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    Wahlheimat Spanien: Für russische Mafiabosse wird es ungemütlich

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    In dieser Woche kam es in Europa zu Massenfestnahmen von osteuropäischen Kriminellen.

    MOSKAU, 18. März (Andrej Fedjaschin, RIA Novosti). In dieser Woche kam es in Europa zu Massenfestnahmen von osteuropäischen Kriminellen.

    Die Polizei, die Gendarmerie, die Carabinieri und die Finanzfahnder aus dem Norden und Süden Europas haben in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich, Italien und Spanien erfolgreich Razzien durchgeführt. Dabei wurden insgesamt 69 Personen festgenommen - die meisten im sonnigen Spanien.

    Aus geographischer Sicht waren die russischen Kriminellen in Europa sehr wählerisch: in den warmen südlichen Ländern liegen ihre „Apartments", Deutschland bevorzugen sie als „Einsatzraum", die angelsächsischen Länder waren ihnen meist eher unsympathisch. Dort leben dafür viele russische „politische Asylanten".

    In den Berichten über die jüngste „romanisch-germanische" Razzia wurden sehr oft Begriffe wie „russische Mafia" und „georgische Mafia" verwendet. Die Europäer sehen erst seit kurzer Zeit einen Unterschied zwischen den beiden Mafiabanden, aber die Meldungen über die Festnahme von georgischen Unterweltbossen in Österreich lassen sich bereits als Fortschritt begrüßen. Zuvor hatte man in Europa alle Verbrecher aus dem postsowjetischen Raum zu Vertretern der „russischen Organisierten Kriminalität" abgestempelt.

    Man muss erwähnen, dass die jüngste Operation nicht die größte (nach der Zahl der Festnahmen) war und dass sie nicht gestern und sogar nicht vor einem Jahr begonnen hatte. An diesem Großeinsatz gab es nichts, was üblicherweise die Pointe „krimineller Chroniken" ausmacht: Es wurden keine „fetten" Bankkonten aufs Eis gelegt, keine noblen Limousinen, Yachten, Paläste oder Penthäuser beschlagnahmt. Es gab auch keine Schießereien zwischen den Ordnungshütern und den Verbrechern.

    Außer dierwähnten georgischen Großverbrechern wurden dabei nur einfache „Gefolgsleute" höchstens „mittelklassige Manager" gefasst, wenn sie sich so klassifizieren lassen. Allgemein zeugt das davon, dass die Operation de facto auf die Beseitigung der Verbrecher gerichtet war, die sich künftig als richtige Großverbrecher etablieren könnten. Alles Interessante und Sehenswerte war aber schon zuvor passiert.

    Die Operation hatte 2005 begonnen, als die Spanier als erste in Europa beschlossen, ihre Ferienorte zu durchforsten, wo auffallend viele Russen mit „zwielichtigen Einnahmequellen" ansässig waren. Zunächst wurde in den Vereinigten Arabischen Emiraten ein gewisser Sachar Kalaschow alias Schakro Junior festgenommen, der einen russischen und georgischen Pass hatte und vermutlich Chef mehrerer krimineller Gruppierungen war. Mit seinen 53 Jahren galt er als Vertreter der „neuen Generation" unter den Kriminellen. In Spanien wird Kalaschow der Geldwäsche sowie des Schmuggels, Waffenhandels usw. beschuldigt. Angesichts dessen kann er für bis zu zwölf Jahren Haft verurteilt werden.

    2008 wurden in Spanien gleich mehrere Mitglieder der aus der Stadt Tambow stammenden Bande gefasst, darunter der Anführer Gennadi Petrow, dessen Stellvertreter Alexander Malyschew und nahezu 20 Gefolgsleute. Gleichzeitig wurden mehrere Dutzende Nobelkarossen der Marke Bentley, Ferrari und Lamborghini beschlagnahmt. Nach Angaben der Ermittler (mit Untersuchungsrichter Baltasar Garzon an der Spitze, der einst die Festnahme des früheren chilenischen Diktators Augusto Pinochet in London verordnete) besitzt Petrow in Spanien Immobilien im Wert von mehr als 30 Millionen Euro.

    Eigentlich könnten die Spanier sich dabei einen goldene Nase verdienen, wenn sie Rundreisen an der Küste mit „Lieblingsrestaurants der georgischen Unterweltbosse", den „Schlössern der russischen Mafia", den „britischen Gangstern auf Mallorca" usw. veranstalten würden. An der Costa Brava und der Costa del Sol, auf den Balearen und Kanaren, in Madrid, Valencia, Malaga, Alicante - überall gibt es etwas über die „russische" oder „britische" Kriminalität zu erzählen.

    Was russische Verbrecher angeht, so mögen sie die iberische Halbinsel seit der Mitte der 90er Jahre. Ungefähr 1997 begann der massive Umzug von russischen Mafiabossen nach Spanien. Dafür gab es mehrere Gründe. Erstens hatten die Spanier damals keine Ahnung von dem Umfang der Aktivitäten der russischen Mafia. Zweitens hatten die Spanier nicht genug Kräfte für die Kriminalitätsbekämpfung, weil sie bis über beide Ohren im Anti-Terror-Kampf steckten.

    An der ganzen spanischen Küste - egal ob am Mittelmeer oder am Atlantik - gab es nicht ausreichend Polizisten und Untersuchungsrichter, um alle Verbrechen verfolgen zu können. Drittens gab Spanien mit seiner ewigen „Freiheitsluft" und ziemlich liberalen (nach europäischem Maßstäben) Gesetzen ein ideales „Hauptquartier" kaukasischen und slawischen Banditen ab.

    Viertens erlebte die spanische Bauindustrie zwischen 1997 und 2007 einen nie dagewesenen Aufschwung. Damit war das Land lukrativ für Geldanlagen. Wie es ziemlich oft passiert, wurde der Bauboom von einer nie dagewesenen Korruption begleitet. Die Bauarbeiten wurden problemlos genehmigt, wenn die „richtigen Personen" geschmiert wurden. Dank Immobilien wurde das Geld „gewaschen" und in neue Immobilien umgewandelt.

    In Spanien ist der aufsehenerregende Skandal um Stadtverwaltung Marbellas (auf der Costa del Sol) immer noch nicht vergessen, deren Mitglieder allesamt korrupt waren und die deswegen gehen musste. Marbellas Chefstadtplaner Juan Antonio Roca ließ sich mit astronomischen Summen schmieren. Während des Strafprozesses wurde später 200 Millionen Euro genannt. In Spanien bedeutete das ein bisher unerreichter Rekord.

    Als richtiges Sinnbild des Korruptionsausmaßes auf der iberischen Halbinsel könnte der dort populäre Witz gelten. In Spanien wird nämlich der 500-Euro-Schein oft „Bin Laden" genannt, denn es gibt zwar solche Banknoten, aber sie wurden von kaum jemandem gesehen. Den spanischen Untersuchungsrichtern zufolge passt der Fünfhunderter am besten in den typischen europäischen Postumschlag. Böse Zungen sagen sogar, dass nahezu 40 Prozent aller 500-Euro-Scheine nur in Spanien im Umlauf sind.

    Aber man sollte wohl nicht alle Verbrechen, die in Spanien begangen werden, den Auswanderern aus der früheren Sowjetunion vorwerfen. Denn noch vor der Entstehung der russischen Kolonie in Spanien hatten die Briten Costa del Sol und Costa Brava als „Costa del Crime" und „Costa Gangsters" getauft. In der Gegend wimmelt es von Villen, die britischen Großkriminellen gehören. Außerdem kommen jeden Sommer sehr viele Taschendiebe aus Großbritannien nach Spanien, um ihre Urlaubskasse aufzubessern.

    Die Meinung des Autors muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.