02:59 24 November 2017
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    Deutschlands Presse vom 16. März über Russland und GUS

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    Georgien: Fiktiver Krieg - reale Folgen * Putins Partei bleibt trotz Stimmenverluste die stärkste * Stabhochspringerin Issinbajewa erlebt neues Fiasko

    Georgien: Fiktiver Krieg - reale Folgen * Putins Partei bleibt trotz Stimmenverluste die stärkste * Stabhochspringerin Issinbajewa erlebt neues Fiasko

    Frankfurter Rundschau: Fiktiver Krieg - reale Folgen in Georgien

    Seit der georgische Fernsehsender Imedi am Wochenende seine Zuschauer mit einer angeblichen russischen Invasion schockiert hat, reißt die Kritik nicht ab. Von "Informations-Terror" sprach die Opposition und beschuldigte Präsident Michail Saakaschwili. Er wolle auf diesem Wege "eine virtuelle Realität schaffen, um sich an der Macht zu halten", verkündete die Partei der Oppositionspolitikerin Nino Burdschanadse. Das russische Außenministerium sprach am Montag von einer "Provokation, die der Sicherheit und Stabilität in der Region geschadet hat"...

    Georgische Opposition wie russische Regierung beschuldigten Saakaschwili, das Programm selbst in Auftrag gegeben zu haben. Der einst oppositionelle Imedi-Sender wird mittlerweile von einem Saakaschwili-Vertrauten geleitet. Auch scheint es unwahrscheinlich, dass ein Fernsehsender die Nachricht von Saakaschwilis angeblichem Tod ohne dessen Wissen in Umlauf setzt...

    Ob wirklich von einer gezielten Provokation die Rede sein kann, bleibt strittig. "Es ist eher Dummheit", findet der kritische Tiflisser Fernsehjournalist Reso Tschitschinadse. Aufmerksame Zuschauer hätten erkennen können, dass das Szenario fiktiv war. Zumindest zeugt die Wirkung der Sendung davon, wie angespannt die Georgier auf ihren Nachbarn schauen. Ihre Angst gründet sich auf die Erfahrung des August-Kriegs, die Regierung hält sie mit allen Mitteln wach. Im Mai stehen die wichtigen Wahlen des Bürgermeisters von Tiflis bevor.

    F. A. Z.: Putins Partei bleibt trotz Stimmenverluste am stärksten

    Die von Ministerpräsident Putin geführte Partei "Einiges Russland" (ER) bleibt stärkste politische Kraft in acht russischen Regionalparlamenten, die am Sonntag neu gewählt wurden. Die Zustimmung der Wähler zu dieser Partei fiel jedoch insgesamt deutlich geringer aus als noch in den Regional- und Kommunalwahlen, die im Herbst in einer Reihe von Provinzen stattgefunden hatten, und auch im Vergleich zu dem Ergebnis der Parlamentswahl vor drei Jahren. Damals stimmten fast zwei Drittel der Wähler für "Einiges Russland".

    In den Wahlanalysen wurden vor allem die Folgen der Wirtschaftskrise für die Bevölkerung als Grund für das relativ schwache Abschneiden der Putin-Partei gesehen...

    Die Kommunistische Partei (KPRF) belegte in der Wahl zu den acht Regionalparlamenten nach Angaben der Landeswahlleitung vom Montag den zweiten Platz, gefolgt von der nationalistischen Partei der Liberal-Demokraten (LDPR) und der kleineren Kremlpartei "Gerechtes Russland" (SR)...

    Nach Auffassung von Wahlbeobachtern verliefen die Wahlen vom Wochenende insgesamt fairer als die Regional- und Kommunalwahlen in einem Teil der Föderationssubjekte im Oktober. Es kam bislang auch nur vereinzelt zu Protesten gegen Wahlfälschungen. Im Herbst waren die kremltreuen Oppositionsparteien KPRF, LDPR und SR noch aus Protest gegen Manipulationen bei Regional- und Kommunalwahlen eine Zeitlang den Sitzungen des Abgeordnetenhauses ferngeblieben. Diesmal zeigten sie sich mit dem Verlauf der Wahl im Großen und Ganzen zufrieden...

    Hervorstechendes Merkmal der Wahlen vom Sonntag war nach Auffassung russischer Beobachter, dass "Einiges Russland" in den Wahlen zu vier Regionalparlamenten jeweils weniger als 50 Prozent Zustimmung erzielte. Die Wahl zum Regionalparlament des Gebiets Swerdlowsk im Ural galt unter Beobachtern sogar als Katastrophe der früher vom Erfolg verwöhnten Partei, weil diesmal lediglich 39,79 Prozent der Wähler für "Einiges Russland" stimmten. Die Parteiführung führte das relativ schlechte Abschneiden auf wirtschaftliche Schwierigkeiten in der Region zurück. Den Kommunisten gelang es in den Wahlen vom Sonntag, aufs Ganze gesehen, rund 25 Prozent Zustimmung zu erreichen. Parteichef Gennadij Sjuganow zeigte sich am Montag besonders zufrieden mit dem Ergebnis der Wahlen zu den acht Regionalparlamenten.

    Süddeutsche Zeitung: Stabhochspringerin Issinbajewa vom Thron geplumpst

    Wenn man in der Leichtathletik einen Weltrekord erwartet, dann eher von der russischen Stabhochspringerin Jelena Issinbajewa, zumindest war das in der Vergangenheit so. Insgesamt 27 Mal hat die 27-Jährige die Höchstmarke bereits nach oben verschoben, 15 Mal im Freien und zwölf Mal in der Halle; seit vorigem Jahr liegt die Messlatte bei 5,06 Metern (im Freien) und 5,00 Metern (Halle).

    Weil Issinbajewa zudem alles gewonnen hat, was es zu gewinnen gibt, kommt es jedesmal einem krachenden Absturz gleich, wenn sie mal nicht gewinnt und nicht so hoch fliegt. Was am Sonntagnachmittag wieder einmal der Fall war...

    Jelena Issinbajewa hat nach dem Malheur von Doha wieder viel geredet, wie das halt so ihre Art ist; aber erklären konnte sie ihren neuerlichen Fall nicht. ,,Ich weiß wirklich nicht, wie mir das passieren konnte", sagte sie, ,,vielleicht bin ich einfach emotional ausgelaugt."

    Schon vor einem Jahr hatte Issinbajewa angedeutet, dass ihr nach dem zweiten Olympiasieg, 2008 in Peking, der Ehrgeiz abhanden gekommen sei. ,,Das Training wird jedes Jahr anstrengender, und es wird jedes Jahr schwieriger, sich zu motivieren", hatte sie gesagt und zugegeben, dass sie überlegt habe, den Stab aus der Hand zu legen, zu heiraten und Kinder zu kriegen.

    Erst das Angebot eines chinesischen Sportartikelherstellers habe sie wieder beschwingt: Bis zu den globalen Titelkämpfen 2013 in Moskau, quasi ihrer Heim-WM, steht sie nun bei dem unter Vertrag, für angeblich anderthalb Millionen Dollar pro Saison zuzüglich Prämien für Titel und Rekorde. ,,Der Vertrag motiviert mich mehr als die Aussicht auf eine Hochzeit, er hat meine Karriere verlängert", schwärmte sie damals und lobte ihren Sponsor überschwänglich: ,,Ich werde behandelt wie eine Königin."

    Und nun ist die Königin des Stabhochsprungs also schon wieder von ihrem Thron geplumpst, zum zweiten Mal innerhalb von sieben Monaten. ,,Es sieht so aus, als wären 2009 und 2010 keine guten Jahre für mich", sagt sie.