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    Vor 45 Jahren: Sowjetunion feiert ersten Weltraumspaziergang

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    Das Fernsehen übertrug das Ereignis in Schwarzweißbildern, die mit zahlreichen Störungen behaftet waren.

    MOSKAU, 18. März (Konstantin Bogdanow für RIA Novosti). Das Fernsehen übertrug das Ereignis in Schwarzweißbildern, die mit zahlreichen Störungen behaftet waren.

    In schlechter Bildqualität bewegte sich eine kleine rundliche weiße Gestalt mit einem Helm, auf dem "UdSSR" zu lesen war, vor dem Hintergrund einer zerklüfteten Wolkenschicht - unbeholfen wie ein Kind, das seine ersten Schritte wagt.

    "Der Mensch ist in den Weltraum ausgestiegen!" Die Stimme des Oberstleutnants der sowjetischen Luftstreitkräfte, Pawel Beljajew, vibrierte vor Freude, als er seinen Bericht zur Erde schickte, während der zweite Mann der Besatzung, Alexej Leonow, fünf Meter vom Raumschiff "Woschod-2" entfernt in der Schwerelosigkeit hing.

    "Ich bin wohl zum letzten Mal hier bei euch", sagte Sergej Koroljow traurig am Morgen des 18. März 1965, als er die Besatzung der Station "Woschod-2" verabschiedete. Diese Worte sollten prophetisch sein: Zehn Monate später war der Vater der sowjetischen Raumfahrt tot.

    Der Start einer der berühmtesten Weltraumexpeditionen verlief normal, das Raumschiff erreichte die berechnete Umlaufbahn. Die Schwierigkeiten standen erst noch bevor, doch damals dachte niemand daran. Um 11:34 Uhr Moskauer Zeit verließ Major Alexej Leonow die Schleusenkammer und stieg in den freien Raum aus. Dort hielt er sich zwölf Minuten und neun Sekunden auf. Die grellen kontrastreichen Farben des Weltraums verblüfften den Hobbymaler Leonow. Er erinnerte sich daran, wie er Juri Gagarin über das Aussehen der Sterne und der Erde ausgefragt hatte. Jetzt kam er zu dem Schluss, dass es unmöglich ist, das Erlebte des Kosmonauten auf Papier zu bringen, solange man es nicht selbst gesehen hat.

    Die Rückkehr zum Raumschiff gestaltete sich schwierig. Nach dem Ausstieg aus der Schleusenluke passierte etwas Unvorhergesehenes: Wegen des Druckgefälles blähte sich der Raumanzug enorm auf. Nicht einmal dessen Aussteifung half. "Meine Finger traten aus den Handschuhen und meine Beine aus den Stiefeln hervor", erinnerte sich Leonow später. Aufgrund der Ergebnisse dieses Flugs verzichtete man später auf weiche Raumanzüge.

    Leonow versuchte, alle Riemen des Anzugs festzuzurren, trotzdem sah er weiterhin wie ein Michelin-Männchen aus. Darauf beschloss der Kosmonaut ohne Rücksprache mit der Flugzentrale auf der Erde den Druck im Skaphander stark runterzufahren. Das war äußerst gefährlich. "Der Stickstoff hätte ohne weiteres im Blut kochen können. Was blieb mir aber sonst übrig?"

    Der Abbau des Überdrucks half, der Raumanzug nahm etwas ab. Entgegen den Instruktionen stieg Leonow mit dem Kopf nach vorn in die Schleuse ein und warf die Filmkamera hin. Das gelang ihm zwar, doch es wartete bereits eine schwierigere Aufgabe auf ihn: Er musste sich innerhalb der Schleuse drehen, bis er die vorgeschriebene Lage - mit dem Kopf zum Ausstieg - erreichen konnte, um die Einstiegsluke zur Kabine zu öffnen.

    Die Schleuse war 2,5 Meter lang und einen Meter breit. Leonow hatte im Skaphander eine Schulterbreite von 68 Zentimetern. "Keine Ahnung, wie ich das fertig brachte." Bei seinen Kapriolen mit dem Körper hätte Leonow die Kamera beinahe in den freien Weltraum hinausgestoßen, fing sie jedoch noch rechtzeitig ein.

    Damit waren die "kleinen Freuden" des Flugs allerdings noch nicht beendet. Es kam dazu, dass nach Leonows Rückkehr an Bord der Sauerstoffgehalt in der Atmosphäre anzusteigen begann. Es drohte ein Brand: Auf diese Weise war bei einem Training die Besatzung vor dem Start der US-Mission "Apollo-1" umgekommen, wegen einer ähnlichen Situation war Valentin Bondarenko in der Druckkammer verbrannt.

    Erst sieben Stunden später wurde eine Lösung für das Problem gefunden. Wie sich nachher herausstellte, war die Einstiegsluke, weil bei der Erwärmung an der beleuchteten Seite des Rumpfes deformiert, nicht richtig geschlossen. Die Luft entschwand durch die Luke, während das Versorgungssystem versuchte, die dadurch verursachten Verluste auszugleichen. Ein Zufall rettete die bedrohliche Lage: Als Leonow Platz auf seinem Sitz nahm, blieb der Schlauch seines Raumanzugs an einem Tumblerschalter der Aufladungsvorrichtung hängen. Der sprunghaft gestiegene Druck presste den Rumpf zusammen, die Luke saß wieder exakt auf dem Verdichter, und die Atmosphäre im Raumschiff hatte wieder ihren normalen Zustand.

    Auch die automatische Landung gelang den "Almas" (Rufzeichen beider Kosmonauten) nicht. Pawel Beljajew beschloss, den Apparat - erstmals in der Geschichte der Raumflüge - per Handsteuerung aufsetzen zu lassen. Doch die Aufteilung der Bullaugen in der "Woschod-2" verhinderte die Steuerung mit den Knüppeln von den Sitzen. Man musste sich losschnallen, aufstehen, sich umsehen, das Schiff umdrehen und sich zurücklegen. Die Sekunden, die Beljajew dazu brauchte, bewirkten eine 80 Kilometer weite Abweichung von der vorgeschriebenen Landebahn. Das Schiff setzte in den Wäldern unweit der Stadt Beresniki (Gebiet Perm) auf.

    Erst am dritten Tag wurden die Raumfahrer in der verschneiten Taiga gefunden. Das erste handgesteuerte Landemanöver führte zur ersten Landung in einer "unerwarteten" Gegend. Sie legten die Raumanzüge ab ("Man stand kniehoch im Schweiß", erzählte Leonow später), rissen den Wärmeschutz samt Vakuum- und Abschirmungsvorrichtungen heraus, hüllten sich darin wie in Schlafdecken ein und banden sie mit Fallschirmgurten fest. Ringsum heulten die Wölfe, die Kosmonauten aber sammelten trockene Zweige für ein Feuer, das im tiefen Schnee nicht richtig brennen wollte, und aßen die Reste der Bordnahrung auf. Während eines solchen "Mittagessens" wurden sie von einem Hubschrauber gesichtet.

    Nach seinem Triumph sollte Leonow nur noch einmal in den Weltraum fliegen: als Kommandant der "Sojus-19" beim Rendezvous mit dem Apollo-Raumschiff im Jahr 1975. Sein Ausstieg in den Weltraum galt als Spitzenleistung der sowjetischen Raumfahrt. Später gab es noch viele Erfolge, doch auch viele Misserfolge. Es folgte eine Pechsträhne: Sergej Koroljow und Wladimir Komarow starben, das Mondprogramm scheiterte wegen kleinlicher Streitereien zwischen dem Konstruktionsbüro und verschiedenen Behörden. So hörte die ganze Welt im Juli 1969 bereits andere Stimmen aus dem Weltraum auf Englisch: "Ein kleiner Schritt eines Menschen - ein Riesenschritt der ganzen Menschheit."

    Doch damals, im Frühjahr 1965, schlug die Sowjetunion die Vereinigten Staaten mit 3:0: Sputnik, Gagarin, Leonow.

    Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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