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    Nach A400M-Desaster: Wird An-70-Projekt wiederbelebt?

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    Die Ukraine will 42 Millionen US-Dollar in die Entwicklung des Transportflugzeugs An-70 investieren.

    MOSKAU, 12. März (Ilja Kramnik, RIA Novosti). Die Ukraine will 42 Millionen US-Dollar in die Entwicklung des Transportflugzeugs An-70 investieren.

    Wie gestern bekannt wurde, sollen mit dem Geld die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten abgeschlossen und die Vorbereitung auf die Serienproduktion des Flugzeugs finanziert werden.

    Die Geschichte der An-70 gehört zu den dramatischsten und langwierigsten Themen in der postsowjetischen Flugzeugbauindustrie.

    Die Entwicklung der neuen Maschine begann in den 1980er Jahren. Der neue Transporter sollte die in den 1950er Jahren entworfene An-12 ablösen und der sowjetischen Luftwaffe mehr Handlungsspielraum geben.

    Doch auf die An-70 wartete ein schweres Los. Die Maschine stieg 1994, nach dem Zerfall der Sowjetunion, erstmals in die Luft. Doch chronisch klamme Kassen und unfertige Baugruppen ließen den Zeitpunkt für die Serienproduktion der Maschine in weite Ferne rücken. Etwa ab 2005 begann Russland sein Interesse an dem Projekt mit der Ukraine zu verlieren. Auch die anfänglich rosigen Perspektiven der An-70 auf dem Auslandsmarkt wurden angezweifelt: In Europa wurde das Projekt zum Bau der A400M-Maschine gestartet.

    Doch die Situation änderte sich mit der Zeit. Anfang 2009 hieß es, dass der Jungfernflug und die Lieferungen der neuen europäischen Maschine wegen technischer Schwierigkeiten verschoben werden. Dadurch geriet die nahezu fertige und bereits fliegende An-70 wieder in die Pole Position beim Rennen um Auftraggeber. Der Flug der A-400M im vergangenen Dezember brachte keine großen Veränderungen: Das Projekt ist nach wie vor durch die Kontroversen zwischen den Flugzeugbauern und den potentiellen Auftraggebern über die Kosten des Flugzeugs und das Liefertempo bedroht.

    Auch die kommerziellen Perspektiven der An-70 kamen wieder auf die Tagesordnung. Die Fluggesellschaft Wolga-Dnepr, einer Spitzenreiter im Luftfrachtgeschäft, zeigt Interesse am zivilen Modell der Maschine. Die An-70 scheint wieder Verwendung zu finden, und zwar nicht nur in den früheren Sowjetrepubliken, sondern auch außerhalb. Gegenwärtig befasst sich das Konstruktionsbüro Antonow nicht nur mit der Vorbereitung der Serienherstellung der Maschine, sondern auch mit deren Modernisierung. Wenn die An-70 in Serie geht, soll sie neue Bordelektronik, Avionik und anderes mehr erhalten, was ihre Konkurrenzfähigkeit erheblich steigern wird. In den kommenden zwei bis vier Jahren kann dies geschehen.

    Bei der Luft- und Raumfahrtmesse „MAKS 2009" bei Moskau wurde ein Regierungsabkommen über die Wiederaufnahme des Projekts unterzeichnet. Nach Meinung des Antonow-Chefkonstrukteurs Dmitri Kiwa wird die Fertigstellung des Projekts rund 120 Millionen Dollar kosten.

    Wie bereits erwähnt, will die Ukraine 42 Millionen von der Gesamtsumme investieren. Ursprünglich war eine 1:2 Kostenaufteilung geplant. Russland muss also noch 80 Millionen Dollar zugeben, damit die An-70 in Serie geht.

    Ihr Schicksal bleibt aber trotz mutig machenden Aussagen nach wie vor unklar. Die An-70 ist nicht im staatlichen Rüstungsprogramm enthalten. Damit ist die Fluglinie Wolga-Dnepr der einzige Käufer, der über den möglichen Kauf einer verhältnismäßig großen Serie dieser Maschinen laut nachdenkt.

    Das Potenzial der An-70 als Frachtflugzeug ist ziemlich groß. Sie könnte bei der russischen Luftwaffe eingesetzt werden. Doch dafür werden 120 Millionen Dollar nicht ausreichen. Um das Projekt zu verwirklichen, müssen mindestens einige Dutzend Maschinen bestellt werden. Dann könnten das Konstrukteursbüro und die Flugzeugwerke Kredite für die Aufnahme der Produktion und den Aufbau einer großen Serie einholen.

    Die Vergabe eines Auftrags scheint ein begründeter Schritt zu sein. Die An-70 ist die einzige „lebende" Maschine, die die Flotte der An-12-Flugzeuge wirklich ersetzen kann. Die russische Il-214, die ebenfalls die An-12 ablösen soll, hat noch nicht einmal ihren Jungfernflug absolviert. Ohnehin kann niemand vorhersagen, wie er verlaufen wird. Außerdem werden die Maschinen zwar nicht die dieselben, aber ähnliche Marktsegmente besetzen. Beide könnten erfolgreich sein, weil ihre Ladekapazität und andere technische Daten verschieden sind. Wenn ein Projekt jedoch zum Flop werden sollte, wird die zweite Maschine die Situation retten.

    Mit Blick auf die Situation auf dem Markt für Militärtransportflugzeuge sind übereilte Entscheidungen immer bedauerlich. Ende der 1970er bis Anfang der 1980er verzichtete die Sowjetunion auf die Modernisierung der An-12-Maschine (Projekt An-12M). Die modernisierten gleichaltrigen Pendants C-130-Hercules haben aber nach wie vor Erfolg.

    Es ist offensichtlich, dass die Fertigstellung einer solchen Maschine sowohl für Russland als auch für die Ukraine von Vorteil ist.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der der RIA Novosti  übereinstimmen.  

     

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