08:57 21 November 2017
SNA Radio
    Meinungen

    Ukraine mit neuem Verteidigungsminister: Ex-Waffenbrüder bald wieder Partner?

    Meinungen
    Zum Kurzlink
    Die ersten Schritte von Viktor Janukowitsch als Präsident der Ukraine (100)
    0 6 0 0

    Der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch hat Ex-Marinechef Michail Jeschel zum neuen Verteidigungsminister ernannt.

    MOSKAU, 16. März (Ilja Kramnik, RIA Novosti). Der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch hat Ex-Marinechef Michail Jeschel zum neuen Verteidigungsminister ernannt.

    Die Biografie von Jeschel ist ziemlich interessant und lässt einige Vermutungen zu, wie sich die Beziehungen zwischen Russland und der Ukraine im Militärbereich entwickeln werden.

    Jeschel wurde 1952 in Winniza geboren, absolvierte die Nachimow-Marinehochschule der Schwarzmeerflotte in Sewastopol. Ab 1975 diente er bei der sowjetischen Pazifikflotte, wo er alle Rangstufen vom Leutnant bis zum Konteradmiral absolvierte. Von 1990 bis 1993 war er Divisionskommandeur der U-Boot-Abwehr-Schiffe.

    Jeschel war einer der jüngsten Admirale der russischen Flotte mit hervorragenden Karrierenaussichten. Doch das Schicksal meinte es anders mit ihm. 1993 kam es zum großen Karriereknick. Quellen aus der Pazifikflotte zufolge wurde Jeschel nach Auseinandersetzungen mit dem Kommando der Kriegsflotte in die Wüste geschickt. Grund für die Entlassung war seine heftige Kritik am drastischen Abbau der Kriegsflotte und an der Ausmusterung und dem Verkauf einigermaßen moderner und einsatzfähiger Kampfschiffe als Schrott.

    Dem aus der Ukraine stammenden arbeitslosen Admiral wurde kurz nach seinem Rausschmiss aus der russischen Marine das Amt des Vizeoberbefehlshabers der neu gebildeten ukrainischen Kriegsflotte angeboten, die dringend Fachleute brauchte.

    Dennoch wurde Jeschel nicht zum eifrigen „ukrainischen Patrioten" wie viele ehemaligen Sowjetoffiziere, die bereits 1991 ihre „wahre Identität" plötzlich fanden. Als Vizeoberbefehlshaber und später als Oberbefehlshaber der ukrainischen Marine hatte er eine konstruktives Verhältnis zu Russland, unter anderem zur russischen Schwarzmeerflotte. Zwischen 1996 und 2003 hatte es fast keinen Ärger zwischen den Flotten der beiden Nachbarstaaten auf der Krim gegeben.

    Ein weiteres typisches Beispiel: 1996 verzichtete Jeschel als Oberbefehlshaber der ukrainischen Kriegsflotte auf seine Wohnung in Russlands Fernen Osten, ohne sie privatisiert oder verkauft zu haben, wie viele anderen es taten.

    Die jetzigen Beziehungen zwischen Russland und der Ukraine im Militärbereich sind selbstverständlich noch lange nicht perfekt. Die Ukraine hat sich während ihrer langwierigen Annäherung an die Nato sehr weit von Russland entfernt. Da kann selbst die Ernennung eines Moskau-freundlichen Verteidigungsministers kaum Abhilfe schaffen.

    Zugleich sollte man die Auseinandersetzungen zwischen Russland und der Ukraine im Militärbereich nicht überbewerten. Die Kooperation zwischen den beiden Teilen der früheren Kiewer Rus, die Jahrhunderte lang brüderliche Beziehungen gepflegt hatten, geht weiter, vor allem in der Rüstungsindustrie: Ukrainische Rüstungskonzerne spielen nach wie vor eine wichtige Rolle bei der Versorgung der russischen Streitkräfte.

    Ein Beispiel dafür ist die Waffenschmiede Juschmasch in Dnepropetrowsk, wo R-36- und UR-100-Raketen hergestellt werden. Die neuesten Modifikationen dieser Raketen stehen im Dienst der russischen strategischen Raketentruppen, die dank der ukrainischen Industrie weiter instandgesetzt werden. Die Zusammenarbeit mit dem Flugzeughersteller Antonow, dem Antriebsbauer Motor-Sitsch und anderen Unternehmen ist ebenfalls wichtig. Von ihrem Erfolg hängt die Verwirklichung vieler gemeinsamen Projekte ab, darunter auch im Zivilbereich.

    Die Kooperation muss entwickelt und gefestigt werden. Genug Möglichkeiten sind vorhanden: beispielsweise die Übergabe des Kreuzers „Ukraina", des nicht fertiggebauten vierten Schiffes des Raketenkreuzer-Projekts 1164, an die russische Flotte. Derzeit befindet sich der Kreuzer in der ukrainischen Hafenstadt Nikolajew. Oder die Teilnahme des Flugzeugherstellers Antonow an der Entwicklung von Fracht- und Passagierflugzeugen neuer Generation gemeinsam mit der russischen Flugzeugbauholding OAK. Von allergrößter Bedeutung ist die Verwirklichung des Projektes zum Bau des Transportflugzeuges Antonow AN-70 und die Wiederaufnahme der Produktion der Antonow AN-124.

    Zudem könnten gemeinsame militärische Aktionen unternommen werden, darunter Kriegsübungen, Paraden, vielleicht auch Friedenseinsätze und Sicherheitsmaßnahmen für die Schifffahrt, beispielsweise vor Somalia.

    Zu einem der Symbole dieser Zusammenarbeit, die die Brüdervölker vereinigen sollte, wird die Siegesparade am 9. Mai in Sewastopol. Nach Medienangaben hat der neue ukrainische Verteidigungsminister bereits beschlossen, dass die ukrainische Kriegsflotte an der Parade teilnimmt.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

    Themen:
    Die ersten Schritte von Viktor Janukowitsch als Präsident der Ukraine (100)
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren