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    Deutschlands Presse am 18. März über Russland und GUS

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    Der Machtwechsel in Kiew verbessert Beziehungen zu Russland * Rinat Achmetow - der wahre Herrscher der Ukraine

    Der Machtwechsel in Kiew verbessert Beziehungen zu Russland * Rinat Achmetow - der wahre Herrscher der Ukraine

    Süddeutsche Zeitung: Machtwechsel in Kiew verbessert Beziehungen zu Russland

    Mit dem Amtsantritt des neuen ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch ist das Risiko einer weiteren Gaskrise zwischen Kiew und Moskau angeblich beseitigt. ,,Unserer Ansicht nach gibt es keine politischen oder ökonomischen Gründe für eine neue Gaskrise", sagte der neue ukrainische Außenminister Konstantin Gryschenko. Gryschenko war zu einem zweitägigen Arbeitsbesuch in Russland. Während der Amtszeit von Janukowitschs Vorgänger Viktor Juschtschenko war er Botschafter in Moskau. In dieser Zeit waren die Beziehungen zwischen beiden Ländern zerrüttet. Moskau unterbrach mehrfach die Gaslieferungen an die Ukraine, was auch den Transit des Energie-Rohstoffs nach Westen beeinträchtigte...

    Noch immer aber betrachteten einige Politiker der russischen Führung die Ukraine nicht als eigenständiges Land. Gryschenko sprach von einer ,,neuen Formel" der Beziehungen: ,,Die Vorstellung, dass ein Land einem anderen seinen Willen aufzwingen kann, ist nicht hinnehmbar." Janukowitsch werde, anders als oft dargestellt, keine pro-russische Politik verfolgen, sondern sich gleichermaßen um die Verbesserung der Beziehungen zu Moskau, Brüssel und Washington bemühen...

    Am 12. April wolle Präsident Janukowitsch zum Gipfel über nukleare Sicherheit in die USA reisen, sagte Gryschenko. Die letzten ukrainischen Nuklearwaffen wurden Anfang der neunziger Jahre verschrottet. Als Anerkennung dieser Politik hat Janukowitsch vorgeschlagen, das neue russisch-amerikanische Abrüstungsabkommen in Kiew zu unterzeichnen...

    Die Ukraine, so Gryschenko, strebe noch immer einen EU-Beitritt an, allerdings müsse man realistisch sein. Zur Zollunion zwischen Russland, Weißrussland und Kasachstan sagte er, zuerst einmal wolle die Ukraine die neuen Regeln und Möglichkeiten auf ihre negativen Effekte für die Ukraine überprüfen.

    Die Welt: Rinat Achmetow - der wahre Herrscher der Ukraine

    In gewissen historischen Momenten können Klubfarben teuflisch sein. Orange zum Beispiel. Lange Zeit war der ukrainische Fußballklub Schachtjor Donezk mit seinen Trikots in der Farbe der Apfelsinen gut gefahren. 2004 aber geriet sein Besitzer Rinat Achmetow in Teufels Küche. Politisch nämlich hatte der milliardenschwere Herrscher über die russischsprachige und industriereiche Region Donbass als Geldgeber auf die blaufarbige Partei der Regionen gesetzt und wollte seinen Protegé Viktor Janukowytsch als Staatspräsidenten durchbringen. Da brach urplötzlich die prowestliche Elite in Kiew die Orangene Revolution vom Zaun und verwandelte das Land für Wochen in ein orangenes Farbenmeer. Am Ende übernahm sie für fünf Jahre die Macht.

    Doch jetzt, fünf Jahre später, steht das Orange von Achmetows Kickern für Sieg und Triumph. Donezk gewann 2009 gegen Werder Bremen den Uefa-Cup. Viel wichtiger aber noch: Achmetows Politfreund Janukowytsch hat es mittlerweile doch noch auf den Präsidentensessel geschafft. Das dürfte auch Achmetows Stellung stärken, besser gesagt sichern, in einem Land, wo Politik und Wirtschaft so unerquicklich eng miteinander verstrickt sind. Und ausgerechnet der reichste Mann der Ukraine könnte dafür sorgen, dass Janukowytsch, Freund der Russen, vielleicht doch noch das Land näher an die EU heranführen könnte...

    In seinem jungen Leben, 43 Jahre ist er alt, hat Achmetow so viel durchlebt, dass er kaum je die Fassung verliert. "Aber Emotionen sind so eine Sache: Schläfst du eine Nacht drüber, legen sie sich. Und wir müssen an den morgigen Tag denken", lautet einer seiner Sprüche...

    Auf 5,2 Milliarden Dollar beziffert das amerikanische "Forbes"-Journal sein Vermögen. Das ukrainische Magazin "Korrespondent", das gewöhnlich höher schätzt, schrieb sogar im Krisenjahr 2009 von fast zehn Milliarden Dollar. Zusammengefasst hat Achmetow die Vermögenswerte in der Gruppe System Capital Management (SKM), die über 150 000 Leute beschäftigt. Die Metallgruppe Metinvest und Kohlebergwerke umfasst sie. Dazu den Stromerzeuger DTEK, der ein Viertel der ukrainischen Kohleförderung und ein Siebtel der Stromproduktion besorgt. Dazu kommen Telekommunikation und Banken, Lebensmittelproduktion und Medien. 15,9 Milliarden Dollar setzte Achmetow mit seinem Firmenimperium 2008 um und machte damit vor Steuern drei Milliarden Dollar Gewinn.

    Damit ist er in seinem Land die unangefochtene Nummer eins. Und in der Ukraine wiegt das doppelt schwer, denn hier sind Wirtschaft und Politik aufs Engste ineinander verwoben...

    600 Kilometer östlich von Kiew residiert Achmetow. Einen Steinwurf von Russland entfernt, ragen Fördertürme über eine hügelige Landschaft. Hier, im russischsprachigen Donezker Becken mit seiner Schwerindustrie und den Kohleschächten, findet unter der Erde ähnlich viel Leben wie auf ihrer Oberfläche statt. Es erinnert an die Hochzeiten des Ruhrgebiets. Naheliegend, dass die Provinzhauptstadt Donezk eine Städtepartnerschaft mit Bochum unterhält. Im "ukrainischen Ruhrpott" bestimmt Achmetow, wo es langgeht.

    Voller Ehrfurcht sprechen die Leute hier von ihrem Boss. Ganz als ob sie dem verheirateten Vater zweier Kinder mehr schulden als ihre Arbeitsleistung in seinen Betrieben...

    Als Sohn eines tatarischen Minenarbeiters und einer Verkäuferin ist "Er" hier groß geworden. Und reich - ziemlich sicher mit zweifelhaften Methoden. Doch ob und was genau Achmetow Illegales getan hat, ist nicht so richtig klar. Achmetows legendenumwobener Aufstieg begann einer Version zufolge damit, dass der Verbrecherboss Alik Grek (der "Grieche") bei einem Bandenkrieg 1995 im Stadion zu Donezk in die Luft gesprengt wurde. Achmetow war genau an diesem Tag nicht ins Stadion gekommen. Aufgeklärt wurde der Mord nicht. In jedem Fall war die gesamte Region bis dahin von brutalen Kämpfen um Einflusszonen erschüttert gewesen, erzählt man sich noch heute. Erst als Achmetow die Führung übernahm, sei Ruhe eingekehrt.

    Was folgte, war ein steiler Aufstieg...

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