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    Pechsträhne für Toyota und Nissan

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    MOSKAU, 05. März (Wlad Grinkewitsch, RIA Nowosti). Der weltweite Automarkt ist von einer Welle mangelhafter Erzeugnisse überflutet worden.

    MOSKAU, 05. März (Wlad Grinkewitsch, RIA Nowosti). Der weltweite Automarkt ist von einer Welle mangelhafter Erzeugnisse überflutet worden.

    Die weltweit führenden Autobauer überbieten sich förmlich in öffentlicher Buße. Ende Februar erklärte der japanische Konzern Honda, dass er knapp 650 000 Autos vom Markt zurückrufe. Ford hat die Produktion des Transit-Classic-Minivans unterbrochen. Der Konzern Toyota, dessen Autos zu den zuverlässigsten in der Welt zählen, ruft 5,3 Millionen Autos aus aller Welt zurück. Vor kurzem wurde gemeldet, dass Nissan 540 000 Autos wegen möglicher Schwierigkeiten mit den Bremspedalen und den Tankanzeigern zurückrufen will.

    Eins muss aber klargemacht werden: Wenn ein Autobauer die Herausnahme aus dem Verkauf oder den Rückruf seiner Modelle verkündet, heißt das nicht, dass tausende Auto ins Werk zurückgegeben werden.

    Die Verkäufer und Autoinhaber werden über Nachteile benachrichtigt, und die autorisierten Autowerkstätten beseitigen diese Fehler kostenlos beziehungsweise auf Kosten des Herstellers. Oft, vor allem wenn der Fehler minimal ist, passiert alles ohne unnötigen Aufruhr.

    Dann wird das nicht als „Rückruf", sondern als „freie Fehlerbeseitigung" bezeichnet. Doch wenn der Fehler die Gesundheit oder das Leben der Menschen bedrohen könnte, tun die Autobauer mit entsprechenden Erklärungen in den Medien öffentlich Buße. So im Fall von Toyota, wo das Gaspedal klemmt (wenn auch nur wegen einer Gummimatte), oder im Fall der möglicherweise kaputten Bremsen bei Nissan.

    Die massiven Rückrufe auf dem Automarkt wurden Ende der 1970er bis Anfang der 1980er in den USA zur Gewohnheit. Grund dafür waren die Gerichtsklagen, die die unzufriedenen Käufer gegen die Verkäufer und Hersteller einreichten. Seitdem werden fast jedes Jahr große Automengen zurückgerufen. Doch im vergangenen Jahrzehnt stiegen die Zahlen ins Unermessliche.

    Einige Beispiele. 2000 hatte Mitsubishi Motors mehr als zwei Millionen Autos zurückgerufen. 2001 rief Ford 22 Millionen Autos aus den Baujahren 1983 bis 1995 zurück. Grund dafür war ein Gerichtsprozess, bei dem die mögliche Unzuverlässigkeit einer Baugruppe nachgewiesen worden war. 2006 nahm Toyota mehr als eine halbe Million seiner Autos in aller Welt aus dem Verkauf.

    Grund für so viele Rückrufe und Herausnahmen aus dem Verkauf ist nicht ein schlagartiger Anstieg einer mangelhaften Fabrikation, sondern allgemeine Verschärfung der Anforderungen an Qualität und Sicherheit der modernen Autos. Die Unfälle, die wegen technischen Mängeln geschehen, und die darauf folgenden Gerichtsprozesse sowie die traurige Statistik der Unfalltoten und -verletzten, rufen ein großes Echo hervor.

    Das ist logisch, denn jedes Jahr müssen nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation rund 1,2 Millionen Menschen bei Autounfällen ihr Leben lassen. Rund 50 Millionen Menschen haben laut der Statistik mit bleibenden Verletzungen zu kämpfen.

    Die Autobauer spüren die verschärfte Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und der Medien und ziehen es vor, auf Nummer sicher zu gehen und eine Partie von Autos wegen eines einzigen Fehlerverdachts zurückzurufen, anstatt einen Anlass für einen Skandal zu liefern. Gewiefte Geschäftsleute haben gelernt, diese Rückrufe auszunutzen: Die öffentlichen Bußgänge und Fehlerkorrekturen führen vor Augen, wie sie sich um die Verbraucher sorgen.

    Doch die jetzige Rückruf-Epidemie unterscheidet sich von den vorherigen: Einige Millionen Autos sind im Laufe von nur einem Monat zurückgerufen worden. Das mag ein bloßer Zufall sein. Es kann aber auch sein, dass es außer den üblichen auch krisenbedingte Ursachen gibt. Die globale Autoindustrie macht gegenwärtig nicht die besten Zeiten durch.

    2009 ging die Produktion durchschnittlich um 15 Prozent zurück. Am meisten sind die Zulieferer von der Krise betroffen: Die Hersteller zwingen sie, die Preise zu senken, folglich verbuchen die Zulieferer doppelt so viele Verluste als die Autokonzerne.

    Anfang 2009 befanden sich allein in den USA rund 300 Zulieferer am Rande der Pleite.

    Das ist ein wichtiger Aspekt, wenn man berücksichtigt, dass die Autohersteller und Inhaber der berühmten Marken sich nur mit der Entwicklung von neuen Modellen, der Herstellung von Motoren und der

    Montage von Autos sowie dem Vertrieb und der Entwicklung der Marken befassen.

    Nahezu alle Zulieferteile stammen jedoch von unabhängigen Herstellern, die nach Auftragslage produzieren. Dabei kommt es häufig vor, dass ein Zulieferer gleich mehrere Autokonzerne bedient.

    Die jetzigen Rückrufe sind nicht mit Fehlern an der Konstruktion, sondern mit Defekten an einzelnen Montageteilen wie Pedalen, Sensoren und anderem mehr verbunden. Es geht also um mangelhafte Zulieferteile. Nicht ausgeschlossen, dass der Preisdruck der Autokonzerne die Zulieferer dazu gebracht hat, ihre Produktion kaputt zu sparen.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der der RIA Novosti übereinstimmen.

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