worden. Doch davon war am Donnerstag schon keine Rede mehr. Aufgeräumt und mit klarer Stimme bestätigte er der Nachrichtenagentur Interfax jetzt seinen Rücktritt. ,,Ich trete als Patriot auf, als Sportsmann, als Trainer, als Mensch, der eine Ehre und Würde hat", sagte er: ,,Aber es ist keine Antwort auf das Abschneiden bei den Olympischen Spielen."

    Tjagatschow ist das erste Opfer des russischen Olympia-Fiaskos. Da half es auch nicht, dass er der persönliche Skilehrer von Premier Wladimir Putin ist. Vier Jahre vor den Winterspielen im eigenen Land, in Sotschi, erreichte Russland in der Nationenwertung nur Platz elf, weshalb der grollende Präsident Dmitrij Medwedjew das verantwortliche Führungspersonal zum kollektiven Rücktritt aufrief. Die Funktionäre aber wollen trotz des Drängens offenbar auch nicht schneller sein als die russischen Athleten in Kanada. Bissig sagte der Leiter des Skicross-Verbandes Wladimir Loginow: ,,Wenn dies das Problem löst, werde ich meinen Posten in drei Minuten verlassen. Aber wird das Land dann sofort gewinnen?" Der umstrittene Sportminister Witalij Mutko erklärte: ,,Ich wäre bereit, in Ruhe zu gehen. Aber ich bezweifle, ob das dem Sport nützt."

    Alle anderen schweigen, nur die Legenden reden. Wjatscheslaw Fetisow, einst einer der sowjetischen Gold-Helden im Eishockey, kritisierte die fehlende Professionalität im russischen Sportministerium. ,,Unsere Sportler waren sich selber überlassen und hatten keinerlei Unterstützung durch den Verband." Pikanterweise gilt Fetisow als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge von Tjagatschow und schon längere Zeit als verstrickt in eine Fehde mit dem bisherigen NOK-Chef. Tjagatschow sagt, Fetisow habe als Leiter der vor ein paar Jahren gegründeten Agentur Rossport das Olympische Komitee ,,geradezu ausgelöscht: Das NOK hat ja überhaupt keine Kompetenzen mehr außer Repräsentieren, Zimmer buchen, Tickets kaufen und Essen besorgen".

    Wenn es denn stimmt, so dürften sich die Befugnisse jedenfalls wieder erweitern, falls der ohnehin schon einflussreiche Fetisow Vorsitzender des Olympischen Komitees wird. Für die dreimalige Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Irina Rodnina ist klar: ,,Das ist Fetisows Platz." Doch gewaltig sind die Aufgaben, die ihm bevorstünden, darin wenigstens sind sich fast alle einig in der Sportnation. Vor allem moderne Wettkampfstätten braucht das Land, neue Impulse für Schul- und Breitensport. Selbst Rodnina macht sich deshalb wenig Hoffnung auf die schnelle Rückkehr des Erfolgs. Bis eine neue Generation heranwächst, dauere es vielleicht acht Jahre. Bis dahin ist Sotschi 2014 längst Geschichte.

    Von Frank Nienhuysen

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