08:54 23 September 2018
SNA Radio
    Meinungen

    Obama beim Gesundheitscheck: Von Laborwerten und Lastern

    Meinungen
    Zum Kurzlink
    0 01

    Der einzige Tag im Jahr, an dem die US-Präsidenten ihre Gegner erfreuen, ist der Tag ihres Gesundheitschecks.

    MOSKAU, 05. März (Andrej Fedjaschin, RIA Novosti). Der einzige Tag im Jahr, an dem die US-Präsidenten ihre Gegner erfreuen, ist der Tag ihres Gesundheitschecks.

    An dem Tag gibt es keine bessere Unterhaltung als hinter die Kulissen zu schauen und zu erfahren, was für schlechte Gewohnheiten die erste Staatsperson hat, um davon gelegentlich zu profitieren. Wenn die Gegner Glück haben, dann erhalten sie sogar den Zugang zur Krankenakte des Präsidenten.

    Der 44. Präsident Barack Obama unterzog sich seiner ersten Untersuchung im Präsidentenamt in einem Hospital der US-Marine in Bethesda (bei Washington, Bundesstaat Maryland), was eine richtige „Bescherung" für alle war. Die einen freuten sich darüber, dass der Staatschef gesund und munter ist. Die anderen erfuhren mit Genugtuung, dass Obama zahlreiche Laster hat.

    Die US-Präsidenten müssen laut Gesetz jedes Jahr medizinisch gecheckt werden. Dennoch müssen sie nicht alle Untersuchungsergebnisse veröffentlichen. Seit dem Jahr 1942 lassen sie sich in Bethesda untersuchen - dem größten und modernsten Krankenhaus der US-Marine. Der Gesundheitscheck ist üblich für alle Staatsoberhäupter der Welt, aber in den USA ist er dermaßen offen, dass die TV-Moderatoren sofort über alle Einzelheiten des gesundheitlichen Zustands des Präsidenten berichten, wenn etwas schief gehen sollte.

    Es wurde festgestellt, dass „der Freund Barack" raucht und Alkohol trinkt. Dabei hält er allerdings Maß: trinkt Weißwein und raucht bis zu neun Zigaretten am Tag. Obama ärgert sich immer, wenn sein erfolgloser Kampf gegen den Glimmstängel in den Medien erwähnt wird. Er hatte schließlich während seines Wahlkampfs versprochen, das Rauchen aufzugeben (zuvor hatte er eine bis zwei Schachteln am Tag geraucht). Seit 20 Jahren macht das Heimatland des Tabaks kontinuierliche Fortschritte beim Rauchverbot. Angesichts dessen können derartige Gewohnheiten des Präsidenten durchaus negative Folgen für seine Popularität haben, was ärgerlich wäre.

    Erfreulich ist jedoch, dass der 48-jährige Obama absolut gesund ist und seine Pflichten erfüllt. Unverständlich ist allerdings, warum das Weiße Haus im Bericht über den Gesundheitscheck angegeben hat, der Präsident hätte „im Trainingsanzug und mit Schuhen" 81,5 Kilogramm gewogen. Bisher mussten sich die Präsidenten vor dem Wiegen ausziehen. Na ja, vielleicht hat man das einfach vergessen...

    Der Gesundheitscheck ist außerdem ein Anlass und eine gute Möglichkeit, den aktuellen Herrn im Weißen Haus mit seinen Vorgängern, seinen Freunden und Gegnern sowie die Letzteren miteinander zu vergleichen. Wenn man einen Blick in die Vergangenheit wirft, dann tauchen sehr interessante Dinge auf.

    Erwähnenswert ist beispielsweise, dass die Anführer der Anti-Hitler-Koalition - Churchill, Roosevelt und Stalin - nikotin- und alkoholsüchtig waren. Alle drei rauchten und tranken viel. Roosevelt und Stalin hatten sogar die Gewohnheit, bis spät in die Nacht sich einen einzuschenken.

    Die damalige „Achse des Bösen" bestand dagegen fast vollständig (vielleicht außer dem japanischen Kaiser Hirohito, der Sake zu schätzen wusste) aus Nüchternen - Mussolini bevorzugte Milch und Mineralwasser; Hitler war fast absoluter Abstinent und dazu noch Vegetarier und Nichtraucher; der spanische Caudillo Franco leistete sich nur ein paar Gläser trockenen Rotweins zum Mittag- und Abendessen.

    In der ganzen Welt werden über große Persönlichkeiten (und vor allem über ihre Gewohnheiten) immer sehr viele unwahre Geschichten erzählt. Selbst wenn sich nur die Hälfte davon bewahrheitet, würden sie sich unsterblich blamieren. Was die Großen eigentlich nicht verdienen. Es wäre natürlich falsch, zu behaupten, dass die Alliierten den Zweiten Weltkrieg nur deswegen gewonnen haben, weil sie den halbnormalen und halbnüchternen Halbmenschen, die an der Spitze der „Achse des Bösen" standen, das „Säufer-Trio" gegenübergestellt hatten. Das stimmt ganz und gar nicht.

    In der Geschichte der USA gibt es nur einen Präsidenten, der stark betrunken während seiner eigenen Amtseinführung war. Das ist Andrew Johnson, der ehemalige Vizepräsident unter Abraham Lincoln. Er wurde am 15. April 1865, am Todestag Abraham Lincolns, als Präsident vereidigt. Johnson soll am Tag seines Amtseides am frühen Morgen und am Vortag getrunken haben - er war wegen des Todes des Präsidenten in tiefste Verzweiflung gestürzt. Die Erklärung scheint zwar zweifelhaft zu sein, so etwas kann aber auch passieren.

    Insider behaupten, dass Josef Stalin ausschließlich die georgischen Weinsorten Kindsmarauli sowie Matschari (aus Trauben gewonnener Wein mit einem Alkoholgehalt von 3 bis 4 Prozent) trank, den er gerade aus Georgien in der Sonderverpackung bekam. Andere Insider (in der Mehrzahl aus dem Westen) behaupten, dass Uncle Joe nur in der Öffentlichkeit eine Pfeife mit dem aus den Papirossi der Marke „Herzegowina Flor" herausgenommenen Tabak rauchte und die oben erwähnten Weine trank. In Wirklichkeit hatte er eine Schwäche für Whiskey. Alle schicksalhaften Entscheidungen wurden nach einen Schluck Whiskey getroffen. Nach seinem Tod wurden Tausende ausländische Weinflaschen und hochprozentige Spirituosen gefunden. Briten zufolge waren Stalin und Churchill bei den Treffen in Teheran und Jalta so beschwipst, dass sie sich wie Betrunkene unterhielten.

    Franklin Roosevelt war ein bekennender Kettenraucher und bevorzugte Dry Martini mit einem Gin-Wermut-Verhältnis von 2:1. Dennoch war für ihn der besondere Alkohol- und Nikotinmissbrauch unüblich.

    Das einzige Staatsoberhaupt der „Großen Drei", das nicht einfach demonstrativ, sondern geckenhaft getrunken und geraucht  hatte, war Sir Winston. Er verheimlichte nicht seine Schwäche für Alkohol. Mehr oder weniger war es ihm völlig egal, was Andere davon hielten. Er trank morgens (Whiskey-Soda oder Gin), mittags (Champagner, Cognac und Gin) und abends sowie nachts (vor allem Whiskey). Er hat die englische Sprache mit zahlreichen Alkohol-Aphorismen und Witzen bereichert. Wäre er ein Abstinenzler gewesen, wäre die britische Schatzkammer deutlich ärmer an geflügelten Worten gewesen. Als Lady Astor wieder einmal bemerkte, dass Churchill alkoholisiert war, sagte sie zornig zu ihm: „Sir, wenn Sie mein Ehemann wären, würde ich Ihren Kaffee vergiften." „Wenn Sie meine Frau gewesen wären, würde ich diesen Kaffee trinken", antwortete Winston.

    Nach vagen Einschätzungen trank Sir Winston täglich bis zu einem Quart Gin oder Whiskey. Ein britisches imperiales Quart entspricht rund 1,1 Liter. „Sie sollen merken, dass ich mehr vom Alkohol bekommen habe als der Alkohol von mir", sagte Churchill. Er betonte, dass der Alkohol auf keinen Fall seine Leistungsfähigkeit und seine Klarheit im Kopf beeinflussen.

    Er trank vor und nach den wichtigsten Verhandlungen und kam „nach einem Whiskey oder Gin" ins Parlament. Dies ist aber kaum eine Gesetzesverletzung. Ein anderer großer Brite, der Satiriker Bernard Shaw sagte einmal: „Alkohol ist eine wichtige Sache. Dank Alkohol beschäftigen sich die Parlamentarier um elf Uhr abends damit, womit sich kein normaler Mensch um elf Uhr in der Früh beschäftigen wird."

    Die Meinung des Verfassers muss nicht der der RIA Novosti übereinstimmen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren